|
|
|
Gesalbte und andere Schafe
Sie zahlen pünktlich ihre Steuern, sie lügen nicht, verweigern den
Wehrdienst, bauen und finanzieren sich ihre Königreichsääle selbst, ohne dem
Steuerzahler zur Last zu fallen, sie ziehen sich gut an, rauchen nicht und
trinken nur in Maßen. Sie sind in keinster Weise revolutionär veranlagt und
stellen für den Staat keine Gefahr dar, weil sie es abgesehen vom
Wehrdienst, mit folgendem Bibelwort halten:
Römer 13,1 Jeder leiste den
Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine
staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.
Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die
Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.
Man erkennt sie daran, daß sie an jeder verfügbaren Ecke stehen und
Wachtturmhefte hochhalten. Ältere Zeugen dürfen dies alleine tun, jüngere
nur zu zweit, um so besser gegen Satan geschützt zu sein, da die Zeugen
Jehovas eine fast schon panisch zu nennende Angst vor diesem haben. Alles
was außerhalb ihrer Religion liegt, ist praktisch von Satan unterwandert, er
befiehlt über die “Hure Babylon”, wie sie den Rest der Welt nennen, er hat
die Menschen sogar dazu gebracht eine trügerische Einrichtung für Sicherheit
und Frieden zu gründen, die UNO.
Man bezeichnet die Zeugen Jehovas gerne als “Buchvertreter Gottes”, da sie
hauptsächlich damit beschäftigt sind, von Haus zu Haus zu ziehen und von der
Wachtturmgesellschaft hergestellte Literatur zu verkaufen. Dieses
Verkaufswerk war sehr erfolgreich, hatte aber den Nachteil, daß die Zeugen
Gewerbesteuern bezahlen mußten. Daher wurde 1991 in Deutschland eine kleine
aber wichtige Änderung eingeführt: Die Literatur wird seitdem kostenlos
abgegeben, zum Dank erhält die Wachtturmgesellschaft eine “Spende” in Höhe
des Buchpreises. Und Spenden sind steuerfrei. Die Gesellschaft verläßt sich
nicht darauf, daß diese Spenden von den bemissionierten Bürgern entrichtet
werden, die einem Prediger möglicherweise einen Wachtturm oder Dickeres
abnehmen, sondern die Literatur muß von den einzelnen Zeugen, die im
Predigtdienst tätig sind, bezahlt - besser gesagt “bespendet” werden und es
ist anschließend seine Sache, ob er sie an den Mann bringt oder nicht. Falls
nicht, hat er außer seinem persönlichen Defizit auch einen Stapel Wachttürme
zuhause, die er nicht mal in den Altpapiercontainer werfen darf, weil das
aus Respekt vor Jehova nicht vertretbar ist.
Sie selber reden von sich selten als Zeugen Jehovas sondern sagen “Ich bin
in der Wahrheit”, da sie sich als die einzig gültige Religion auf der Welt
betrachten. Sie nehmen die Bibel ziemlich wörtlich, operieren allerdings
häufig mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und quer durch die
Jahrhunderte gehenden Bezugnahmen von Bibeltexten. Der Schöpfungsbericht in
der Bibel wird für echt gehalten, daher ist für einen Zeugen die Erde etwa
7000 Jahre alt und die Evolutionstheorie von Darwin ist falsch, weil alles
von Gott persönlich erschaffen wurde.
Es gibt auch eine speziell von und für Zeugen Jehovas übersetzte
Bibelausgabe, die sich in manchen Einzelheiten von anderen unterscheidet.
Als erstes gingen sie daran, den Namen Jehova wieder einzuführen und zwar
6973 mal im Alten und 237 mal im Neuen Testament, ungeachtet, ob in den
alten Fassungen Jahwe, oder “der Herr”, oder “Gott” stand, was manchmal zu
Sinnänderungen führt, weil zum Beispiel im Neuen Testament - in dem der Name
Gottes kein einziges Mal erwähnt wird - auch Jesus als “der Herr” bezeichnet
wird, was dann fälschlicherweise als Jehova übersetzt wurde.
