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Erste Experimente mit dem Bootsbau

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Jetzt wo ich meinen Bootsführerschein hatte - den ich allerdings wegen der Neuregelung der Berliner Wassergesetze nicht mehr brauchte - konnte es an den Bau des Bootes gehen. Auf vier Schwimmern sollte es später einmal stehen, aber bevor ich in Serienproduktion ging wollte ich erstmal nur einen bauen, und zwar 4,50 Meter lang und 1,20 Meter breit. Dann eine Kabine drüber basteln und einen Sommer lang testen, ob der Schwimmer auch schwimmen würde.

Aus der Lektüre meiner Bootsbaubücher hatte ich gelernt, dass ein Boot im Prinzip aus einem stabilen Gerüst besteht, an dem dann Sperrholzplatten befestigt werden. Mit komplizierten Rundungen wollte ich mich nicht lange aufhalten, das lag sowieso außerhalb meiner handwerklichen Fähigkeiten, aber so eine Art schwimmende Schuhschachtel schien mir machbar.

Wegen der Finanzierung machte ich mir erst einmal überhaupt keine Sorgen. Sicherlich wäre es vernünftiger, sich vor Baubeginn hinzusetzen und alle Materialkosten genau durchzurechnen, aber ich wollte nicht vernünftig sein, sondern ging einfach nach dem Prinzip vor: Wenn wieder Geld übrig ist, kauft man sich halt eine weitere Sperrholzplatte. Ich stand ja nicht unter Zeitdruck.

Außerdem machte ich mir sowieso keine Illusionen, es würde garantiert alles viel teurer werden als ich mir das so vorstellte. Nachdem ich den Motor gekauft, das Holz bezahlt und stöhnend die Rechnung für Batterien und Solarzellen überwiesen hatte, sah meine Einkaufsliste immer noch so aus:

Grundierung, Farbe, Antifouling, Epoxidharz, Glasfasermatten, Fenster, Eimer, Skipperstuhl, Rettungsweste, Rettungsring, Beschläge, Schlauchboot, Paddel, Seile, Bootshaken, Schleppleine, Anker, Beleuchtung, Hupe, Mülleimer, Feuerlöscher, Leiter, Schlafsack, Kissen, Spiegel, Tisch, Besucherstühle, Grill, Verbandskasten, Spirituskocher, Solardusche, Fernglas, Bilgenpumpe, Klo, Radio mit CD-Player, Wasserkocher, Bordfahrrad, Wechselrichter, Kühlschrank, Fernseher, Laptop...

Zugegeben, Fernseher und Laptop fielen schon in die Luxusabteilung, aber die Liste war trotzdem ganz schön lang. Den Komplettpreis zusammenrechnen, das wollte ich mir nicht unbedingt antun.

Und ökologisch wollte ich sein: Solarzellen und Elektroantrieb mussten her. Der größte handelsübliche 12-Volt Elektroaußenborder war ein MinnKota 55, er wurde beschafft und schlug mit 700 Euro zu Buche. Zwei Solarzellen á 75 Watt kosteten nochmal 440 Euro pro Stück. Damit waren die teuersten Einzelteile beschafft, alles andere lag dann höchstens noch bei 150 Euros auf einmal, das konnte man so nach und nach kaufen - ein Boot auf Teilzahlung, sozusagen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wenn man mehr vorhat, als sein Boot ab und zu von einer Seite des Sees auf die andere zu versetzen, dann lässt man besser die Finger von 12-Volt Elektromotoren. Für ein normales Fahren reicht hier die Leistung einfach nicht aus - schon garnicht, wenn man es mit Wind oder Strömungen zu tun hat. Dann wird man zum Spielball der Natur und zu einer Gefährdung für andere Boote.

Die Frage des Bauplatzes bzw. einer Werkstatt hatte sich schnell erübrigt, beides gab es nicht. Da musste wohl oder übel mein Büro herhalten. Die Schreibtische wurden so weit wie möglich an die Wand gerückt und schon ging der Bau los. Die Sperrholzplatten wurden bereits richtig zugeschnitten vom örtlichen Baumarkt per Fahrradkurier geliefert, die nötigen Balken balancierte ich auf den Schultern ins Büro. Beim Einkauf sollte man beachten, dass die Balken gut getrocknet sind (je leichter, desto trockener) und dass sie möglichst gerade sind. Als Holz nahm ich Fichte und Kiefer, je nachdem was gerade da war. Preislich war da nicht viel Unterschied. Ich entschied mich für sogenannte "Regalstollen", die aus vielen Einzelteilen zu einem Balken verleimt werden und sich kaum verziehen können. Aber nötig war diese Mehrausgabe eigentlich nicht, wie sich später herausstellte. Ein gut getrockneter normaler Kieferbalken tut es auch. Balken aus Buche machen einen sehr stabilen Eindruck, gehen aber reichlich ins Gewicht, also ließ ich das lieber bleiben. Für die Sperrholzplatten nahm ich wasserfest verleimte Birke mit 15 mm Stärke, überflüssig dick, wie sich später herausstellte. 10 mm hätte es auch getan.


Der erste Bauplatz: Mein Büro