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Die Batterie

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Die Batterie – also die Starter- oder Verbraucherbatterie an Bord - ist keine Batterie. Sie ist ein Akku. Ein Batterie ist nach Gebrauch leer, einen Akku dagegen kann man wieder aufladen. In jedem Auto zum Beispiel befindet sich ein Akku, nur dass alle Batterie zu ihm sagen. Woher das kommt, weiß man nicht. Kein Mensch würde auf den Gedanken kommen, den Akku seines Handys als Batterie zu bezeichnen.

 

Batterien haben schon auch ihren Sinn, auch wenn man sie nach Gebrauch wegwerfen muss. Ihr großer Vorteil ist: im Gegensatz zu den meisten Akkus sind sie voll, wenn man sie kauft – damit also sofort einsatzbereit. Zweitens speichern sie die Energie wesentlich länger als ein Akku, der immer eine Neigung zur Selbstentladung hat. Für kleine, aber wichtige Sachen, wie z.B. eine Taschenlampe oder einen Notsender sollte man immer einen Satz originalverpackter Batterien dabei haben. Akkus haben sich bis zum Eintreffen der Notsituation möglicherweise schon selbst entladen.

Aber zurück zur Starter- oder Verbraucherbatterie, die also eigentlich ein Akku ist, aber sogar von den Herstellern als Batterie bezeichnet wird. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Bauformen: Autobatterien, Solarakkus, Gelbatterien, wartungsfreie Batterien.

Das war anfangs für mich sehr verwirrend und ich beschäftigte mich mit Fachliteratur zu diesem Thema. Dann war es etwas einfacher. Je nach Autor braucht man für eine Solaranlage auf dem Boot unbedingt einen Solarakku, oder eine Gelbatterie, während es eine Autobatterie aber auch tut. Also schien die Wahl der Batterie ziemlich einfach zu sein: Einfach irgendeine nehmen. "Wartungsfrei" gefiel mir am besten. Das klang nach hinstellen, anschließen und vergessen.

Jetzt gab es diese Batterien aber in den unterschiedlichsten Preisklassen. Noch relativ leicht war folgender Sachverhalt zu verstehen: Auf jeder Batterie steht eine AH-Zahl, die Zahl, die angibt, wieviel elektrische Leistung sie speichern kann. AH bedeutet Amperestunden, eine Batterie mit 100 AH kann also theoretisch entweder 100 Stunden lang einen Strom von 1 Ampere liefern, oder 10 Stunden lang 10 Ampere oder 1 Stunde lang 100 Ampere.

Nun weiß man normalerweise nicht, wieviel Ampere so ein elektrisches Teil verbraucht, weil die Leistungsaufnahme in der Regel in Watt angegeben wird. Aber hier gibt es eine einfache Formel:

Ampere = Watt geteilt durch Volt.

Eine 20-Watt Lampe an einem 12-Volt System braucht 20/12 = 1,67 Ampere.

Wenn man sie eine Stunde brennen lässt, verbraucht sie eben 1,67 Amperestunden (also AH). Wenn die Batterie 100 Amperestunden an Kapazität hat, dann brennt so eine 20-Watt Lampe 100 / 1,67 = 60 Stunden. Dann ist die Batterie leer. Und kaputt. Weil man eine Batterie nie vollständig entladen darf.

Oberflächlich gedacht könnte man also der Meinung sein, je mehr AH so eine Batterie hat, desto besser ist sie. Weil sie länger hält. Wer aber schon mal versucht hat, eine Batterie mit 250 AH zu transportieren, ändert schnell seine Meinung, denn je mehr AH, desto mehr Bleiplatten sind in so einer Batterie. Eine 100-AH Batterie wiegt um die 30 Kilo, darüber wird es ganz schnell ungemütlich.

Ich kam auf den Einfall, einfach mal auszurechen, wieviel eigentlich 1 AH bei einer bestimmten Batterie kostet. Also "Preis in Euros" geteilt durch Amperestunden, und ich kam auf erstaunliche Ergebnisse. Ich wälzte eine Menge Kataloge, erstellte mir ein kleines Excelprogramm und tippte die Lieferanten, Hersteller, AH’s und die Euros ein. Das Programm sortierte mir die entstehende Tabelle ordentlich nach Preis pro AH. Das sah dann so aus:

Lieferant/Akku  - AH  - Preis in Euro  -  Euro/AH

SEGELLADEN DETA

250

260

1,04 €

SEGELLADEN DETA

77

85

1,10 €

SEGELLADEN DETA

190

220

1,16 €

SVB DELPHI

102

120

1,18 €

SEGELLADEN DETA

85

100

1,18 €

SEGELLADEN DETA

70

83

1,19 €

SVB VETUS

108

129

1,19 €

SEGELLADEN VETUS

108

129

1,19 €

SEGELLADEN DETA

105

130

1,24 €

SEGELLADEN DETA

115

145

1,26 €

SVB DELPHI

55

70

1,27 €

SVB VETUS

225

289

1,28 €

SVB VETUS

200

269

1,35 €

SVB DELPHI

170

230

1,35 €

SVB DELPHI

66

90

1,36 €

SEGELLADEN VETUS

143

195

1,36 €

SVB VETUS

143

199

1,39 €

SVB VETUS

70

99

1,41 €

SEGELLADEN VETUS

70

99

1,41 €

SVB VETUS

55

79

1,44 €

SEGELLADEN VETUS

55

79

1,44 €

SEGELLADEN VETUS

120

175

1,46 €

SEGELLADEN VETUS

165

245

1,48 €

SVB VETUS

165

249

1,51 €

SEGELLADEN DETA

140

230

1,64 €

SEGELLADEN DETA GEL

220

419

1,90 €

PIEPER VARTA AB

230

451

1,96 €

PIEPER VARTA AB

80

162

2,03 €

PIEPER VARTA AB

90

184

2,04 €

PIEPER VARTA AB

180

373

2,07 €

PIEPER VARTA AB

60

130

2,17 €

CONRAD DRYFIT

230

499

2,17 €

GRÜNDL DETA

220

486

2,21 €

SEGELLADEN DETA GEL

75

170

2,27 €

SEGELLADEN DETA GEL

145

329

2,27 €

PIEPER VARTA AB

50

114

2,28 €

SEGELLADEN DETA GEL

120

279

2,33 €

CONRAD DRYFIT

90

210

2,33 €

PIEPER VARTA AB

130

304

2,34 €

CONRAD DRYFIT

130

310

2,38 €

CONRAD DRYFIT

85

205

2,41 €

GRÜNDL DETA

75

182

2,43 €

PIEPER VARTA AB

70

172

2,46 €

SVB EXIDE

200

500

2,50 €

PIEPER VARTA DRY

220

550

2,50 €

SEGELLADEN DETA GEL

60

150

2,50 €

GRÜNDL DETA

145

373

2,57 €

SEGELLADEN DETA GEL

85

219

2,58 €

CONRAD DRYFIT

60

155

2,58 €

GRÜNDL DETA

120

314

2,62 €

SVB EXIDE

75

199

2,65 €

GRÜNDL DETA

85

227

2,67 €

SVB EXIDE

120

330

2,75 €

PIEPER VARTA DRY

75

207

2,76 €

GRÜNDL DRY BULL

100

279

2,79 €

GRÜNDL DETA

60

168

2,80 €

SVB EXIDE

135

380

2,81 €

SVB EXIDE

115

330

2,87 €

PIEPER VARTA DRY

145

422

2,91 €

SEGELLADEN DETA GEL

44

130

2,95 €

PIEPER VARTA DRY

120

358

2,98 €

SVB EXIDE

80

240

3,00 €

GRÜNDL DRY BULL

72

219

3,04 €

GRÜNDL DRY BULL

85

259

3,05 €

PIEPER VARTA DRY

85

260

3,06 €

SVB EXIDE

57

180

3,16 €

PIEPER VARTA DRY

60

190

3,17 €

PIEPER VARTA AB

125

401

3,21 €

CONRAD DRYFIT

32

110

3,44 €

GRÜNDL DRY BULL

40

139

3,48 €

GRÜNDL DRY BULL

60

209

3,48 €

SEGELLADEN DETA GEL

48

170

3,54 €

SVB EXIDE

55

199

3,62 €

SVB EXIDE

38

140

3,68 €

GRÜNDL DETA

48

178

3,71 €

PIEPER VARTA DRY

25

94

3,76 €

PIEPER VARTA DRY

40

153

3,83 €

SVB EXIDE

24

100

4,17 €

CONRAD DRYFIT

17

80

4,71 €

CONRAD DRYFIT

6,6

38

5,76 €

Damit fiel mir die Entscheidung schon leichter. Bei der 250-AH Batterie aus dem Segelladen kostete eine Amperestunde also 1,04 Euros, während ich beim Schlusslicht, einem Dryfit–Akku mit 6,6 AH aus dem Hause Conrad für die gleiche Leistung 5,76 Euros bezahlen musste. Und schon hatte ich die 250 AH Batterie bestellt. Etwas verwundert schaute ich ein paar Tage später zu, wie sich der Spediteur abmühte, das Ding in meine Wohnung zu schaffen. Ich hatte vergessen, im Prospekt die Zeile mit dem Gewicht zu lesen. So knapp 60 Kilo waren es wohl, und ich ließ die Batterie