Einer der wichtigsten Unterschiede in der Übersetzung der Zeugen Jehovas ist
die Stellung eines Doppelpunktes im Lukas-Evangelium:
Lukas 23,33 Sie kamen zur
Schädelhöhle; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts
von ihm, den anderen links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie
wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine
Kleider unter sich. Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die
führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er
geholfen, nun soll er sich selbst helfen,wenn er der erwählte Messias Gottes
ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten
ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir
selbst. Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König
der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist
du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns. Der andere
aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat
doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den
Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts unrechtes getan. Dann sagte
er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm:
Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Dieser letzte Satz lautet in der “Neuen-Welt-Bibel”, der Übersetzung der
Zeugen Jehovas:
Lukas 23,43 NW Und er
sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies
sein.
Man bemerkt, daß sich die Stellung des Doppelpunktes um ein Wort verschoben
hat, was einen grundsätzlichen Bedeutungswandel ergibt.
Ich sage dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.
Bei der ersten katholisch-evangelischen Version kommt man gleich nach dem
Tod ins Paradies, in die Hölle oder ins Fegefeuer. Bei der Version der
Zeugen geschieht dies irgendwann, aber nicht gleich nach dem Tod, was
erhebliche Auswirkung hat, wie später noch gezeigt wird.
Im griechischen Original heißt es “... soi lego, semeron” - auch Menschen,
die des Griechischen nicht mächtig sind, können feststellen, daß hier ein
Komma steht und kein Doppelpunkt. Und wie einem der Kellner beim Griechen um
die Ecke bestätigen kann, heißt das auf deutsch: “.. ich sage dir, heute...”
und nicht “... ich sage dir heute, ...”
Ziemlich freie Übersetzungen, die der Bibelauslegung der Zeugen
entgegenkommen finden sich häufig. In 1 Johannes 4,1 kann man in der
Neuen-Welt-Bibel lesen: Geliebte, glaubt nicht jeder inspirierten
Äußerung, sondern prüft die inspirierten Äußerungen, um zu sehen, ob sie von
Gott stammen.
An der gleichen Stelle im griechischen Text steht “pneuma tou theou”, was
“Geist Gottes” bedeutet, keinesfalls “inspirierte Äußerung”. Diese seltsame
Übersetzung von Gottes Geist kommt vierzehn mal in der Bibel vor, auch an
reichlich unpassenden Stellen, wie der Johannes Offenbarung 16,13: Und
ich sah drei unreine inspirierte Äußerungen, die aussahen wie Frösche ...
Wer genau diese stilistische Meisterleistung vollbracht hat, ist nicht in
Erfahrung zu bringen, da die Wachtturmgesellschaft sich weigert, die Namen
der Übersetzer preiszugeben, es wird nur von einem anonymen “New World Bible
Translation Committee” geschrieben.
Da einzelne Sätze aus der Bibel manchmal sehr waghalsig in die heutige Zeit
umgesetzt werden, müssen die Zeugen offiziell ihre erkrankten Kinder oder
Verwandten lieber sterben lassen, als eine Bluttransfusion zu genehmigen,
weil in der Bibel steht: Deuteronomium
12,16 Das Blut aber sollt ihr nicht genießen, sondern wie
Wasser auf die Erde schütten.
Die Warnung vor dem Verzehr von Blut oder bluthaltigem Fleisch kommt noch an
ein paar anderen Bibelstellen vor, allerdings ist auch da immer von Essen
die Rede, nie von Transfusionen. Wieso die Zeugen Jehovas völlig ungerührt
ein Butterbrot verzehren, ist nicht ganz nachzuvollziehen, da in der Bibel
auch steht: Levitikus 3,17 Das
ganze Fett gehört dem Herrn. Als feste Regel gelte bei euch von Generation
zu Generation an allen euren Wohnstätten: Ihr dürft weder Fett noch Blut
genießen.
