MEIN GOTT
Ein Bibelkurs

Kapitel 5

 

       
 
 
 
 
 
 
 

Gemetzel & Weiberhelden

Die Bibelbücher Josua, Richter, Samuel und Könige sind im großen und ganzen eine Beschreibung von Eroberungs- und Verteidigungskriegen, die das Volk der Israeliten mit seinen Nachbarn führt.

Im Samuelbuch findet sich die berühmte Geschichte von David und Goliath. König David, allseits bekannt durch viele Bilder auf denen er wagemutig dem Riesen Goliath mit einer Steinschleuder den Garaus macht, war aber nicht nur ein begnadeter Kämpfer, er war auch ein ausgesprochener Frauenheld, was allerdings nicht so oft gemalt wurde. Er fackelte nicht lange rum, wenn es galt, sich eine Frau zu besorgen, ob sie jetzt verheiratet war oder nicht.

2 Samuel 11,2 Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königshauses hin und her ging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen. David schickte jemand hin und erkundigte sich nach ihr. Man sagte ihm: Das ist Batseba, die Frau des Hethiters Uria. Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm, und er schlief mit ihr - sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück. Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger.

Um Komplikationen mit dem Ehemann zu vermeiden, läßt David diesen an die Front versetzen, wo er im Kampf fällt und heiratet anschließend die Frau. Gott mißfällt diese ganze Aktion und er läßt zur Strafe das gemeinsame Kind von David und Batseba sterben. Die beiden machen daraufhin ein neues und nennen es Salomo. Dieser Salomo übertrumpft seinen Vater dann später - als er auch König war - frauentechnisch auf der ganzen Linie:

2 Könige 11 König Salomo liebte neben der Tochter des Pharao noch viele andere ausländische Frauen: Moabiterinnen, Ammoniterinnen, Edomiterinnen, Sidonierinnen, Hetiterinnen. Es waren Frauen aus den Völkern, von denen der Herr den Israeliten gesagt hatte: Ihr dürft nicht zu ihnen gehen, und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden. An diesen hing Salomo mit Liebe. Er hatte siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen. Sie machten sein Herz abtrünnig.

Obwohl in der Bibel steht: Ezechiel 18,20 Nur wer sündigt, soll sterben. Ein Sohn soll nicht die Schuld seines Vaters tragen, war Jahwe so zornig, daß er beschloß, Salomos Sohn für die Hurerei seines Vaters zu bestrafen:
1 Könige 11,34 Doch werde ich ihm [Salomo] das Königtum nicht wegnehmen. Wegen meines Knechtes David, den ich erwählt habe und der meine Befehle und Gebote befolgt hat, - Davids Affaire mit Batseba schien Gott vergessen zu haben - lasse ich ihm die Herrschaft, solange er lebt. Erst seinem Sohn werde ich das Königreich nehmen.

Salomo war aber nicht der einzig frauensüchtige Sohn Davids, sein Bruder Amnon war auch nicht schlecht drauf, er verliebte sich in seine jungfräuliche Schwester Tamar und griff zu ausgefuchsten Tricks, um sie rumzukriegen:
2 Samuel 13,6 Amnon legte sich also hin und stellte sich krank. Als der König kam, um nach ihm zu sehen, sagte Amnon zum König: Meine Schwester Tamar möge doch zu mir kommen; sie soll mir vor meinen Augen zwei Kuchen backen, und ich will die Krankenkost aus ihrer Hand essen. 13,8 Tamar ging in das Haus ihres Bruders Amnon, der im Bett lag. 13,10 Tamar nahm die Kuchen, die sie zubereitet hatte, und brachte sie ihrem Bruder Amnon in die Kammer. Als sie ihm aber die Kuchen zum Essen reichte, griff er nach ihr und sagte zu ihr: Komm, leg dich zu mir, Schwester. Sie antwortete ihm: Nein, mein Bruder, entehre mich nicht. So etwas tut man in Israel nicht. Begeh keine solche Schandtat. 13,14 Doch Amnon wollte nicht auf sie hören, sondern packte sie und zwang sie, mit ihm zu schlafen. Hinterher aber empfand Amnon eine sehr große Abneigung gegen sie; ja, der Haß, mit dem er sie nun haßte, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte. Amnon sagte zu ihr: Steh auf und geh weg. Sie erwiderte ihm: Nicht doch. Wenn du mich wegschickst, wäre das ein noch größeres Unrecht, als das, das du mir schon angetan hast. Er aber wollte nicht auf sie hören, sondern rief den jungen Mann, der in seinen Diensten stand, und sagte: Bringt dieses Mädchen da von mir weg auf die Straße hinaus, und schließt die Tür hinter ihr ab. 13,20 Von da an lebte Tamar einsam im Hause ihres Bruders Abschalom. 13,22 Abschalom aber redete nicht mehr mit Amnon, weder im guten, noch im bösen; er haßte Amnon, weil dieser seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.

