Nun ging es an die "Kabine". Aus ein paar Latten und Brettern war
sie schnell zusammengebastelt. Selbstverständlich sah sie komplett
unförmig und rechteckig aus, aber das war egal, sie sollte ja nur
einen Sommer lang ihre Dienste tun. Um sie zu verschönern, konnte
man sie später immer noch beeindruckend anmalen. Da ich große
Fenster aus Plexiglas haben wollte, brauchte ich auch nicht viel
Holz und nahm die billigsten Nut-und-Feder-Bretter aus dem Baumarkt.
Bitte machen Sie das nicht nach, Sie werden nicht viel Freude daran
haben. Genau gesagt bis zum ersten größeren Regenfall. Es ist viel
einfacher, ein Schiff von unten wasserdicht zu bekommen als von
oben.
Ich konstruierte eine Bank, die zugleich als Toilette dienen
konnte und unter die sich die Batterien schieben ließen. Das war
sehr praktisch gedacht, allerdings saß später nie jemand auf dieser
Bank. Aber als Toilette funktionierte das ganz gut. Die
Fenstervorhänge zugemacht, und schon hatte man seine Ruhe. Für den
Dauerbetrieb ist das sogenante "Ernst-August-Klappklo" aber nur
bedingt geeignet, nach jeder Sitzung endet man mit einem vollen
Plastikbeutel, den man irgendwie entsorgen muss. Besonders für das
kleine Geschäft bei Frauen ist das höchst unrentabel. Männer haben
es da ja einfacher, ein passender Baum ist immer schnell gefunden.
Die Halterung für den Elektromotor war zwar gut durchdacht und
recht stabil, aber viel zu hoch angebracht, was auf dem Trockenen
aber niemand bemerkte. Will man es von Anfang an richtig machen,
kommt man um eine genaue Berechnung des Tiefgangs nicht herum.
Ein Armaturenbrett musste natürlich auch sein, und genau das
baute ich: ein Brett mit Armaturen drin. Nicht schön - und im
Nachhinein gesehen ziemlich überflüssig. Die Armaturen waren ein
Ladezustandsmesser für die Batterien, ein Amperemeter zur Ermittlung
des aktuellen Stromverbrauchs und zwei Schalter, einer für die
Innenbeleuchtung und einer für die Hupe. Ein Geschwindigkeitsmesser
wäre zwar schön gewesen, aber da mit dem Elektroantrieb kaum mehr
als 3 km/h zu schaffen waren, verzichtete ich darauf. Ebenso auf ein
Echolot. Das Boot würde später vielleicht 20 bis 30 Zentimeter
Tiefgang haben, da brauchte man solche Spielereien nicht.
In der Praxis zeigte sich, dass man bei Fahrt ungefähr jede halbe
Stunde den Ladezustand der Batterien kontrolliert, das Meßgerät kann
also genausogut irgendwo in der Nähe der Akkus sein, dann spart man
sich einiges an Kabel. Das Amperemeter wurde außer in der
Anfangsphase überhaupt nicht mehr angeschaut, mit etwas Routine
wusste man, bei welcher Stellung des "Gashebels" wieviel Strom
verbraucht wurde. Gehupt wurde überhaupt nie, aber bei Notfällen ist
es trotzdem gut, wenn sich der Schalter irgendwo in Griffnähe
befindet. Der Ladezustandsmesser war eine komplette Fehlinvestition,
der Laderegler der Solarzellen gab genausogut Auskunft über die
vorhandene Batterieleistung.
Neben das "Armaturenbrett" kam der Geschwindigkeitsregler vom
Motor. Den hatte ich einfach abgeschraubt und die Kabel verlängert.
Damit dürfte der Garantieanspruch wohl verloschen sein. Das alles
wurde provisorisch per Kabelgewirr miteinander verbunden um die
Funktion zu testen. Ordentlich verlegen konnte man die Strippen
sowieso noch nicht, es musste ja später alles wieder zerlegt und für
den endgültigen Zusammenbau irgendwo anders hingebracht werden.