Auch ein Filetsteak ‘Medium’ ist den Zeugen nicht verboten, obwohl dies
einwandfrei ein Verzehr von bluthaltigem Fleisch im biblischen Sinn ist.
Sie feiern weder Geburtstage, noch kennen sie den weihnachtlichen
Geschenkzwang oder sonstige Feiertage, sondern nur eine Art letztes
Abendmahl, daß sie am 14. Nisan, dem Todestag Jesu nach jüdischer Rechnung
(März/April) begehen. Dabei versammeln sich alle im Königreichsaal und
reichen Blut und Leib Jesu in Form von Wein und Brot von Hand zu Hand. Davon
kosten dürfen allerdings nur die sogenannten “Gesalbten” unter ihnen, in den
meisten Gemeinden also überhaupt niemand. Die normalen Zeugen sind damit
zufrieden, sich darüber zu freuen, daß die Gesalbten - im Jahr 1992 waren
dies 8683 Personen - den Wein austrinken.
Der erste Zeuge Jehovas war angeblich Abel (der von seinem Bruder Kain
ermordet wurde), weil in der Bibel steht:
Hebräer 11,4 NW Durch Glauben brachte Abel Gott ein wertvolleres
Opfer dar als Kain, durch welchen Glauben er das Zeugnis erlangte, daß er
gerecht war, indem Gott Zeugnis gab hinsichtlich seiner Gaben.
Der größte Zeuge Jehovas ist Jesus Christus, wird behauptet, berühmtester
Zeuge der Neuzeit war wohl Michael Jackson, der allerdings öfter
Schwierigkeiten mit der Gemeinde bekam, weil seine Bühnenshow dann doch
ziemlich unbiblisch ist, vor allem wenn er sich in den Schritt greift. Als
ihm von den Ältesten verboten wurde, mit seiner Schwester La Toya zu reden,
sagte sich Michael Jackson von den Zeugen Jehovas los.
Was die Zeugen Jehovas über andere christlichen Religionen erhebt, ist, daß
bei ihnen das Paradies auf Erden immer in Griffweite ist. Sie haben aus der
Bibel Formeln erkannt, mit denen man das Endgericht Gottes zeitlich ziemlich
genau bestimmen kann und dieses Ereignis liegt zeitlich grundsätzlich so,
daß es die gerade aktuelle Generation noch erleben kann. Der erste dieser
Weltuntergänge sollte im Herbst 1874 stattfinden, der zweite 1878, der
nächste geplante im Oktober 1914 wurde auf 1918 verschoben, dann einer im
Jahre 1925 sowie einer 1975. Nachdem jedoch peinlicherweise alle nicht
stattgefunden haben, wollte man sich auf den nächsten zeitlich nicht mehr so
genau festlegen, es hieß nur noch: Die Generation die 1914 geboren ist, wird
ihn noch erleben. Mit einem Zeugen Jehovas über all diese nicht
stattgefundenen Weltuntergänge zu diskutieren ist jedoch völlig sinnlos, er
wird in etwa antworten: “Das ist ja das wunderbare an unserer Gesellschaft,
daß sie vergangene Fehler zugibt und immer neu lernt. Irrtümer zuzugeben ist
keine Schande, dies bedeutet doch nur, daß man inzwischen mehr gelernt hat.”
Selbstverständlich kommen Irrtümer nur in der Vergangenheit vor, an dem
gerade aktuellen Weltuntergang wird nicht gezweifelt.
Da die Generation von 1914 allmählich ausstirbt, ohne daß das Ende der Welt
in Sicht ist, ist man Ende 1995 dazu übergegangen, diese Theorie
stillschweigend fallen zu lassen. Ein neues Datum für die Endzeitkatastrophe
ist noch nicht festgelegt.