wieder zurückgehen, das wollte ich mir nicht antun. Der Segelladen würde mir wohl demnächst keine neue Batterie schicken, also rief ich die nächste in Frage kommende Firma an, das war SVB, deren Verkäufer mir am Telefon sagte, ich hätte eine gute Wahl getroffen, die Delphi 102 AH sei deren meistverkaufte Batterie, er verkaufe sie palettenweise und könne garantieren, dass sie immer frisch ab Werk käme. Er könne natürlich auch jede andere Batterie liefern, wisse aber nicht, wie lange diese schon beim Großhändler herumgestanden sei. Ich bestellte zwei Stück.

So schlau der Einfall mit der Exceltabelle auch war, hinterher musste ich erfahren, dass man die Kapazitätsangaben von Batterien nur bedingt miteinander vergleichen kann. Es kommt nämlich auch noch darauf an, in welchem Zeitraum der Strom entnommen wird. Dafür gibt es den sogenannten K-Wert. Üblich sind K 20 oder K 100, aber auch andere Arten können im Prospekt genannt werden, falls der K-Wert überhaupt genannt wird. Während eine Batterie zum Beispiel bei einer Stromentnahme über 100 Stunden 150 AH leisten kann, verringert sich die Leistung auf 135 AH, wenn der Strom innerhalb 20 Stunden entnommen wird. Man kann strenggenommen also nur Akkus mit dem selben K-Wert vergleichen, aber dieser wird in Prospekten und Katalogen oft nicht angegeben, man muss ihn direkt beim Hersteller erfragen.

Um den Ladezustand eines Akkus zu erforschen, musste man früher umständlich mit Säurehebern hantieren, heutzutage misst man einfach mit einem Voltmeter die Spannung zwischen den Polen:

  • 12,5 – 12,8 Volt : Akku voll geladen

  • 11,5 – 12,5 Volt: normaler Betriebszustand

  • 10,5 – 11,5 Volt: Akku stark entladen

  • unter 10,5 Volt: Akku völlig entladen

Bei der Messung darf der Akku nicht mit irgendwelchen Stromverbrauchern belastet sein. Als Faustregel kann man sich einfach merken: Alles unter 12 Volt ist schlecht und die Batterie gehört nachgeladen.

Ganz wichtig ist, dass man die Verbraucher nicht direkt an die Batterie anschließt, sondern einen Unterladeschutz dazwischenschaltet, der dafür sorgt, dass die Verbraucher bei einer Batteriespannung unter 10,8 Volt abgeschaltet werden.

Unbegrenzt hält so eine Batterie natürlich nicht, es kommt darauf an, wie oft sie entladen und wieder geladen wird. Auch darauf, wie stark sie entladen wird. Es ist schon von Vorteil wenn man die Zahl der möglichen Ladezyklen in Erfahrung bringt, bevor man zwei Batterien miteinander vergleicht. Als guter Durchschnittswert hat sich eine Lebensdauer von drei bis fünf Jahren gezeigt.

Auf jeden Fall war ich unheimlich stolz auf den Einfall mit der Exceltabelle, und ein Jahr später, als ich mir eine dritte Batterie zulegen wollte, erzählte ich Spreeteufel Bernd mit schlauer Miene bei einem Bier von meinem unschlagbaren System, was er folgendermaßen kommentierte:

"Das ist mir zu kompliziert. Wir lassen uns die immer vom Lukas mitbringen. Der arbeitet in einer Autozubehörfirma und kriegt die Dinger zum halben Preis. Willst du auch eine? 45 Euros für 100 Amperestunden."

Und in Richtung Nachbarsteg rief er: "Lukas, bring doch dem Kerl hier mal eine Batterie mit !"

Das war also meine Einführung in den Unterschied zwischen Theorie und Praxis, jedenfalls wenn es um Batterien ging.