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Jesus
Das neue Testament beginnt mit den vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas
und Johannes, von denen sich die ersten drei manchmal bis aufs Wort
gleichen. Einer scheint hier hemmungslos vom anderen abgeschrieben zu haben.
Seltsamerweise sind alle Überlieferungen und Berichte dieser Zeit nur auf
griechisch erhalten, es fand sich bis jetzt kein einziges Stück einer
Aufzeichnung, das in hebräisch oder aramäisch geschrieben ist. Dabei waren
die Jünger des Jesus hebräisch oder aramäisch sprechende Juden, warum
sollten sie ihr Leben mit Jesus in einer Fremdsprache aufgezeichnet haben?
Die erhaltenen Teile der Evangelien sind wohl nicht von den Leuten verfaßt,
denen sie zugeschrieben werden.
Die Evangelisten berichten hauptsächlich vom Leben und Wirken Jesu, sind
aber seltsam unvollständig und unterschlagen vieles, was man eigentlich
gerne erfahren würde.
Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles
aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher
nicht fassen, die man schreiben müßte, schreibt Johannes am Schluß
seines Evangeliums. Dabei ist sein Bericht nicht sonderlich dick, er hätte
ruhig noch ein paar hundert Seiten über seinen Meister schreiben können. Man
kann wohl davon ausgehen, daß der Verfasser seines Evangeliums eben nicht
mehr gewußt hat und sich scheute, noch einiges dazu zu erfinden.
Es wird viel diskutiert, ob es Jesus wirklich gegeben hat, oder nicht, da
keine historisch glaubhaften Dokumente in der römischen Geschichtsschreibung
über seine Person berichten. Aber warum sollten sie dies auch tun? Jesus war
für das damalige römische Weltreich nicht mehr als der Anführer einer
kleinen, harmlosen, jüdischen Sekte in einer relativ unbedeutenden Provinz.
Es gab Wichtigeres aufzuschreiben. Außerdem kümmerten sich die Römer bei
ihren Eroberungen so gut wie nie um religiöse Aspekte, sie ließen den
Eroberten ihren Glauben und mischten sich nicht ein, solange es nicht
staatsgefährdend wurde.
So bleibt außer der Bibel nur noch ein anderes Werk, das über Jesus
berichtet, und dies ist seltsamerweise der Koran, das Heilge Buch des Islam.
Allerdings erkennen die Mohammedaner Jesus nur als Propheten an, nicht etwa
als Sohn Gottes oder als Gott selber: 5,76
Der Messias, Sohn der Maria, war nur ein Gesandter; gewiß, andere
Gesandte sind vor ihm dahingegangen.
5,73 Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: Allah ist kein anderer
denn der Messias, Sohn der Maria, da der Messias doch selbst gesagt hat: Oh
ihr Kinder Israels, betet Allah an, meinen Herrn und euren Herrn.
5,74 Fürwahr, ungläubig sind,
die da sagen: Allah ist der Dritte von Dreien, es gibt keinen Gott als den
Einigen Gott.
Trotzdem bemüht sich der Papst um ein freundschaftliches Verhältnis zu den
Mohammedanern, er schreibt: Die Heilsabsicht umfaßt aber auch die, welche
den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum
Festhalten am Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einzigen Gott
anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.
Ob es Jesus jetzt gegeben hat oder nicht, eins scheint ziemlich sicher: er
hieß nicht so. Ein aramäisch sprechendes jüdisches Ehepaar wäre kaum auf den
Gedanken gekommen, ihrem Kind einen lateinischen Namen zu geben. Sehr
wahrscheinlich hieß Jesus in Wahrheit Joshua oder Jeschua, eigentlich auch
nicht schwerer auszusprechen. Was mag es wohl für einen Grund für die
Namensänderung gegeben haben?
Außer den vier in der Bibel enthaltenen Evangelien gibt es noch mehr, die
man in den Apokryphen findet: Petrus, Jakobus, Thomas, Nikodemus und
Bartholomäus haben auch Evangelien geschrieben.