Warum das Ende der Welt im Jahr 1975 kommen sollte, wurde so erklärt: Ein
Schöpfungstag Gottes, das waren nicht 24 Stunden, sondern 7000 Jahre, also
dauert auch der letzte Tag, der Ruhetag Gottes 7000 Jahre. Diese 7000 Jahre
der Ruhe begannen nach der Erschöpfung Adam und Evas, die laut
Wachtturmgesellschaft im Jahre 4026 v. Chr. stattfand, also endet die
Ruheperiode Gottes im Jahr 2975. Da die letzten 1000 Jahre der Ruhezeit
jedoch der Königreichsherrschaft Jesu Christi vorbehalten sind, muß diese im
Jahr 1975 beginnen. So einfach war das damals. Nachdem aber in dieser alten
Rechenmethode irgendwo ein Fehler stecken mußte, hat man sich für den
nächsten Weltuntergang eine neue ausgedacht, die aber wesentlich schwerer zu
begreifen ist. In etwa funktioniert sie so:
In Daniel 9,25 steht: Von der Verkündigung des Wortes über die
Rückführung des Volkes und den Wiederaufbau Jerusalems bis zur Ankunft eines
Gesalbten, eines Fürsten, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen
lang baut man die Stadt wieder auf mit ihren Plätzen und Gräben.
Das macht zusammen 69 Wochen, die man aber als sogenannte “Jahrwochen”
verstehen muß, bei denen man 69 mal 7 rechnen muß, was 483 Jahre ergibt. Der
Auftrag, Jerusalem wieder aufzubauen, erging nach Zeitrechnung der Zeugen im
Jahr 455 v.Chr., die 483 Jahre dazugerechnet macht 29 n.Chr. und in diesem
Jahr ließ sich Jesus von Johannes taufen.
Da diese Prophezeiung Daniels also zeitlich gestimmt hat, benützt man eine
weitere von ihm. Es ist aber nicht direkt eine Prophezeiung, sondern
vielmehr ein Traum des Königs Nebukadnezar, dem dieser dem Daniel erzählt:
Daniel 4,7 Da stand ein Baum
mitten auf der Erde; er war sehr hoch. Der Baum wuchs zusehends und wurde
immer mächtiger; seine Höhe reichte bis an den Himmel; er war bis ans Ende
der ganzen Erde zu sehen. 4,10
Während ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah, stieg ein
Wächter, ein Heiliger vom Himmel herab. Er befahl mit mächtiger Stimme:
Fällt den Baum und schlagt seine Äste ab! Streift sein Laubwerk ab, und
zerstreut seine Früchte! Die Tiere sollen aus seinem Schatten fliehen und
die Vögel aus seinen Zweigen. Aber laßt ihm den Wurzelstock in der Erde, im
Gras des Feldes, mit einer Fessel aus Eisen und Bronze. Der Tau des Himmels
soll ihn benetzen, und mit den Tieren soll er teilhaben am Gras der Erde.
Sein Herz sei nicht mehr ein Menschenherz; ein Tierherz soll ihm gegeben
werden, und sieben Zeiten sollen über ihn hingehen.
Der gefällte Baum symbolisiert Juda, das Königreich Gottes auf Erden, sagen
die Zeugen Jehovas und im Jahre 607 v.Chr. wurde dieses von Nebukadnezar
vernichtet, also praktisch wie ein Baum “gefällt”. Das historisch erwiesene
Datum für diesen Zeitpunkt wäre zwar 587 v. Chr., aber das scheint die
Zeugen nicht zu stören. Ab diesem Zeitpunkt begannen die “bestimmten Zeiten
der Nationen”, während denen Gott keine Regierung auf der Erde hatte und
diese “bestimmten Zeiten” dauern die bei Daniel erwähnten “sieben Zeiten”
lang. Mit Hilfe einer Regel aus dem Bibelbuch Offenbarung (das allerdings
mehrere Jahrhunderte später geschrieben wurde, Daniel dürfte es schwerlich
gekannt haben) kann man die Länge dieser “sieben Zeiten” berechnen:
Offenbarung 12,6 Die Frau aber
floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort
wird man sie mit Nahrung versorgen; zwölfhundertsechzig Tage lang.
