MEIN GOTT
Ein Bibelkurs

Kapitel 8

 

       
 
 
 
 
 
 
 

Jesus

Das neue Testament beginnt mit den vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, von denen sich die ersten drei manchmal bis aufs Wort gleichen. Einer scheint hier hemmungslos vom anderen abgeschrieben zu haben.

Seltsamerweise sind alle Überlieferungen und Berichte dieser Zeit nur auf griechisch erhalten, es fand sich bis jetzt kein einziges Stück einer Aufzeichnung, das in hebräisch oder aramäisch geschrieben ist. Dabei waren die Jünger des Jesus hebräisch oder aramäisch sprechende Juden, warum sollten sie ihr Leben mit Jesus in einer Fremdsprache aufgezeichnet haben? Die erhaltenen Teile der Evangelien sind wohl nicht von den Leuten verfaßt, denen sie zugeschrieben werden.

Die Evangelisten berichten hauptsächlich vom Leben und Wirken Jesu, sind aber seltsam unvollständig und unterschlagen vieles, was man eigentlich gerne erfahren würde.
Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müßte
, schreibt Johannes am Schluß seines Evangeliums. Dabei ist sein Bericht nicht sonderlich dick, er hätte ruhig noch ein paar hundert Seiten über seinen Meister schreiben können. Man kann wohl davon ausgehen, daß der Verfasser seines Evangeliums eben nicht mehr gewußt hat und sich scheute, noch einiges dazu zu erfinden.

Es wird viel diskutiert, ob es Jesus wirklich gegeben hat, oder nicht, da keine historisch glaubhaften Dokumente in der römischen Geschichtsschreibung über seine Person berichten. Aber warum sollten sie dies auch tun? Jesus war für das damalige römische Weltreich nicht mehr als der Anführer einer kleinen, harmlosen, jüdischen Sekte in einer relativ unbedeutenden Provinz. Es gab Wichtigeres aufzuschreiben. Außerdem kümmerten sich die Römer bei ihren Eroberungen so gut wie nie um religiöse Aspekte, sie ließen den Eroberten ihren Glauben und mischten sich nicht ein, solange es nicht staatsgefährdend wurde.

So bleibt außer der Bibel nur noch ein anderes Werk, das über Jesus berichtet, und dies ist seltsamerweise der Koran, das Heilge Buch des Islam. Allerdings erkennen die Mohammedaner Jesus nur als Propheten an, nicht etwa als Sohn Gottes oder als Gott selber: 5,76 Der Messias, Sohn der Maria, war nur ein Gesandter; gewiß, andere Gesandte sind vor ihm dahingegangen. 5,73 Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: Allah ist kein anderer denn der Messias, Sohn der Maria, da der Messias doch selbst gesagt hat: Oh ihr Kinder Israels, betet Allah an, meinen Herrn und euren Herrn. 5,74 Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: Allah ist der Dritte von Dreien, es gibt keinen Gott als den Einigen Gott.

Trotzdem bemüht sich der Papst um ein freundschaftliches Verhältnis zu den Mohammedanern, er schreibt: Die Heilsabsicht umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Festhalten am Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einzigen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.

Ob es Jesus jetzt gegeben hat oder nicht, eins scheint ziemlich sicher: er hieß nicht so. Ein aramäisch sprechendes jüdisches Ehepaar wäre kaum auf den Gedanken gekommen, ihrem Kind einen lateinischen Namen zu geben. Sehr wahrscheinlich hieß Jesus in Wahrheit Joshua oder Jeschua, eigentlich auch nicht schwerer auszusprechen. Was mag es wohl für einen Grund für die Namensänderung gegeben haben?

Außer den vier in der Bibel enthaltenen Evangelien gibt es noch mehr, die man in den Apokryphen findet: Petrus, Jakobus, Thomas, Nikodemus und Bartholomäus haben auch Evangelien geschrieben.

Die Geschichte von der Weihnachtskrippe mit Ochse und Esel stammt keineswegs aus der Bibel, sondern aus dem Pseudo-Matthäusevangelium:
Am dritten Tage nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die selige Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja verkündet worden ist: Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. So beteten sogar die Tiere, Ochs und Esel, ihn ständig an, während sie ihn zwischen sich hatten. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Habakuk verkündet ist, der sagt: Zwischen zwei Tieren wirst du erkannt.

Am interessantesten ist wohl das Evangelium des Thomas, der über die Kindheit und Jugend von Jesus berichtet. Wie nicht anders zu erwarten, wird das Thomas-Evangelium als “eine Verschmelzung von unabhängigen Geschichten und Fabeln” bezeichnet.

