Spirit of Berlin    
 
Öffentliche Liegeplätze in Berlin - Kreuzberg
URBANHAFEN
Landwehrkanal Kilometer 7,4 / rechtes Ufer 
 

Ein Liegeplatz, an dem "das Leben tobt". Allerdings erst ab zehn Uhr morgens, die Kreuzberger stehen nicht gerne früh auf. Man liegt mitten in Kreuzberg, an der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen SO 36 und 61. So benannt nach den alten postalischen Zustellbezirken ist das südliche 61 das vornehmere Viertel, während SO 36 im Norden die "verruchte" Abteilung bietet. Man kann sich grob an der Hochbahn orientieren, die den Bezirk zerschneidet. Alles nördlich davon ist SO 36.

Die Anlegestelle bietet reichlich Platz, sie ist fast 100 Meter lang und für Schiffe bis zu einem Tiefgang von einem Meter geeignet. Man braucht hier keine Angst haben alleine zu sein, der Urbahnhafen mit dem ihm umgebenden Böcklerpark ist das Ausflugs- und Freizeitparadies der Einheimischen. Bei schönem Wetter ist es hier rappelvoll - aber nicht hektisch. Gemütlich schlendern die Kreuzberger die Ufer entlang und ernennen die Wiesen zu Lesestuben, Grillplätzen, Übungsräumen für meist orientalische Musiker und lauschigen Plätzchen für verliebte Paare. Wer Ruhe sucht, liegt hier grundfalsch. Vor allem wenn der Trompeter da ist, der zuhause wahrscheinlich nicht mehr üben darf.

Müll abladen und sich mit Frischwasser versorgen kann man am Restaurantschiff "Van Loon" kurz vor der Baerwald-Brücke, erkennbar an der "Gelben Welle".

Der nächstgelegene "Point of Action" ist das Statthaus im Böcklerpark, etwa 100 Meter entfernt. Es gibt dort Auftritte von Bands aller Art, Vernissagen, Sportanlagen und auch viel Programm für Kinder, von Suppe kochen am Lagerfeuer über Pony reiten bis hin zum Bau von Dekorationen für Geisterbahnen.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle, wenn man sich die Mühe macht, die fünf Minuten zum Kottbusser Damm zu gehen. Das ist die örtliche Kreuzberger Einkaufsmeile und man findet dort alles was man braucht - außer Schiffszubehör. Sozial eingestellte Mitmenschen sollten stets genug Kleingeld bei sich haben, der "Kotti" ist auch die Hauptstraße der Bettler und Schnorrer. Dienstag und Freitag findet am Maybachufer der mehrere hundert Meter lange türkische Basar statt, orientalischeres findet man in Berlin nicht mehr. Naturkostliebhaber gehen Dienstag und Freitag besser zum Ökomarkt am Hohenstaufenplatz. Wer Bier oder Wein will muss etwas suchen, die meisten türkischen Geschäfte und Imbissbuden verkaufen keinen Alkohol. Der U-Bahnhof Kottbusser Tor ist berühmt für herumlungernde Rauschgiftverkäufer.

An Restaurants herrscht kein Mangel, die umliegenden Straßen sind voll davon. Döner-Buden gibt es sowieso alle paar Meter und gehobenere Gastronomie findet man in der Grimmstraße, in der Dieffenbachstraße, am Platz bei der Admiralbrücke und am Kottbusser Damm. Frühstückslokale findet man reichlich am Paul-Lincke-Ufer. Auf der anderen Uferseite des Liegeplatzes gibt es auch einige Restaurantschiffe. Will man abends in eine richtig verrufene und vollgequalmte Kneipe, so ist man mit der Ankerklause direkt an der Kottbusser Brücke gut bedient. Warum die Berliner "Kottbuss" falsch buchstabieren, weiß übrigens kein Mensch. Es gibt in Deutschland keine Stadt, die so geschrieben wird.

Einen Ausflug wert ist auf jeden Fall der Heinrichplatz und die Oranienstraße. Dort befindet man sich im Zentrum von SO 36, einen besseren Eindruck vom Flair Kreuzbergs findet man nicht. Diese Gegend ist auch der Ausgangspunkt für die traditionellen Straßenschlachten die sich jedes Jahr einige sogenannte "Autonome" mit der Polizei liefern. Den Rest des Jahres  geht es aber friedlich zu. Am ersten Mai tagsüber auch, da ist das eine einzige große Straßenparty. Die Randalierer kommen erst abends und es werden immer weniger, die meisten gehen inzwischen zum Weddinger Mauerpark, da lassen sich wohl die Autos besser umwerfen. Die Polizei und die örtlichen Geschäftsinhaber haben das Problem so gelöst, dass sie alle paar hundert Meter eine Bühne quer über die Straßen bauen und dort Musikgruppen auftreten lassen. Das behindert das Vorwärtskommen der Randalierer erheblich.

Will man das "ordentliche" Kreuzberg 61 kennenlernen, so geht man am besten in die Bergmannstraße zwischen Marheineckeplatz und Mehringdamm. Das dauert zwar etwa 20 Minuten, aber vor allem an einem Samstagnachmittag findet man sie so vor, dass sie ihrem Ruf gerecht wird: "Die politisch korrekte Antwort Kreuzbergs auf den Kurfürstendamm". Wer gut zu Fuß und sowieso schon in dieser Gegend ist, kann auch den Kreuzberg besteigen. Er ist etwa 70 Meter hoch und vom Gipfel hat man eine wunderbare Aussicht über Berlin.

Wer keine Lust zum marschieren hat, kann sich in den Fahrradgeschäften in der Böckhstraße und der Admiralstraße fahrbare Untersätze tageweise ausleihen.

"Kreuzberger Nächte sind lang" und man sollte sein Schiff dort die Nacht über nicht alleine lassen, haben wir anderswo gelesen. Wir haben es trotzdem zwei Nächte getan und es ist nichts passiert.

Der Urbanhafen von der Baerwaldbrücke aus gesehen. Der Liegeplatz ist links hinten.

 

Der Liegeplatz. Die Schiffe auf dem Kanal fahren recht langsam, man hat keinen größeren Wellenschlag.

 

Wenn eines der häufigen Stadtrundfahrtsschiffe kommt, kann es auf dem Landwehrkanal schon mal ziemlich eng werden.

 

Das Statthaus - kulturelles Veranstaltungszentrum

 

Die etwas verrückteren Läden findet man in der Oranienstraße beim Heinrichplatz.

 

Der Kottbusser Damm, die örtliche Einkaufsmeile