12,14 Aber der Frau
wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in der Wüste
an ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird
eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt.
Daraus folgt, daß dreieinhalb Zeiten gleich 1260 Tagen sind, sieben Zeiten
wären demnach 2520 Tage. Diese 2520 Tage muß man jetzt nach der biblischen
Regel “ein Tag ist gleich ein Jahr” behandeln, also ergeben sich 2520 Jahre
und von 607 v.Chr. ab gerechnet kommt man auf 1914 unserer Zeit.
Die biblische Regel “ein Tag für ein Jahr” kommt aus dem Buch Numeri 14,34.
Gott spricht hier zu Moses: So viele Tage, wie ihr gebraucht habt, um das
Land zu erkunden, nämlich vierzig Tage, so viele Jahre lang - für jeden Tag
ein Jahr - müßt ihr die Folgen eurer Schuld tragen, also vierzig Jahre lang.
Daß dies eine allgemeingültige Rechenregel für biblische Zeitangaben
wäre, davon spricht Gott allerdings nicht.
Rechenoperation mit den biblischen Faktoren 1290 (Daniel 12,11), 1335
(Daniel 12,12) oder der Formel ‘tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der
gestern vergangen ist’ (Psalm 90,4) wurden noch nicht verwendet, vielleicht
kommt das noch.
Dies alles ist der Beweis, daß im Jahr 1914 die “bestimmten Zeiten der
Nationen” zu Ende gingen, daß also Jesus Christus begann, als König der
himmlischen Regierung Gottes zu herrschen. Diese Tatsache ist allerdings nur
daran zu erkennen, daß Jesus damals Satan aus dem Himmel entfernte und auf
die Erde warf. Und die Taten Satans auf unserem Planeten sind genau zu
beobachten:
2 Timotheus 3,1 In den letzten
Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig
sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die
Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch,
unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr
dem Vergnügen als Gott zugewandt. 3,7 Frauen, die immer lernen, und
die doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können.
Matthäus 24,7 Denn ein Volk wird
sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere, und an vielen
Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Lukas 21,11
Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte
geben. Matthäus 24,12 Und weil die Mißachtung von
Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten.
Da dies alles seit 1914 der Fall ist, sind sich die Zeugen Jehovas sicher,
daß die Herrschaft Jesu im Himmel damals begonnen hat.
Ein weiterer Beweis ist auch, daß Jesus gesagt hat:
Matthäus 24,34 Diese Generation
wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft und damit - so die Zeugen
Jehovas - die Generation von 1914 gemeint hat, nicht seine eigene.
Für die Zeugen steht also fest, daß in Kürze der Beginn des Harmagedons
(genau beschrieben im Kapitel ‘Himmel und Hölle’) ausbricht, an dessen Ende
eine paradiesische Erde steht, die von Jesus und den 144.000 Gesalbten
regiert wird. Im Unterschied zur Bibel, nach der diese 144.000
ausschließlich aus jungfräulich gebliebenen jüdischen Männern bestehen
(...denn diese sind es, die sich nicht mit Weibern befleckt haben.),
dürfen bei den Zeugen Jehovas auch Frauen oder verheiratete Männer
nichtjüdischen Glaubens dabeisein. Es versteht sich, daß sie allesamt zu den
Zeugen Jehovas gehören. Wer diese Menschen sind, wird nicht etwa später von
Gott oder Jesus entschieden, sondern schon jetzt von der Zentrale der Zeugen
Jehovas. Da zu den 144.000 schon viele biblische Persönlichkeiten gehören -
zum Beispiel die zwölf Apostel - als auch Menschen der nachbiblischen Zeit -
Martin Luther etwa - , waren leider nicht mehr viele Plätze im Himmel frei,
so daß die “Gesalbten” unserer Neuzeit, die nach dem Harmagedon mit Jesus im
Himmel über die Erde regieren, hauptsächlich amerikanische Männer waren, von
denen viele der leitenden Körperschaft der Zeugen in New York angehörten.