Die Geschichte von der Weihnachtskrippe mit Ochse und Esel stammt keineswegs
aus der Bibel, sondern aus dem Pseudo-Matthäusevangelium:
Am dritten Tage nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die
selige Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren
Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da erfüllte sich,
was durch den Propheten Jesaja verkündet worden ist: Der Ochse kennt seinen
Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. So beteten sogar die Tiere,
Ochs und Esel, ihn ständig an, während sie ihn zwischen sich hatten. Da
erfüllte sich, was durch den Propheten Habakuk verkündet ist, der sagt:
Zwischen zwei Tieren wirst du erkannt.
Am interessantesten ist wohl das Evangelium des Thomas, der über die
Kindheit und Jugend von Jesus berichtet. Wie nicht anders zu erwarten, wird
das Thomas-Evangelium als “eine Verschmelzung von unabhängigen Geschichten
und Fabeln” bezeichnet.
Wie unsere Kinder auch, schien Jesus ein kleiner Lausbub gewesen zu sein, er
heckte mancherlei Streiche aus. Thomas schreibt:
Und er machte aus Erde und Wasser einen schlammigen Lehmteig und formte
daraus zwölf Sperlinge. Und es war Sabbat, als er das tat. Es sah aber ein
Jude, was Jesus da beim Spielen am Sabbat tat, und ging hin und meldete es
dem Vater Joseph. Und Josef kam an den Platz, sah’s und schrie ihn an: Warum
tust du am Sabbat solche Dinge, die doch zu tun nicht erlaubt ist? Jesus
aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu: Auf! Davon! Und
die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon.
Thomas erzählt uns auch von einem Mord, den Jesus angeblich begangen hat:
Danach ging Jesus wieder einmal durch das Dorf, und ein Kind, das
vorbeilief, stieß ihn an die Schulter. Und Jesus wurde erbittert und sagte
zu ihm: Du sollst deinen Weg nicht weitergehen. Und alsbald fiel es hin und
verstarb.
Da Jesus normalerweise nur Kranke heilte, Tote auferweckte und für genügend
Brot, Fisch und Wein sorgte, freut man sich, auch von anderen Wundern des
Knaben zu erfahren:
Sein Vater war Zimmermann, und er machte in jener Zeit in der Regel nur
Pflüge und Joche. Da wurde ihm von einem reichen Mann ein Bett in Auftrag
gegeben. Weil aber das eine Seitenbrett kürzer war als das andere, und als
Meister und Gehilfen nicht wußten, was sie machen sollten, da sagte der
kleine Jesus zu seinem Vater Joseph: Leg die beiden Hölzer auf den Boden und
mach sie vom Mittelteil an gleich. Und Joseph tat, wie der Knabe ihm
geheißen hatte. Jesus aber stellte sich von der anderen Seite hin und faßte
das kürzere Holz, und durch Strecken machte er es dem anderen gleich.
In der Schule benahm sich Jesus auch nicht anders als mancher aufsässige
Jüngling heutzutage, für einen seiner Streiche bekam er sogar Hausarrest von
seinem Ziehvater:
Als aber Joseph den Knaben sah, wurde er sich erneut schlüssig, er solle
der Buchstaben nicht unkundig bleiben, und übergab ihm einen Lehrer. Der
Lehrer sagte zu Joseph: Zuerst will ich ihn die griechischen Buchstaben
lehren, später die hebräischen. Der Lehrer wußte nämlich schon vom
Hörensagen von der Beschlagenheit des Knaben und hatte Angst vor ihm.
Trotzdem schrieb er das Alphabet hin und traktierte es eine ganze Zeit lang,
und Jesus gab ihm keine Antwort. Dann aber sagte Jesus zu ihm: Wenn du
wirklich ein Lehrer bist und die Buchstaben gut kennst, dann nenne mir die
Bedeutung des A, und ich will dir dann die des B sagen. Da wurde der Lehrer
böse und gab ihm einen Klaps auf den Kopf. Den Knaben schmerzte das, und er
verfluchte ihn, und sogleich fiel der Lehrer in Ohnmacht. Joseph aber wurde
bekümmert und trug seiner Mutter auf: Daß du ihn mir ja nicht mehr vor die
Türe läßt!
