Weil es aus Holz und damit leichter
als Wasser ist?
Schiffe aus Stahl schwimmen auch.
Weil es innen hauptsächlich aus Luft besteht?
Ein Öltanker nicht, ein U-Boot schon, aber trotzdem geht es unter.
Ein Schiff schwimmt, weil es Wasser verdrängt. Je mehr Wasser es
verdrängen kann, desto größer kann die Zuladung ausfallen. Das
Prinzip der Verdrängung ist ganz einfach, das hat damals der alte
Archimedes entdeckt. Grob gesagt verdrängt ein Kilogramm Gewicht
einen Liter Wasser. Andersherum: Wenn man einen Liter Wasser
verdrängt, darf das Boot inklusive Zuladung höchstens ein Kilogramm
wiegen, ansonsten geht es unter. Spielraum für Wellengang ist dann
aber nicht mehr.
Und wie verdrängt man einen Liter Wasser? Ein Liter ist vom
Rauminhalt her ein Würfel mit je zehn Zentimetern Kantenlänge, also
ein Kubikdezimeter.
Man bastelt sich aus starker Pappe einen solchen Würfel und lässt
die Oberseite offen. In die Badewanne gestellt schwimmt dieser
Pappwürfel, ohne großartig einzutauchen. Wenn man jetzt eine
halbvolle Packung Zucker (=0,5 kg) hineinstellt, wird der Pappwürfel
ungefähr bis zur Mitte untergehen, aber er schwimmt immer noch. Wenn
man eine Kilopackung hineinstellt geht das Wasser bis an die
Oberkante des Würfels - und bei der kleinsten Bewegung schwappt es
hinein. Ewig lang kann man diesen Versuch aber nicht machen, die
Pappe wird sich irgendwann vollsaugen und dann ist das "Schiff"
nicht mehr wasserdicht.
Die Tragkraft eines Bootes errechnet sich nach einer ganz
einfachen Formel:
Tragkraft (in kg) = Volumen des Bootskörpers (in Kubikdezimetern)
minus Eigengewicht des Bootes (in kg)
Natürlich ist ein Würfel für ein Boot eine denkbar ungünstige
Form, deswegen baut auch kein Mensch würfelförmige Schiffe und man
braucht wahrscheinlich mathematische Fachliteratur über die
Berechnung von Rauminhalten verschiedenster Körper, falls man nicht
zu den Glücklichen gehört, denen das Thema noch aus der Schulzeit
geläufig ist.
Eine Schuhschachtel sieht einem Boot schon etwas ähnlicher und
schwimmt auch besser. Die Tragkraft (in kg) der Schachtel ist Länge
* Breite * Höhe (alles in Dezimetern).
Als skeptischer Mensch, der nicht jeder Formel einfach so glauben
mag, habe ich mir eine Art Schuhschachtel aus Holz gebastelt, mit
dem Ziel, sie hinterher in der Badewanne auszuprobieren.
Der Bau war schnell erledigt, aus ästhetischen Gründen kam auch
noch eine Spitze vorne dran, damit es etwas mehr nach Schiff aussah.
Eine Schicht Lack sollte das Sperrholz davon abhalten, sich mit
Wasser vollzusaugen.
Kurz gesagt, das Schuhschachtel-Modellboot schwamm tadellos,
wochenlang, und es hatte auch die vorausberechnete Tragkraft. Etwas
mehr, denn die Spitze erhöhte natürlich die Verdrängung, je tiefer
sie ins Wasser kam, aber das genau zu berechnen war mir zu
kompliziert, da brauchte man diese Dreiecksformeln dazu, die einem
im Gymnasium bereits ein Graus waren. So genau wollte ich es auch
gar nicht wissen.
Ein komplizierender Faktor kommt bei der Berechnung der Tragkraft
noch hinzu: der Auftrieb des verwendeten Materials. Holz ist
leichter als Wasser, je weiter man es hineindrückt, desto stärker
drückt es von unten wieder dagegen. Und das ist auch gut so, wie
jeder bestätigen wird, der sich schon einmal an einem schwimmenden
Baumstamm festgeklammert hat. Aber auch das würde ich außer acht
lassen, es war mir egal, wenn das Boot etwas weniger Tiefgang haben
würde als berechnet. Denn genau diese schwimmende Schuhschachtel
wollte ich jetzt in groß als echtes Schiff bauen. Aber vorher wollte
ich noch schnell den Bootsführerschein machen. Bevor ich den nicht
bestanden hatte, würde mir ein Boot sowieso nichts nützen.