Heilige Personen aus dem Alten Testament - Moses, Abel, König David, Hiob
oder dergleichen - gehören nicht zu den 144.000 Gesalbten, denn laut
Wachtturmgesellschaft haben alle Menschen, die vor Jesus gelebt haben, keine
Chance, in den Himmel zu kommen.
Offiziell ist die “Sammlung der Gesalbten” seit 1935 endgültig
abgeschlossen, ein Mensch, der sich heute zu den Zeugen bekehrt, hat also
keinerlei Chance, noch in den Himmel zu kommen.
Darüber sind die normalen Zeugen Jehovas allerdings nicht traurig, sondern
ergeben sich demütig in ihr Schicksal und bezeichnen sich selber als “Andere
Schafe”.
Ein Problem ergab sich dadurch, daß wenn zum Beispiel Apostel Markus und
weitere hochstehende Personen der Bibel wieder auferweckt würden, diese eine
standesgemäße Wohnung bräuchten. Deshalb kaufte die Wachtturmgesellschaft im
Jahr 1925 in San Diego/Kalifornien ein großes Grundstück und ließ das darauf
befindliche Haus standesgemäß umbauen. “Beth Sarim” wurde der Prunkbau
genannt - Haus der Fürsten. Der Präsident und leitende Funktionäre der
Gesellschaft beschlossen schlauerweise, den Bau bis zum Eintreffen Martin
Luthers und seiner illustren Kollegen als Urlaubsquartier zu nützen. 1948
wurde das Haus wieder verkauft, die Apostel werden sich nun bei ihrem
Eintreffen selber um ihre Unterkunft sorgen müssen.
Bei aller Bibeltreue scheinen die Zeugen Jehovas jedoch zu ignorieren, daß
schon vor zweitausend Jahren gesagt wurde:
1 Petrus 4,7 Das Ende aller
Dinge ist nahe.
1 Johannes 2,18 Meine Kinder, es
ist die letzte Stunde. Ihr habt gehört, daß der Antichrist kommt, und jetzt
sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, daß es die letzte
Stunde ist.
Offenbarung 1,3 Selig,
wer diese prophetischen Worte vorliest und wer sie hört und wer sich an das
hält, was geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
Was die Zeugen bei all ihren biblischen Rechenkünsten verdrängen, ist eine
Feststellung Jesu, die er in Markus 13,31 trifft: Himmel und Erde werden
vergehen..., doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die
Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
Dieser Ausspruch ist gleichzeitig ein gutes Gegenargument gegen die
katholische Dreieinigkeitstheorie: Wenn Vater und Sohn eins wären, so müßten
sie beide eigentlich auch das Gleiche wissen.
Zu Jesus muß noch gesagt werden, daß dieser bei den Zeugen Jehovas eine
Doppelfunktion hat, vor seiner irdischen Geburt war er schon im Himmel
tätig, und zwar unter dem Namen Michael. Im Buch “Einsichten über die
Heilige Schrift” aus dem Jahr 1992 wird auf Seite 351 geschrieben:
Während seiner vormenschlichen Existenz wurde Jesus ‘das Lamm’ genannt.
Außerdem trug er den Eigennamen Michael. Daß Jesus seinen himmlischen Namen
Michael und seinen Titel ‘Das Wort Gottes’ wieder annahm, bringt ihn mit
seiner vormenschlichen Existenz in Verbindung. Gerade der Name Michael, der
“Wer ist wie Gott?” bedeutet, weist auf die Tatsache hin, daß niemand Jehova
Gott gleichkommt oder ihm ebenbürtig ist und Michael, sein Erzengel, sein
großer Verfechter oder Rechtfertiger ist.