Möglicherweise hatte Jesus wegen seines Benehmens in der Schule nie
schreiben gelernt, es ist nicht überliefert, daß er jemals etwas
aufgeschrieben hätte, auch haben sich bis jetzt keine von ihm persönlich
verfaßten Schriften gefunden.
Laut biblischer Prophezeiung mußte Jesus unbedingt aus dem Hause des König
David abstammen, die Evangelisten Matthäus und Lukas zählen daher beide
einen umfangreichen Stammbaum auf, der Joseph als einen Nachkommen von David
ausweist (Lukas 3,23-38, Matthäus 1,1-17). Die Stammbäume sind allerdings
völlig unterschiedlich, Matthäus braucht 41 Generationen bis er bei Abraham
angelangt ist, Lukas dagegen 56. Beide weisen auch unterschiedliche Namen
auf, sie scheitern schon beim Vater des Joseph, der bei Lukas Eli heißt, bei
Matthäus dagegen Jakob. Außerdem machen beide den Fehler, bei der Abstammung
Jesu von Joseph auszugehen. Sie übersehen völlig, daß Jesus das Kind von
Maria und dem Heiligen Geist war. Über die Herkunft Marias wird aber in der
Bibel nichts berichtet. Im apokryphen Protevangelium des Jakobus erfährt man
immerhin, daß sie die Tochter von Joachim und Anna war, einer reichen und
frommen Familie. Anna und Joachim waren ein altes, kinderloses Ehepaar, das
durch göttliche Fügung dann doch noch Nachwuchs bekam. Jakobus berichtet,
daß auch die Geburt Marias durch einen Engel angekündigt wurde: Und
siehe, ein Engel des Herrn trat herzu und sprach zu ihr: Anna, Anna. Erhört
hat der Herr deine Bitte. Du sollst empfangen und sollst gebären, und dein
Same soll in aller Welt genannt werden.
Warum sich Gott so oft steinalte Leute aussucht, um für Nachwuchs zu sorgen,
ist eines der vielen biblischen Rätsel.
Maria scheint eine Art Wunderkind gewesen zu sein, bereits mit sechs Monaten
konnte sie laufen und im zarten Altern von drei Jahren trat sie in den
Tempeldienst ein. Später lernt sie dann ihren Joseph kennen, der allerdings
oft lange Zeit nicht Zuhause war. Dies war damals bei Zimmermannsleuten so
üblich, sie waren meistens auswärts auf Montage. Eines Tages, als Joseph
nach einem halben Jahr Abwesenheit zurückkommt, findet er seine Maria
schwanger vor und ist entsetzt. Jakobus schreibt:
Sie war aber im sechsten Monat, und siehe, da kam Joseph von seinen
Bauten zurück. Als er in sein Haus eintrat, mußte er bei ihrem Anblick
feststellen, daß sie in anderen Umständen war. Und er schlug sich voller
Unmut ins Gesicht und warf sich auf den Boden und weinte bitterlich und
sagte: Mit was für einem Gesicht soll ich nun hingehen zu dem Herrn, meinem
Gott? Was soll ich wohl beten wegen dieses Mädchens? Denn als Jungfrau habe
ich sie aus dem Tempel des Herrn übernommen und habe sie nicht behütet. Wer
mag der sein, der mich hintergangen hat? Wer hat diese Schandtat in meinem
Hause begangen und die Jungfrau befleckt? Hat sich an mir etwa die
Geschichte von Adam wiederholt? Und er stand auf von der Decke und rief
Maria herbei und sagte zu ihr: Warum hast du das getan? Hast du den Herrn,
deinen Gott, ganz vergessen? Warum hast du deine Seele so erniedrigt? Sie
aber weinte bitterlich und sagte: Rein bin ich und weiß von keinem Mann. Und
Joseph sagte zu ihr: Woher ist dann das in deinem Leib? Sie aber sagte: So
wahr der Herr, mein Gott, lebt, ich weiß nicht, woher ich es habe.
Nach jüdischem Brauch hätte Joseph seine Maria eigentlich steinigen müssen,
aber ein Engel Gottes klärt ihn über Marias seltsame Schwangerschaft auf.