Wie unsere Kinder auch, schien Jesus ein kleiner Lausbub gewesen zu sein, er heckte mancherlei Streiche aus. Thomas schreibt:
Und er machte aus Erde und Wasser einen schlammigen Lehmteig und formte daraus zwölf Sperlinge. Und es war Sabbat, als er das tat. Es sah aber ein Jude, was Jesus da beim Spielen am Sabbat tat, und ging hin und meldete es dem Vater Joseph. Und Josef kam an den Platz, sah’s und schrie ihn an: Warum tust du am Sabbat solche Dinge, die doch zu tun nicht erlaubt ist? Jesus aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu: Auf! Davon! Und die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon.

Thomas erzählt uns auch von einem Mord, den Jesus angeblich begangen hat:
Danach ging Jesus wieder einmal durch das Dorf, und ein Kind, das vorbeilief, stieß ihn an die Schulter. Und Jesus wurde erbittert und sagte zu ihm: Du sollst deinen Weg nicht weitergehen. Und alsbald fiel es hin und verstarb.

Da Jesus normalerweise nur Kranke heilte, Tote auferweckte und für genügend Brot, Fisch und Wein sorgte, freut man sich, auch von anderen Wundern des Knaben zu erfahren:
Sein Vater war Zimmermann, und er machte in jener Zeit in der Regel nur Pflüge und Joche. Da wurde ihm von einem reichen Mann ein Bett in Auftrag gegeben. Weil aber das eine Seitenbrett kürzer war als das andere, und als Meister und Gehilfen nicht wußten, was sie machen sollten, da sagte der kleine Jesus zu seinem Vater Joseph: Leg die beiden Hölzer auf den Boden und mach sie vom Mittelteil an gleich. Und Joseph tat, wie der Knabe ihm geheißen hatte. Jesus aber stellte sich von der anderen Seite hin und faßte das kürzere Holz, und durch Strecken machte er es dem anderen gleich.

In der Schule benahm sich Jesus auch nicht anders als mancher aufsässige Jüngling heutzutage, für einen seiner Streiche bekam er sogar Hausarrest von seinem Ziehvater:
Als aber Joseph den Knaben sah, wurde er sich erneut schlüssig, er solle der Buchstaben nicht unkundig bleiben, und übergab ihm einen Lehrer. Der Lehrer sagte zu Joseph: Zuerst will ich ihn die griechischen Buchstaben lehren, später die hebräischen. Der Lehrer wußte nämlich schon vom Hörensagen von der Beschlagenheit des Knaben und hatte Angst vor ihm. Trotzdem schrieb er das Alphabet hin und traktierte es eine ganze Zeit lang, und Jesus gab ihm keine Antwort. Dann aber sagte Jesus zu ihm: Wenn du wirklich ein Lehrer bist und die Buchstaben gut kennst, dann nenne mir die Bedeutung des A, und ich will dir dann die des B sagen. Da wurde der Lehrer böse und gab ihm einen Klaps auf den Kopf. Den Knaben schmerzte das, und er verfluchte ihn, und sogleich fiel der Lehrer in Ohnmacht. Joseph aber wurde bekümmert und trug seiner Mutter auf: Daß du ihn mir ja nicht mehr vor die Türe läßt!

Möglicherweise hatte Jesus wegen seines Benehmens in der Schule nie schreiben gelernt, es ist nicht überliefert, daß er jemals etwas aufgeschrieben hätte, auch haben sich bis jetzt keine von ihm persönlich verfaßten Schriften gefunden.

Laut biblischer Prophezeiung mußte Jesus unbedingt aus dem Hause des König David abstammen, die Evangelisten Matthäus und Lukas zählen daher beide einen umfangreichen Stammbaum auf, der Joseph als einen Nachkommen von David ausweist (Lukas 3,23-38, Matthäus 1,1-17). Die Stammbäume sind allerdings völlig unterschiedlich, Matthäus braucht 41 Generationen bis er bei Abraham angelangt ist, Lukas dagegen 56. Beide weisen auch unterschiedliche Namen auf, sie scheitern schon beim Vater des Joseph, der bei Lukas Eli heißt, bei Matthäus dagegen Jakob. Außerdem machen beide den Fehler, bei der Abstammung Jesu von Joseph auszugehen. Sie übersehen völlig, daß Jesus das Kind von Maria und dem Heiligen Geist war. Über die Herkunft Marias wird aber in der Bibel nichts berichtet. Im apokryphen Protevangelium des Jakobus erfährt man immerhin, daß sie die Tochter von Joachim und Anna war, einer reichen und frommen Familie. Anna und Joachim waren ein altes, kinderloses Ehepaar, das durch göttliche Fügung dann doch noch Nachwuchs bekam. Jakobus berichtet, daß auch die Geburt Marias durch einen Engel angekündigt wurde: Und siehe, ein Engel des Herrn trat herzu und sprach zu ihr: Anna, Anna. Erhört hat der Herr deine Bitte. Du sollst empfangen und sollst gebären, und dein Same soll in aller Welt genannt werden.