Deshalb haben Zeugen Jehovas auch keinerlei Problem mit der Bibelstelle, in
der Gott bei der Erschöpfung der Welt spricht: Laßt uns Menschen machen.
Für sie waren da eindeutig Jehova und Jesus (also Erzengel Michael) am Werk,
daher zu Recht die Pluralform.
Wenn man jetzt die Theorie, Jesus wäre der Erzengel Michael gewesen, mit der
Theorie der Mormonen, Adam war eine Inkarnation des Erzengel Michaels
kombiniert, dann erkennt man bei genauem Nachdenken, daß Jesus - mit Hilfe
Gottes, von dem er allerdings aus katholischer/evangelischer Sicht auch ein
Drittel ist - sich selbst erschaffen hat. Allerdings bedürfte es dann einer
neuen Erklärung für Jungfrau Maria. Vielleicht hat sie nicht mit dem “Holy
Ghost” sondern mit “Holy Spirit”...
Man sieht, Religion ist nicht einfach. Mehrere schon garnicht.
So wie die Katholiken ihren Papst und den Vatikan haben, haben die Zeugen
Jehoves ihre leitende Körperschaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sie
nennt sich: “Der treue und verständige Sklave”, und trifft alle
Entscheidungen unter der Leitung des Heiligen Geistes. Behauptet sie
jedenfalls. Der Heilige Geist scheint ein vielbeschäftigtes Wesen zu sein.
Wie man im Kapitel “Sekte oder nicht?” nachlesen kann, inspiriert er
unheimlich viele Leute, die allein gültige Religion zu erfinden. Sämtliche
Religionen unterscheiden sich aber nicht unerheblich voneinander, man kann
sich daher fragen, ob der Heilige Geist allen das Gleiche erzählt.
Gegründet wurden die Zeugen Jehovas im Jahre 1870 von Charles T. Russel im
amerikanischen Bundesstatt Pennsylvania. Anfangs nannte sich der kleine
Glaubenskreis noch “Bibelforscher”, und begann mit der Herausgabe kleiner
Schriften, die ab 1879 “Zions Watch Tower and Herald of Christ’s Presence”
hießen. Herausgeber und Chefredakteur war C.T. Russel. Die Auflage steigerte
sich von anfangs 6000 über 50.000 im Jahr 1914 bis zur heutigen
Millionenhöhe. Russel selber schrieb ungefähr 37 Jahre lang Artikel und
Bücher, bis er im Jahre 1916 starb. Sein Nachfolger J.F Rutherford, führte
die Glaubensgemeinschaft, die ihren Sitz inzwischen nach New York verlegt
hatte, die Erfolgstreppe weiter aufwärts und wurde nach seinem Tod 1942 von
Nathan Knorr abgelöst, ab 1977 regierte Frederick Franz die
Glaubensgemeinschaft bis 1992, der jetzige Chef heißt Milton G. Henschel.
Der Missionsdienst der Zeugen Jehovas ist die Pflicht jedes
Gemeindemitgliedes, da Paulus gesagt hat:
Apostelgeschichte 20,20 Ich habe es euch verkündigt und habe euch
gelehrt, öffentlich und in den Häusern. Statt “und in den Häusern” steht
in der Übersetzung der Zeugen zum Glück “von Haus zu Haus”, was ihre
Legitimation ist, vertreterartig an allen Wohnungen in ihrem Gebiet zu
klingeln, um den Menschen die Botschaft vom nahenden Harmagedon zu bringen.