Während die Bibel die Angelegenheit dann mehr oder weniger auf sich beruhen
läßt, wird Maria im Protevangelium des Jakobus noch einer Prüfung
unterzogen, ob sie jetzt Ehebruch begangen hat oder nicht. Dazu verwendete
man ein altes von Gott gegebenes Rezept, das Eifersuchtswasser, das
eigentlich auch heutzutage noch vielfach Verwendung finden könnte, aber
ziemlich in Vergessenheit geraten ist:
Numeri 5,11 Der Herr
sprach zu Mose: Rede zu den Israeliten und sag ihnen: Angenommen, eine Frau
gerät auf Abwege, sie wird ihrem Mann untreu, und ein anderer Mann schläft
mit ihr, ohne daß es ihr Mann merkt, angenommen also, sie ist unrein
geworden, ohne daß es entdeckt wird, und es gibt keine Zeugen, weil sie
nicht ertappt worden ist, der Mann aber schöpft Verdacht und wird
eifersüchtig auf seine Frau, die wirklich unrein geworden ist; angenommen
aber auch, er schöpft Verdacht und wird auf seine Frau eifersüchtig, obwohl
sie in Wirklichkeit nicht unrein geworden ist: In einem solchen Fall soll
der Mann seine Frau zum Priester bringen und soll zugleich die für sie
vorgesehene Opfergabe mitbringen: ein Zehntel Efa Gerstenmehl. Er darf kein
Öl darauf gießen und keinen Weihrauch darauf streuen; denn es ist ein
Eifersuchtsopfer, ein Opfer zur Ermittlung der Schuld. Der Priester führt
die Frau hinein und stellt sie vor den Herrn. Er nimmt heiliges Wasser in
einem Tongefäß; dann nimmt er etwas Staub vom Fußboden der Wohnstätte und
streut ihn in das Wasser. Dann stellt der Priester die Frau vor den Herrn,
löst ihr Haar und legt ihr das Ermittlungsopfer, das heißt das
Eifersuchtsopfer, in die Hände; der Priester aber hält das bittere,
fluchbringende Wasser in der Hand. Dann beschwört der Priester die Frau und
sagt zu ihr: Wenn kein Mann mit dir geschlafen hat, wenn du deinem Mann
nicht untreu gewesen, also nicht unrein geworden bist, dann wird sich deine
Unschuld durch dieses bittere, fluchbringende Wasser erweisen. Wenn du aber
deinem Mann untreu gewesen, wenn du unrein geworden bist und wenn ein
anderer als dein eigener Mann mit dir geschlafen hat, dann wird der Herr
dich zum sprichwörtlichen Beispiel für einen Fluch und Schwur in deinem Volk
machen. Der Herr wird deine Hüften einfallen und deinen Bauch anschwellen
lassen. Dieses fluchbringende Wasser wird in deine Eingeweide eindringen, so
daß dein Bauch anschwillt und deine Hüften einfallen. 5,27 Sobald der
Priester sie das Wasser hat trinken lassen, wird das fluchbringende Wasser
in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem
Mann untreu geworden ist. 5,30 Wenn der Priester dieses
Gesetz auf sie anwendet, dann ist der Mann von Schuld frei, die Frau aber
muß die Folgen ihrer Schuld tragen.
Maria besteht den Test und kann Jesus zur Welt bringen, wobei auch bei der
Geburt ihr Jungfernhäutchen, das äußerst elastisch gewesen zu sein scheint,
angeblich unversehrt geblieben ist, wenn man dem Papst glaubt: Ein
vertieftes Verständnis ihres Glaubens an die jungfräuliche Mutterschaft
Marias führte die Kirche zum Bekenntnis, daß Maria stets wirklich Jungfrau
geblieben ist, auch bei der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes. Sie
hat Jesus ohne Samen aus Heiligem Geist empfangen. Maria ist Jungfrau
geblieben, als sie ihren Sohn empfing, Jungfrau als sie ihn gebar, Jungfrau
als sie ihn trug, Jungfrau als sie ihn an ihrer Brust nährte. Allzeit
Jungfrau.