Warum sich Gott so oft steinalte Leute aussucht, um für Nachwuchs zu sorgen, ist eines der vielen biblischen Rätsel.

Maria scheint eine Art Wunderkind gewesen zu sein, bereits mit sechs Monaten konnte sie laufen und im zarten Altern von drei Jahren trat sie in den Tempeldienst ein. Später lernt sie dann ihren Joseph kennen, der allerdings oft lange Zeit nicht Zuhause war. Dies war damals bei Zimmermannsleuten so üblich, sie waren meistens auswärts auf Montage. Eines Tages, als Joseph nach einem halben Jahr Abwesenheit zurückkommt, findet er seine Maria schwanger vor und ist entsetzt. Jakobus schreibt:
Sie war aber im sechsten Monat, und siehe, da kam Joseph von seinen Bauten zurück. Als er in sein Haus eintrat, mußte er bei ihrem Anblick feststellen, daß sie in anderen Umständen war. Und er schlug sich voller Unmut ins Gesicht und warf sich auf den Boden und weinte bitterlich und sagte: Mit was für einem Gesicht soll ich nun hingehen zu dem Herrn, meinem Gott? Was soll ich wohl beten wegen dieses Mädchens? Denn als Jungfrau habe ich sie aus dem Tempel des Herrn übernommen und habe sie nicht behütet. Wer mag der sein, der mich hintergangen hat? Wer hat diese Schandtat in meinem Hause begangen und die Jungfrau befleckt? Hat sich an mir etwa die Geschichte von Adam wiederholt? Und er stand auf von der Decke und rief Maria herbei und sagte zu ihr: Warum hast du das getan? Hast du den Herrn, deinen Gott, ganz vergessen? Warum hast du deine Seele so erniedrigt? Sie aber weinte bitterlich und sagte: Rein bin ich und weiß von keinem Mann. Und Joseph sagte zu ihr: Woher ist dann das in deinem Leib? Sie aber sagte: So wahr der Herr, mein Gott, lebt, ich weiß nicht, woher ich es habe.

Nach jüdischem Brauch hätte Joseph seine Maria eigentlich steinigen müssen, aber ein Engel Gottes klärt ihn über Marias seltsame Schwangerschaft auf. Während die Bibel die Angelegenheit dann mehr oder weniger auf sich beruhen läßt, wird Maria im Protevangelium des Jakobus noch einer Prüfung unterzogen, ob sie jetzt Ehebruch begangen hat oder nicht. Dazu verwendete man ein altes von Gott gegebenes Rezept, das Eifersuchtswasser, das eigentlich auch heutzutage noch vielfach Verwendung finden könnte, aber ziemlich in Vergessenheit geraten ist:

Numeri 5,11 Der Herr sprach zu Mose: Rede zu den Israeliten und sag ihnen: Angenommen, eine Frau gerät auf Abwege, sie wird ihrem Mann untreu, und ein anderer Mann schläft mit ihr, ohne daß es ihr Mann merkt, angenommen also, sie ist unrein geworden, ohne daß es entdeckt wird, und es gibt keine Zeugen, weil sie nicht ertappt worden ist, der Mann aber schöpft Verdacht und wird eifersüchtig auf seine Frau, die wirklich unrein geworden ist; angenommen aber auch, er schöpft Verdacht und wird auf seine Frau eifersüchtig, obwohl sie in Wirklichkeit nicht unrein geworden ist: In einem solchen Fall soll der Mann seine Frau zum Priester bringen und soll zugleich die für sie vorgesehene Opfergabe mitbringen: ein Zehntel Efa Gerstenmehl. Er darf kein Öl darauf gießen und keinen Weihrauch darauf streuen; denn es ist ein Eifersuchtsopfer, ein Opfer zur Ermittlung der Schuld. Der Priester führt die Frau hinein und stellt sie vor den Herrn. Er nimmt heiliges Wasser in einem Tongefäß; dann nimmt er etwas Staub vom Fußboden der Wohnstätte und streut ihn in das Wasser. Dann stellt der Priester die Frau vor den Herrn, löst ihr Haar und legt ihr das Ermittlungsopfer, das heißt das Eifersuchtsopfer, in die Hände; der Priester aber hält das bittere, fluchbringende Wasser in der Hand. Dann beschwört der Priester die Frau und sagt zu ihr: Wenn kein Mann mit dir geschlafen hat, wenn du deinem Mann nicht untreu gewesen, also nicht unrein geworden bist, dann wird sich deine Unschuld durch dieses bittere, fluchbringende Wasser erweisen. Wenn du aber deinem Mann untreu gewesen, wenn du unrein geworden bist und wenn ein anderer als dein eigener Mann mit dir geschlafen hat, dann wird der Herr dich zum sprichwörtlichen Beispiel für einen Fluch und Schwur in deinem Volk machen. Der Herr wird deine Hüften einfallen und deinen Bauch anschwellen lassen. Dieses fluchbringende Wasser wird in deine Eingeweide eindringen, so daß dein Bauch anschwillt und deine Hüften einfallen. 5,27 Sobald der Priester sie das Wasser hat trinken lassen, wird das fluchbringende Wasser in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem Mann untreu geworden ist. 5,30 Wenn der Priester dieses Gesetz auf sie anwendet, dann ist der Mann von Schuld frei, die Frau aber muß die Folgen ihrer Schuld tragen.