Wohin genau, kümmerte mich vorerst aber nicht, ich machte mir lieber
erst einmal Sorgen um das Bett. Da niemand direkt auf dem Boden
liegen wollte, entschied ich mich für einen Lattenrost mit
Schaumgummimatratze drauf. Wie später alte Bootshasen bestätigten,
war das eine gute Lösung. Etwas Luft zwischen Matratze und Boden
verhindert die Schimmelbildung. Ich fand ein sogenanntes "Bedflex-System",
das sich einfach aufrollen lässt und dessen Buchenleisten sich
schnell auf die richtige Breite zusägen ließen. Als Matratze
schwebte mir ein Schaumgummiteil vor, dass sich später in der Mitte
zusammenklappen ließ. Soviel Platz war im Boot ja auch wieder nicht.
Tagsüber hatte man eine freie Kabine, zum Schlafen würde man die
Matratze ausklappen, dann waren die Füße im niedrigen Vorderteil,
während man mit dem Kopf in der Kabine lag und genügend Freiraum
über sich hatte.
Als Fensterheber dachte ich mir einen über Rollen gelenkten
Seilzug aus - ein System, dass Sie sofort wieder vergessen können,
das bekommt man nie im Leben wasserdicht. Optimal wäre eigentlich
eine Art Autofensterkonstruktion, da kommt kein Tropfen Wasser
durch. Also, wenn Sie einen Automechaniker als Bekannten haben,
zögern Sie nicht, ihn zum Bau der Bootsfenster zu motivieren.
Klappfenster wie sie früher der Citroen 2 CV hatte, wären vielleicht
auch keine schlechte Lösung. Später experimentierten wir noch mit
dem Fenstersystem der alten Reichsbahnwaggons, aber besonders
wasserdicht war das auch nicht. Als richtig dicht erwies sich nur,
die Plexiglasfenster über Dichtungen festzuschrauben und bei
Luftbedarf eben wegzuschrauben. Ich machte das mit "Flügelschrauben"
und "Einschlagmuttern". Den ganzen Sommer über hatte ich mit
undichten Fenstern zu kämpfen. Am einfachsten wäre wohl, sich
normale Hausfenster mit Rahmen zu kaufen. Ein Problem ergab sich,
als ein Bekannter erzählte, Plexiglas wäre nicht brauchbar, ich
müsste unbedingt Acrylglas nehmen. Einige Recherchen brachten aber
zutage, das Plexiglas nur der umgangssprachliche Name für Acrylglas
ist, was beim Einkauf auch vom Händler bestätigt wurde. Also lassen
Sie sich nicht verwirren, wenn Sie in dieser Richtung auch mal einen
gutgemeinten Ratschlag bekommen.
Als nächstes brauchte es noch eine Art "Kontrollzentrum", in dem
sich alle sonst noch wichtigen elektrischen Dinge befanden:
Laderegler, Uhr, Schalter für die diversen Lampen, Sicherungen,
Wasserwarner, 12-Volt Steckdosen für Staubsauger, Wasserkocher und
Sonstiges. Versuche mit einer Sperrholzplatte waren sehr
frustrierend, es ist äußerst schwierig, mit einer Stichsäge Schnitte
hinzubekommen, die nicht ausfransen. Plexiglas hingegen erwies sich
als dankbares Material. Es ist leicht zu bohren, leicht zu
schneiden, und wenn man nichts Durchsichtiges will, kauft man sich
eben eine farbige Platte oder malt sie hinterher an.
Weil es an Bord immer reichlich Sachen unterzubringen gibt,
wurden auch noch zwei Regale gebaut. Für Land- bzw. Seekarten,
Besteck, Medizinkasten und Bücher.
Die Lenkung war für mich erst einmal ein Buch mit sieben Siegeln,
aber eines war wenigstens klar: ein Lenkrad musste her. Eifriges
Wälzen der Kataloge förderte ein heimelig aussehendes Holzlenkrad
zutage, das zwar nicht billig war, aber wunderbar zum Holzkasten
passte. Wie durch ein Wunder fand ich einen Rundstab aus Holz, der
genau in das Loch am Lenkrad passte und konstruierte eine Achse.
Machen Sie das bitte nicht nach, eine Holzachse ist denkbar
ungeeignet, bei der ersten größeren Belastung bricht sie einfach.
Später wurde das Holz durch ein Aluminiumrohr ersetzt.