Später scheint sie noch diverse andere Kinder zu bekommen, ob von Joseph
oder jemand anderem, wird nicht erwähnt.
Matthäus 13,55
Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria,
und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht
alle seine Schwestern unter uns?
Nachdem Jesus sein Lausbubenalter und seine Schreinerlehre hinter sich
gebracht hat, läßt er sich im Alter von 29 Jahren taufen, und zieht drei
Jahre als Wanderprediger durch die Gegend. Allerdings drückte er sich dabei
nicht immer allgemeinverständlich aus.
Markus 4,33
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie
es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern
aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen alleine war.
Warum Jesus nur selten konkrete Aussagen machte, sondern sich meist in
Gleichnissen auszudrücken pflegte, wird in Markus 4,10 erklärt:
Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn
nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das
Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird
alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht
erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich
nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
Jesus hat eine Allergie gegen etablierte Religionen und deren Gotteshäusern,
die ihm wohl sehr zu schaffen machen würde, wenn er heutzutage auf unserer
Erde wäre.
Matthäus 6,5
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim
Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den
Leuten gesehen werden. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und
schließ die Tür zu.
So ziemlich alle praktizierenden Christen wären ihm wohl ein Greuel. Er
müßte umgehend in die nächste Kirche gehen, auf die Kanzel steigen und einen
Satz aus der Bibel vorlesen: Habakuk 2,20
Der Herr aber wohnt in seinem heiligen Tempel. Alle Welt schweige in
seiner Gegenwart.
Warum der eifrigste Kirchenbaumeister der Welt - die katholische Kirche -
sich nicht an diese Anregung Jesu hält, ist ein Rätsel, sagt sie doch
selbst: Die Kirche hält entschieden daran fest, daß die vier Evangelien,
deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern,
was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren
ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er in den
Himmel aufgenommen wurde.
Vielleicht bauen sie deswegen so viele katholische Kirchen, weil eine solche
ja schließlich keine “Synagoge” ist. Allerdings scheinen die Kirchenbauer
doch kein so reines Gewissen Gottes Allmacht gegenüber zu haben: Warum
würden sie sonst ihre Gotteshäuser mit Blitzableitern ausstatten?
Jesus war nicht immer so gütig, wie er gerne dargestellt wird:
Mattäus 10,34 Denkt nicht, ich
sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um
Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn
mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die
Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines
Menschen werden seine Feinde sein.
In Jesus eigener Familie stand wohl auch nicht alles zum Besten, es ist
nicht überliefert, daß er ein besonders inniges Verhältnis zu seinen
Verwandten gehabt hätte, ganz im Gegenteil. Irgendwann schien sich Jesus mit
seiner Familie überworfen zu haben, denn er behandelte sie ziemlich seltsam:
Matthäus 12,46
Als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine
Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm:
Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen.
Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer
sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte:
Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Trotz dieser unfreundlichen Behandlung macht sich die Familie Sorgen um
Jesus: Markus 3,20 Jesus ging in
ein Haus, und wieder kamen so viele zusammen, daß er und die Jünger nicht
einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie
sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist
von Sinnen.
Jesus schien auch manchmal zu unverständlichem Jähzorn zu neigen:
Markus 11,12
Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger. Da sah er
von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu
suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die
Zeit der Feigenernte. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine
Frucht von dir essen.
Ein etwas seltsames Benehmen. Wer käme heutzutage auf die Idee, im April
einen Apfelbaum zu verfluchen, bloß weil auf ihm noch kein Apfel wächst?
Mit der Hölle war Jesus mitunter auch schnell bei der Hand:
Matthäus 5,22
Ich aber sage euch: Jeder der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem
Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf, soll dem
Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr, soll
dem Feuer der Hölle verfallen sein.
Sollte dies ein unumstößliches göttliches Gesetz sein, so müßte wohl die
halbe Weltbevölkerung in der Hölle schmoren.
