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Lorbe(e)ren
Ein Nachteil des Neuen Testamentes ist, daß es über Jesus eigentlich
ziemlich wenig berichtet. Ein paar Wunder, eine Menge Gleichnisse, sein Tod,
seine Wiederauferstehung. Dennoch ist es nicht verwunderlich, daß seine
Apostel nicht mehr über ihn schrieben, denn er sagte selbst:
Johannes 16,12 Noch vieles habe
ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener
kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.
Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was
er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
Es dauerte aber sehr lange, bis der “Geist der Wahrheit” kam, über
eintausendachthundert Jahre. Am 15 März des Jahres 1840 überfiel er den
Teilzeitlehrer und Gelegenheitsmusiker Jakob Lorber in der österreichischen
Stadt Graz. “Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe” befahl er dem meist
arbeitslosen Künstler. Dieser erschrak tief, setzte sich aber gehorsam an
den Tisch und begann aufzuschreiben, was ihm der Heilige Geist eingab.
Dieser diktierte gute vierundzwanzig Jahre lang, was dazu führte, daß Jakob
Lorber in dieser Zeit fünfundzwanzig umfangreiche Bücher vollschreiben mußte.
Schon sein erstes Werk “Die Haushaltung Gottes” war dicker als die gesamte
Bibel, so daß man es in drei Bände unterteilen mußte.
Falls Jakob Lorber des Schreibens müde wurde, diktierte er die göttlichen
Eingebungen seinem treuen Freund Anselm Hüttenbrenner, der in diesem Fall
die Niederschrift übernahm.
Die “Haushaltung Gottes” beginnt mit allgemeinen Ermahnungen, die Gott gibt:
1,6 Den Tänzern und Tänzerinnen
sage ohne Scheu, daß sie allesamt vom Satan übel hergenommen sind. Er faßt
sie nämlich allesamt bei den Füßen und dreht sich mit ihnen schnell in einem
Wirbelkreis herum, damit sie dadurch ganz durch und durch schwindelig werden
und weder stehen, noch gehen, noch sitzen, noch schlafen, noch rasten, noch
sehen, noch hören, noch fühlen, noch riechen, noch schmecken, noch empfinden
können; denn sie sind wie Tote - daher kann ihnen weder geraten, noch
geholfen werden.
Anschließend wird ausführlich - bis ermüdend - über Personen und
Geschehnisse des Alten Testamentes berichtet. Die Ausdrucksweise kann
durchgehend als “schwülstig bis peinlich” bezeichnet werden, hier ein
kleines Beispiel, in dem Gott zu einer Magd namens Ghemela und ihren
Kolleginnen spricht:
182,12-15 Euch, Meine geliebten
Bräute und Töchter, sage Ich die Ursache dieser Begebenheit darum, damit ihr
aus dieser sichern und nötigen Kunde Licht schöpfen möget und, vollends aus
eurem Schlafe erwachend, auch erkennen möchtet, daß auch das Weib für Liebe
und Licht, nicht aber für stumme Liebe nur und daneben für die Finsternis
von Mir erschaffen wurde. Verstehst du meine Worte?
Und die jüngste Gefragte antwortete: O Jehova, wie soll ich dir danken? Ach,
wie unendlich wohl ist mir jetzt. Wie übergut bist du doch, o Jehova. Aber
du mein über und über ganz allein geliebtester Jehova, sage mir doch: Ist
meinen Schwestern auch so gut und wohl wie mir?
Später diktierte der Heilige Geist das Evangelium des Johannes - das ja auch
in der Bibel enthalten ist - noch mal, und zwar so ausführlich, daß es elf
dicke Bücher füllte. Es berichtet in aller Genauigkeit über das Leben des
Jesus und seinen Zeitgenossen. Allerdings - über die Zeit vom zwölften
Lebensjahr Jesu bis zu seinem dreißigsten schweigt sich auch dieses
Monumentalwerk aus.
Es heißt darin nur lapidar: 3 Tage 32,16
Daß Ich darauf bis in Mein dreißigstes Jahr von Meiner Göttlichkeit wenig
mehr merken ließ, ist bekannt... Ich lebte die bekannte Zeit bis zum
dreißigsten Jahr geradeso, wie da lebt ein jeder wohlerzogene Knabe, dann
Jüngling und dann Mann, und mußte durch den Lebenswandel nach dem Gesetz
Moses die Gottheit in Mir erwecken.
Dieses Werk mit seinen über dreitausend Seiten zu lesen, ist allerdings
nicht jedermanns Sache, so daß die meisten Leute es vorzogen, sich lieber an
das althergebrachte etwa dreißig Seiten lange Evangelium zu halten. Der
Heilige Geist hat mit Sicherheit das Lesebedürfnis der Menschheit
überschätzt, und er hat wohl auch den Fehler gemacht, sich nach Österreich
in die Steiermark zu begeben, einem Gebiet, das abseits jeglicher biblischer
Tradition liegt. Auch die Berufung eines meist arbeitslosen Musikers zum
“Schreibknecht Gottes” schien ein Fehlgriff gewesen zu sein. Daher kommt es
wohl, daß die Schriften des Jakob Lorber weithin unbekannt sind und von
denen, die sie kennen, meist als nicht sehr glaubwürdig eingestuft werden.
Gott oder der Heilige Geist täten gut daran, sich als ihren nächsten
Schriftsteller zum Beispiel den Papst oder den Dalai Lama auszusuchen, dann
hätte das Geschriebene auf jeden Fall eine gewisse Öffentlichkeitswirkung.
Jesus hatte in Jakob Lorbers Schriften eine bemerkenswerte Eigenart: Er war
sein eigener Vater. Man liest: Ich bin niemals von einem anderen als nur
von mir selbst in dieses Fleisch gezeugt worden und bin dann also mein
höchsteigener Vater von Ewigkeit.
Anders als in der Bibel kann Jesus bei Lorber daher nicht zur Rechten Gottes
sitzen. Den Heiligen Geist gibt es auch nicht, er ist keine Person, sondern
eine von Jesus ausgehende Kraft. |
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel Kreative
Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen
Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder Über einen
eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger
Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser
Kapitel 4 - Moses Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise
Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden Die
Verführungskünste des König David und seiner Söhne
Kapitel 6 - Weisheiten Wo Rockbands ihre Texte klauen
Kapitel 7 - Raumfahrer Berichte über Hubschrauber,
Raumstationen und seltsame Wesen
Kapitel 8 - Jesus Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm
Leben ein
Kapitel 9 - Weiber Biblische Sprüche über Frauen
Kapitel 10 - Wunder über Wunder Wasser oder Wein?
Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige 1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann
Kapitel 12 - Himmel und Hölle Ein Katastrophenbericht
über den Untergang der Welt
Kapitel 13 - Katholen und Evangelen Traubensaft statt Blut Christi
Kapitel 14 - Moroni Barfuß in einem amerikanischen
Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823
Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe Die Zeugen
Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes
Kapitel 16 - Lorbe(e)ren Der Heilige Geist in Österreich
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