Maria besteht den Test und kann Jesus zur Welt bringen, wobei auch bei der Geburt ihr Jungfernhäutchen, das äußerst elastisch gewesen zu sein scheint, angeblich unversehrt geblieben ist, wenn man dem Papst glaubt: Ein vertieftes Verständnis ihres Glaubens an die jungfräuliche Mutterschaft Marias führte die Kirche zum Bekenntnis, daß Maria stets wirklich Jungfrau geblieben ist, auch bei der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes. Sie hat Jesus ohne Samen aus Heiligem Geist empfangen. Maria ist Jungfrau geblieben, als sie ihren Sohn empfing, Jungfrau als sie ihn gebar, Jungfrau als sie ihn trug, Jungfrau als sie ihn an ihrer Brust nährte. Allzeit Jungfrau.

Später scheint sie noch diverse andere Kinder zu bekommen, ob von Joseph oder jemand anderem, wird nicht erwähnt.
Matthäus 13,55 Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns?

Nachdem Jesus sein Lausbubenalter und seine Schreinerlehre hinter sich gebracht hat, läßt er sich im Alter von 29 Jahren taufen, und zieht drei Jahre als Wanderprediger durch die Gegend. Allerdings drückte er sich dabei nicht immer allgemeinverständlich aus.
Markus 4,33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen alleine war.

Warum Jesus nur selten konkrete Aussagen machte, sondern sich meist in Gleichnissen auszudrücken pflegte, wird in Markus 4,10 erklärt:
Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.

Jesus hat eine Allergie gegen etablierte Religionen und deren Gotteshäusern, die ihm wohl sehr zu schaffen machen würde, wenn er heutzutage auf unserer Erde wäre.
Matthäus 6,5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu.

So ziemlich alle praktizierenden Christen wären ihm wohl ein Greuel. Er müßte umgehend in die nächste Kirche gehen, auf die Kanzel steigen und einen Satz aus der Bibel vorlesen: Habakuk 2,20 Der Herr aber wohnt in seinem heiligen Tempel. Alle Welt schweige in seiner Gegenwart.

Warum der eifrigste Kirchenbaumeister der Welt - die katholische Kirche - sich nicht an diese Anregung Jesu hält, ist ein Rätsel, sagt sie doch selbst: Die Kirche hält entschieden daran fest, daß die vier Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er in den Himmel aufgenommen wurde.

Vielleicht bauen sie deswegen so viele katholische Kirchen, weil eine solche ja schließlich keine “Synagoge” ist. Allerdings scheinen die Kirchenbauer doch kein so reines Gewissen Gottes Allmacht gegenüber zu haben: Warum würden sie sonst ihre Gotteshäuser mit Blitzableitern ausstatten?

Jesus war nicht immer so gütig, wie er gerne dargestellt wird:

Mattäus 10,34 Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.

In Jesus eigener Familie stand wohl auch nicht alles zum Besten, es ist nicht überliefert, daß er ein besonders inniges Verhältnis zu seinen Verwandten gehabt hätte, ganz im Gegenteil. Irgendwann schien sich Jesus mit seiner Familie überworfen zu haben, denn er behandelte sie ziemlich seltsam:
Matthäus 12,46 Als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.

Trotz dieser unfreundlichen Behandlung macht sich die Familie Sorgen um Jesus: Markus 3,20 Jesus ging in ein Haus, und wieder kamen so viele zusammen, daß er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Jesus schien auch manchmal zu unverständlichem Jähzorn zu neigen:
Markus 11,12 Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger. Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen.