Durch seine Missionstätigkeit macht sich Jesus so unbeliebt, daß er am Ende
auf Drängen der Juden - nur widerwillig vom römischen Statthalter Pontius
Pilatus geduldet, der Jesus zu retten versucht - gekreuzigt wird, was zur
Entstehung einer neuen Weltreligion führt.
Wen ergreift nicht die Ehrfurcht, wenn er eine Statue von Jesus am Kreuz
anblickt? Aber abgesehen davon, daß Gott in den zehn Geboten befohlen hat,
man dürfe sich keinerlei Bildnis oder Schnitzereien von ihm machen und
anbeten und nach der katholischen Dreieinigkeitslehre auch Jesus zu Gott
gehört, ist es fraglich, ob Jesus wirklich an einem Kreuz gestorben ist. Die
meisten Historiker tendieren dazu, daß Jesus an einen Pfahl geschlagen
wurde.
Die Bibel selbst gibt dazu wenig brauchbare Hinweise, da die Evangelisten,
die über die Kreuzigung berichten, selber nicht dabei anwesend waren und die
Niederschrift der Berichte erst Jahrzehnte nach dem Ereignis stattfand, als
bereits die Legendenbildung eingesetzt hatte und das Bedürfnis nach
Wunderbarem bestand.
Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß die damaligen Henker den Aufwand
betrieben, für zu Tode zu bringende Verbrecher von Zimmermannsleuten ein
Kreuz anfertigen zu lassen, wo doch ein unten zugespitzter Pfahl die gleiche
Wirkung hatte. Die Griechen bezeichneten das Kreuz übrigens immer als
Staurós, was nichts anderes als Pfahl bedeutet. Je nach Bibelübersetzung
wird entweder von Pfahl oder von Kreuz gesprochen.
Unklar ist auch, wer das Kreuz zur Hinrichtungsstätte getragen hat. Während
Matthäus, Markus und Lukas davon berichten, ein Mann namens Simon von Zyrene
habe das Kreuz für Jesus geschleppt, gibt der Evangelist Johannes an, daß
Jesus das Kreuz selbst getragen hat.
Johannes 19,17 Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten
Schädelhöhle.
Drei Tage nach seinem Tod fand die Auferstehung von Jesus statt. Das schien
aber damals nicht sehr ungewöhnlich gewesen zu sein, Jesus war beileibe
nicht der einzige, dem so etwas widerfuhr.
Matthäus 27,50
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da
riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die
Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler
Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung
Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen
vielen.
Das Besondere an der Auferstehung Jesu scheint gewesen zu sein, daß er diese
möglicherweise nicht in seinem eigenen Körper vornahm, denn als er wieder
herumging, erkannte ihn keiner:
Lukas 24,15
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu
und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie
ihn nicht erkannten.
Auch seinen eigenen Jüngern war er fremd:
Johannes 21,4
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wußten
nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht
etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Maria Magdalena, die ihn eigentlich ziemlich genau kennen mußte, hielt ihn
sogar für den Gärtner.
Johannes 20,14
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen,
wußte aber nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst
du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner und sagte zu ihm...
Nur durch das Herzeigen seiner Wundmale vermag Jesus vielen Menschen zu
beweisen, daß er es wirklich selber ist. |
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel Kreative
Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen
Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder Über einen
eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger
Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser
Kapitel 4 - Moses Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise
Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden Die
Verführungskünste des König David und seiner Söhne
Kapitel 6 - Weisheiten Wo Rockbands ihre Texte klauen
Kapitel 7 - Raumfahrer Berichte über Hubschrauber,
Raumstationen und seltsame Wesen
Kapitel 8 - Jesus Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm
Leben ein
Kapitel 9 - Weiber Biblische Sprüche über Frauen
Kapitel 10 - Wunder über Wunder Wasser oder Wein?
Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige 1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann
Kapitel 12 - Himmel und Hölle Ein Katastrophenbericht
über den Untergang der Welt
Kapitel 13 - Katholen und Evangelen Traubensaft statt Blut Christi
Kapitel 14 - Moroni Barfuß in einem amerikanischen
Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823
Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe Die Zeugen
Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes
Kapitel 16 - Lorbe(e)ren Der Heilige Geist in Österreich
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