Abschalom ermordet später zur Strafe seinen Bruder Amnon, und muß sich anschließend drei Jahre lang verstecken, weil sein Papa - König David - deswegen sauer auf ihn war. Nachdem sich Davids Zorn gelegt hatte und Abschalom wieder zuhause wohnte, inszenierte dieser einen Putsch gegen seinen Vater. Dieser gelingt, König David muß fliehen, nur seine zehn Nebenfrauen läßt er im Palast zurück, was er nicht hätte tun sollen, denn Abschalom nützt diese Tatsache aus, um seinen Vater noch weiter zu entwürdigen:
2 Samuel 16,22 Man errichtete für Abschalom ein Zelt auf dem Dach, und Abschalom ging vor den Augen ganz Israels zu den Nebenfrauen seines Vaters.

David schlägt den Putsch seines Sohnes - der in der Schlacht ums Leben kommt - nieder, kehrt in sein Jerusalemer Anwesen zurück und zeigt seinen treulosen zehn Nebenfrauen, wer wieder Herr im Hause ist:
2 Samuel 20,3 Als David in sein Haus nach Jerusalem zurückkehrte, nahm der König die zehn Nebenfrauen, die er zurückgelassen hatte, um das Haus zu bewachen, und ließ sie in Gewahrsam bringen. Er versorgte sie, ging aber nicht mehr zu ihnen, und sie blieben bis zu ihrem Tod eingesperrt - schon zu Lebzeiten des Mannes im Witwenstand.

Es wird auch von einer Frau berichtet, die sich lasziver Tricks bedient, um an ihr Ziel zu kommen. Judit, eine hebräische Witwe, will ihre Heimatstadt vor dem bösen assyrischen Feldherrn Holofernes retten. Sie dachte sich dazu eine List aus.
Judit 10,3 Sie zog ihre Witwenkleider aus, wusch ihren Körper mit Wasser und salbte sich mit einer wohlriechenden Salbe. Hierauf ordnete sie ihre Haare, setzte ein Diadem auf und zog die Festkleider an, die sie zu Lebzeiten ihres Mannes getragen hatte. Auch zog sie Sandalen an, legte ihre Fußspangen, Armbänder, Fingerringe, Ohrgehänge und all ihren Schmuck an und machte sich schön, um die Blicke aller Männer auf sich zu ziehen.
Derart herausgeputzt geht sie in das Lager des Holofernes und bewundert diesen wegen seiner Weisheit und Tapferkeit. Geschmeichelt verknallt sich Holofernes in Judit und lädt sie zu einer Feier ein.
Judit 12,15 Judit stand auf, legte ihr bestes Kleid und ihren ganzen Schmuck an. Holofernes war über sie ganz außer sich vor Entzücken. Seine Leidenschaft entbrannte, und er war begierig danach, mit ihr zusammenzusein. Denn seit er sie gesehen hatte, lauerte er auf eine günstige Gelegenheit, um sie zu verführen. Als Holofernes sie aufforderte: Trink doch und sei vergnügt mit uns, erwiderte Judit: Gern will ich trinken, Herr, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch keine solche Ehre erfahren wie heute. Sie griff zu, aß und trank vor seinen Augen, was ihre Dienerin zubereitet hatte. Holofernes wurde ihretwegen immer fröhlicher und trank so viel Wein, wie er noch nie zuvor in seinem Leben an einem einzigen Tag getrunken hatte.
Als es dann Nacht geworden war, brachen seine Diener eilig auf. Judit allein blieb in dem Zelt zurück, wo Holofernes, vom Wein übermannt, vornüber auf sein Lager gesunken war. Inzwischen hatte sich die ganze Gesellschaft entfernt, und es befand sich kein Mensch mehr im Schlafgemach des Holofernes. Judit ging zum zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes und nahm von dort sein Schwert herab. Sie ging ganz nahe zu seinem Lager hin, ergriff sein Haar und sagte: Mach mich stark Herr, du Gott Israels. Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft auf seinen Nacken und hieb ihm den Kopf ab. Kurz danach ging sie hinaus und übergab den Kopf des Holofernes ihrer Dienerin, die ihn in einen Sack steckte.
Daraufhin kehrt Judit mit dem Kopf in ihre Heimatstadt zurück und wird als Heldin gefeiert.
Judit 16,25 Und niemand wagte mehr, die Israeliten zu beunruhigen, solange Judit lebte, und auch noch lange Zeit nach ihrem Tod.