Ein etwas seltsames Benehmen. Wer käme heutzutage auf die Idee, im April einen Apfelbaum zu verfluchen, bloß weil auf ihm noch kein Apfel wächst?

Mit der Hölle war Jesus mitunter auch schnell bei der Hand:
Matthäus 5,22 Ich aber sage euch: Jeder der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

Sollte dies ein unumstößliches göttliches Gesetz sein, so müßte wohl die halbe Weltbevölkerung in der Hölle schmoren.

Durch seine Missionstätigkeit macht sich Jesus so unbeliebt, daß er am Ende auf Drängen der Juden - nur widerwillig vom römischen Statthalter Pontius Pilatus geduldet, der Jesus zu retten versucht - gekreuzigt wird, was zur Entstehung einer neuen Weltreligion führt.

Wen ergreift nicht die Ehrfurcht, wenn er eine Statue von Jesus am Kreuz anblickt? Aber abgesehen davon, daß Gott in den zehn Geboten befohlen hat, man dürfe sich keinerlei Bildnis oder Schnitzereien von ihm machen und anbeten und nach der katholischen Dreieinigkeitslehre auch Jesus zu Gott gehört, ist es fraglich, ob Jesus wirklich an einem Kreuz gestorben ist. Die meisten Historiker tendieren dazu, daß Jesus an einen Pfahl geschlagen wurde.

Die Bibel selbst gibt dazu wenig brauchbare Hinweise, da die Evangelisten, die über die Kreuzigung berichten, selber nicht dabei anwesend waren und die Niederschrift der Berichte erst Jahrzehnte nach dem Ereignis stattfand, als bereits die Legendenbildung eingesetzt hatte und das Bedürfnis nach Wunderbarem bestand.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß die damaligen Henker den Aufwand betrieben, für zu Tode zu bringende Verbrecher von Zimmermannsleuten ein Kreuz anfertigen zu lassen, wo doch ein unten zugespitzter Pfahl die gleiche Wirkung hatte. Die Griechen bezeichneten das Kreuz übrigens immer als Staurós, was nichts anderes als Pfahl bedeutet. Je nach Bibelübersetzung wird entweder von Pfahl oder von Kreuz gesprochen.

Unklar ist auch, wer das Kreuz zur Hinrichtungsstätte getragen hat. Während Matthäus, Markus und Lukas davon berichten, ein Mann namens Simon von Zyrene habe das Kreuz für Jesus geschleppt, gibt der Evangelist Johannes an, daß Jesus das Kreuz selbst getragen hat. Johannes 19,17 Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhle.

Drei Tage nach seinem Tod fand die Auferstehung von Jesus statt. Das schien aber damals nicht sehr ungewöhnlich gewesen zu sein, Jesus war beileibe nicht der einzige, dem so etwas widerfuhr.
Matthäus 27,50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.

Das Besondere an der Auferstehung Jesu scheint gewesen zu sein, daß er diese möglicherweise nicht in seinem eigenen Körper vornahm, denn als er wieder herumging, erkannte ihn keiner:
Lukas 24,15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie ihn nicht erkannten.

Auch seinen eigenen Jüngern war er fremd:
Johannes 21,4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

Maria Magdalena, die ihn eigentlich ziemlich genau kennen mußte, hielt ihn sogar für den Gärtner.
Johannes 20,14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner und sagte zu ihm...

Nur durch das Herzeigen seiner Wundmale vermag Jesus vielen Menschen zu beweisen, daß er es wirklich selber ist.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel
Kreative Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen

Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder
Über einen eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger

Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham
Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser

Kapitel 4 - Moses
Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise

Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden
Die Verführungskünste des König David und seiner Söhne

Kapitel 6 - Weisheiten
Wo Rockbands ihre Texte klauen

Kapitel 7 - Raumfahrer
Berichte über Hubschrauber, Raumstationen und seltsame Wesen

Kapitel 8 - Jesus
Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm Leben ein

Kapitel 9 - Weiber
Biblische Sprüche über Frauen

Kapitel 10 - Wunder über Wunder
Wasser oder Wein?

Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige
1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann

Kapitel 12 - Himmel und Hölle
Ein Katastrophenbericht über den Untergang der Welt

Kapitel 13 - Katholen und Evangelen
Traubensaft statt Blut Christi

Kapitel 14 - Moroni
Barfuß in einem amerikanischen Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823

Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe
Die Zeugen Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes

Kapitel 16 - Lorbe(e)ren
Der Heilige Geist in Österreich