Die unermüdliche Verbreitung der unzähligen Schriftwerke durch die
Mitglieder der Gemeinden brachte viel Geld in die Kasse. Dies ermöglichte
den Aufbau eines weltumspannenden Netzes von Druckereien, das die
Herstellungskosten der einzelnen Schriften auf ein Minimum senkte, da fast
alle dort arbeitenden Menschen Zeugen Jehovas sind, die ihren Dienst gratis
oder für einen Minimallohn verrichten. Wohin die enormen Gewinne, die mit
den Verkäufen von Wachtturm, Erwachet und diversen Büchern erzielt werden,
fließen, ist nicht ganz klar, da die amerikanische Wachtturmgesellschaft
ihre Bilanzen nicht offenlegen muß. Die meisten nationalen Unterabteilungen
müssen dies auch nicht tun, da sie als “Eingetragener Verein” firmieren. Als
gemeinnützig eingestuft, müssen sie auch keine Steuern bezahlen. Dieses
Finanzgebahren wird den Zeugen Jehovas oft übel angerechnet, allerdings
verhält es sich bei den etablierten Großkirchen auch nicht anders, der
Vatikan veröffentlicht auch keine Bilanz, der Gemeindepfarrer hütet sich
streng, das Ergebnis der Sonntagskollekte öffentlich bekannt zu geben. Die
Kirchen erheben sogar Zwangssteuern und lassen diese vom Staat eintreiben.
Jedoch finanzieren Evangelen oder Katholiken mitunter karitative
Einrichtungen oder schicken Geld in Notstandsgebiete, was die Zeugen Jehovas
grundsätzlich nicht tun. Sie zeigen keinerlei soziales Engagement, sie bauen
fast ausschließlich Druckereien und investieren in moderne Computersysteme,
um ihre Publikationen in möglichst vielen Sprachen drucken zu können. Was
mit eventuellen Überschüssen passiert, ist nicht bekannt.
Das Schönste an den Publikationen der Wachtturmgesellschaft sind wohl die
Bilder, mit denen sie ihre Publikationen verzieren. In keiner anderen
Glaubensgemeinschaft ist Jesus so schön. Gepflegt, frisch rasiert,
ordentlich geschnittenes und scheinbar geföhntes Haar sowie perfekt
manikürte Hände, sieht er bei den Zeugen Jehovas aus wie Barry Gibb von den
Bee Gees in seinen besten Zeiten und würde bestens in jeden modernen
Hollywood-Film passen. Eindrucksvoll sind auch die Gemälde vom Leben im
Paradies auf Erden - die gut gefüllten Schaufenster eines Delikatessenladens
sind nichts dagegen - furchterregend die bildliche Umsetzung eines den Zorn
Gottes aus einer Schale auf sich in den Boden kauernde Menschen ausgießenden
Engels. Die besten Zeichnungen finden sich im Buch “Die Offenbarung - ihr
großartiger Höhepunkt ist nahe”, das man sich alleine schon deswegen
besorgen sollte. Man muß es ja nicht bezahlen, wenn man nicht will, der
kleine Prediger an der Hausmauer hat den Kaufpreis bereits an die
Gesellschaft gespendet. Unvergleichlich das Bild der “Hure Babylon”, die auf
einem siebenköpfigen Tiger reitet |
|
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel Kreative
Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen
Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder Über einen
eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger
Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser
Kapitel 4 - Moses Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise
Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden Die
Verführungskünste des König David und seiner Söhne
Kapitel 6 - Weisheiten Wo Rockbands ihre Texte klauen
Kapitel 7 - Raumfahrer Berichte über Hubschrauber,
Raumstationen und seltsame Wesen
Kapitel 8 - Jesus Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm
Leben ein
Kapitel 9 - Weiber Biblische Sprüche über Frauen
Kapitel 10 - Wunder über Wunder Wasser oder Wein?
Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige 1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann
Kapitel 12 - Himmel und Hölle Ein Katastrophenbericht
über den Untergang der Welt
Kapitel 13 - Katholen und Evangelen Traubensaft statt Blut Christi
Kapitel 14 - Moroni Barfuß in einem amerikanischen
Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823
Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe Die Zeugen
Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes
Kapitel 16 - Lorbe(e)ren Der Heilige Geist in Österreich
|