Schwimmding.de

Elektromotoren

zur Startseite 

 

Weit war ich dieses Jahr wirklich nicht gekommen, mit meinem 0,8 PS Elektromotor, was hauptsächlich am Wind lag. Rudi hatte mich ja manchmal in Schlepp genommen, sein 5-PS-Außenborder hatte das völlig problemlos verkraftet, auch bei stärkerem Wind. An mangelnder Stromlinienform des Schwimmdings lag es schon mal nicht.

Fünf PS mussten es nächstes Jahr schon sein, soviel stand fest. Diese mit einem Elektroantrieb zu erreichen ist aber nicht einfach. Denn fünf PS sind umgerechnet 3600 Watt, mit 12-Volt Batteriebetrieb ist hier nichts zu machen, da würde bei Vollgas ein Strom von 300 Ampere fließen, man bräuchte armdicke Kabel und eine übliche 100-Ah Batterie wäre nach 20 Minuten leer, falls sie nicht schon lange vorher wegen des hohen Stromes in die Knie ging. Um zu handhabbaren Strömen unter 100 Ampere zu gelangen, ist eine 36- oder 48-Volt Anlage nötig. Dermaßen leistungsstarke Motoren fallen nicht mehr unter den Begriff "handelsüblich". Es gibt sie zwar, zum Beispiel von der Firma Kräutler (www.kraeutler.at), aber preislich muss man hier in Kategorien ab 4000.- Euro aufwärts denken. Das ist nicht jedermanns Sache. Mit nur einer Batterie kommt man in diesen Dimensionen auch nicht sehr weit.

 

Um 48 Volt zu erreichen, muss man eben 4 Batterien in Serie schalten, damit kann man dann bei vollen Akkus etwas über eine Stunde Vollgas fahren. Eine 48-Volt Solaranlage gehört eher in den Bereich des für den Normalbürger Unerschwinglichen, zum Laden müsste man also die Serienschaltung der Akkus aufheben und sie durch Parallelschaltung verbinden, während der Ladezeit könnte man dann allerdings nicht fahren.

Hier kommt man schnell in Bereiche, in denen es sehr teuer und kompliziert wird.

Resigniert nahm ich Abschied von dem Gedanken an einen stärkeren Elektromotor. Vor allem, weil ein 5-PS Außenborder mit Benzinbetrieb schon ab 800.- Euros zu haben ist. Sogar einer mit vier Zylindern, was allgemein als besser gilt. 2-Zylindermotoren klingen immer etwas nach Moped, soviel wusste ich, ansonsten hatte ich keine Erfahrung mit Verbrennungsmotoren. Und auch keine Ahnung davon. Andererseits - ich war doch auch schon viele hunderttausend Kilometer Auto gefahren, ohne eine Ahnung zu haben wie ein Automotor funktioniert. Hier reichte es ja, wenn man sich an die Grundlagen hielt: Auf die Temperatur achten, ab und zu Öl nachfüllen und das Benzin nicht vergessen. Warum sollte das bei einem Bootsmotor soviel schwieriger sein?

In der Fahrschule hatte man mir einige Formeln beigebracht, in denen es um Motorleistung und Geschwindigkeit ging. Eigentlich war es ganz einfach. Ein Boot hat eine Maximalgeschwindigkeit - die sogenannte Rumpfgeschwindigkeit, die von der Länge des Bootes abhängt. Je länger, desto schneller. "Länge" ist nicht die Länge des Bootes insgesamt, sondern des Teiles, der im Wasser ist, der Fachmann nennt das "Wasserlinie".

Die maximal erreichbare Geschwindigkeit errechnet sich nach der Formel:

Geschwindigkeit = 4,5 mal Wurzel aus Länge der Wasserlinie.

Wenn ein Boot (also die Länge der Wasserlinie) 9 Meter lang ist, kann man mit einer Maximalgeschwindigkeit von 4,5 * 3 km/h rechnen, also 13,5 km/h. Um diese Rumpfgeschwindigkeit zu erreichen, benötigt man in etwa 7 PS Motorleistung pro Tonne Bootsgewicht.

Wenn man die Rumpfgeschwindigkeit bereits mit einem 5-PS Motor erreicht, dann hat es nicht viel Sinn, einen 100-PS Motor zu installieren, das Boot wird damit nicht strategisch schneller fahren, sondern durch sein selbst erzeugtes Wellensystem gebremst.

Die genannte Formel ergibt aber nur ungefähre Werte, je schlanker das Boot, desto schneller wird es sein. Abweichungen bis zu 25% sind durchaus normal.

Und die Formel gilt nur für sogenannte "Verdränger", das sind Boote, die deswegen schwimmen, weil sie Wasser verdrängen. Die andere Bootsart nennt sich "Gleiter", das sind die, deren Bug sich ab einer gewissen Geschwindigkeit aus dem Wasser hebt und die mit hohen Geschwindigkeiten auf dem Wasser dahingleiten. Rennboote zum Beispiel sind Gleiter, ein Hausboot gehört da nicht dazu.

Gut, Elektromotor war also out, und ich begann, Prospekte über Benziner oder Dieselmotoren zu wälzen. Viel mußte man eigentlich nicht wissen, auf den Motoren der Boote, die einen so im Lauf des Jahres überholt hatten, stand Yamaha, Johnson, Suzuki, Honda oder Tohatsu. Die gängigen Marken waren also bekannt und letztere lagen in einer Preisklasse um die 1000.- Euros für 5 PS. Kein Rennmotor, sicher, aber ich wollte ja auch keine Rennen fahren, sondern mich nur bei Wind vorwärts bewegen können.

Ein Bekannter besorgte mir dann angeblich günstig einen gebrauchten 25 PS Evinrude Außenborder, auf den ich anfangs sehr stolz war. Später stellte sich aber heraus, dass 25 PS viel zu viel für mich waren. Auch der Spritverbrauch der alten Knattermaschine war eine Freude für jeden Tankstellenbesitzer. Ich wurde den Gedanken nicht los, dass dieser Bekannte seinerseits einen Bekannten hatte, dem er wohl erzählt hat: "Du ich kenn da so einen Idioten, der kauft dir den Motor ab. Ich schlepp dir den Kerl mal an."