Im Buch Ester findet man ein Beispiel, wie mancher König mit seiner Frau umging. König Artaxerxes gab ein Festmahl, es herrschte das damals übliche Gelage, und am siebten Tag war er vom vielen Wein gut angeheitert. Er befahl seinen Dienern, ihm die Königin Waschti zu bringen, eine Schönheit, die allerdings keine Lust auf eine Party hatte:
Ester 1,12 Aber die Königin Waschti weigerte sich, dem Befehl des Königs, den die Hofbeamten überbracht hatten, zu folgen und zu kommen. Da wurde der König erbost, und es packte ihn großer Zorn.
Der König beschloß, ein Exempel zu statuieren, damit das Benehmen seiner Königin nicht um sich griff:
Ester 1,17 Denn das Verhalten der Königin wird allen Frauen bekannt werden, und sie werden die Achtung vor ihren Ehemännern verlieren. Es möge ein unwiderruflicher königlicher Erlaß ergehen: Waschti darf dem König Artaxerxes nicht mehr unter die Augen treten. Er verleihe den Rang der Königin einer anderen, die würdiger ist als sie. Wenn die Anordnung, die der König erläßt, in seinem ganzen großen Reich bekannt wird, dann werden alle Frauen ihren Ehemännern, den vornehmsten wie den geringsten, die gebührende Achtung erweisen.
Der König ließ sich also eine Ladung junger Mädchen bringen, um in einem nächtlichen Testverfahren die würdige Nachfolgerin für seine Waschtli auszuwählen. Den Zuschlag bekam Ester, die Tochter eines Judens namens Mordechai. Daß sie Jüdin war, verschwieg sie ihrem neuen Ehegatten allerdings.

Hamam, ein höherer Offizier des Königs, war dem Mordechai nicht gut gewogen und wollte ihn umbringen, und zur Sicherheit das ganze jüdische Volk gleich dazu. Er machte seinem König den Plan schmackhaft, alle Juden im Königreich am 14. Tag des Monats Adar ermorden zu lassen, inklusive Frauen und Kindern. Mordechai schleicht sich zu seiner Tochter in den Palast und bittet sie, auf den König Einfluß zu nehmen, um dieses Gemetzel zu unterbinden. Dies gelingt ihr, und der böse Hamam wird aufgehängt. Der König macht eine Kehrtwendung um einhundertachtzig Grad und gibt einen Erlaß heraus, in dem er den Juden gestatt, am 13. und 14. Tag - anstatt selbst ermordet zu werden - alle ihre Gegner und Feinde abzuschlachten, wieder inklusive Frauen und Kindern. Die Juden freuen sich über diesen königlichen Erlaß und killen 75.800 Menschen. Sie halten ein Freudenfest ab und nennen es ‘Purimfest’. Es wird jedes Jahr - auch heutzutage noch - gefeiert.

Im Makkabäerbuch findet man die Geschichte von den sieben Brüder, die sich besonders als Gute-Nacht-Märchen für kleine Kinder eignet.
2 Makkabäer 7,1 Ein andermal geschah es, daß man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch zu essen, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und von uns wissen? Eher sterben wir, als daß wir die Gesetze unserer Väter übertreten. Da wurde der König zornig und befahl, Pfannen und Kessel heißzumachen.
Kaum waren sie heiß geworden, ließ er ihrem Sprecher die Zunge abschneiden, ihm nach Skythenart die Kopfhaut abziehen und Nase, Ohren, Hände und Füße stückweise abhacken. Dabei mußten die anderen Brüder und die Mutter zuschauen. Den gräßlich Verstümmelten, der noch atmete, ließ er ans Feuer bringen und in der Pfanne braten. Während sich der Dunst aus der Pfanne nach allen Seiten verbreitete, sprachen sie und ihre Mutter einander Mut zu, in edler Haltung zu sterben. Sie sagten: Gott der Herr schaut auf uns, und gewiß hat er Erbarmen mit uns. Denn so hat es Mose klar gesagt in dem Lied, in dem er öffentlich das Volk anklagte: Und er wird mit seinen Dienern Erbarmen haben.

Als der erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten zur Folterung. Sie zogen ihm die Kopfhaut samt den Haaren ab und fragten ihn: Willst du essen, bevor wir dich Glied für Glied foltern? Er antwortete in seiner Muttersprache: Nein! Deshalb wurde er genauso wie der erste gefoltert. Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.
Nach ihm folterten sie den dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefaßt: Vom Himmel habe ich sie bekommen, und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen. Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten.
Als er tot war, quälten und mißhandelten sie den vierten genauso, Dieser sagte, als er dem Ende nah war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

In diesem Stil geht es noch einige Zeit weiter. Man sollte beim Vorlesen allerdings beachten, daß das Abendessen nicht unbedingt ein Schweineschnitzel war, das Kind könnte sonst dumme Fragen stellen.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel
Kreative Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen

Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder
Über einen eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger

Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham
Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser

Kapitel 4 - Moses
Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise

Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden
Die Verführungskünste des König David und seiner Söhne

Kapitel 6 - Weisheiten
Wo Rockbands ihre Texte klauen

Kapitel 7 - Raumfahrer
Berichte über Hubschrauber, Raumstationen und seltsame Wesen

Kapitel 8 - Jesus
Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm Leben ein

Kapitel 9 - Weiber
Biblische Sprüche über Frauen

Kapitel 10 - Wunder über Wunder
Wasser oder Wein?

Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige
1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann

Kapitel 12 - Himmel und Hölle
Ein Katastrophenbericht über den Untergang der Welt

Kapitel 13 - Katholen und Evangelen
Traubensaft statt Blut Christi

Kapitel 14 - Moroni
Barfuß in einem amerikanischen Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823

Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe
Die Zeugen Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes

Kapitel 16 - Lorbe(e)ren
Der Heilige Geist in Österreich