MEIN GOTT
Ein Bibelkurs

Kapitel 15

 

       
 
 
 
 
 
 
 

Gesalbte und andere Schafe

Sie zahlen pünktlich ihre Steuern, sie lügen nicht, verweigern den Wehrdienst, bauen und finanzieren sich ihre Königreichsääle selbst, ohne dem Steuerzahler zur Last zu fallen, sie ziehen sich gut an, rauchen nicht und trinken nur in Maßen. Sie sind in keinster Weise revolutionär veranlagt und stellen für den Staat keine Gefahr dar, weil sie es abgesehen vom Wehrdienst, mit folgendem Bibelwort halten:

Römer 13,1 Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.

Man erkennt sie daran, daß sie an jeder verfügbaren Ecke stehen und Wachtturmhefte hochhalten. Ältere Zeugen dürfen dies alleine tun, jüngere nur zu zweit, um so besser gegen Satan geschützt zu sein, da die Zeugen Jehovas eine fast schon panisch zu nennende Angst vor diesem haben. Alles was außerhalb ihrer Religion liegt, ist praktisch von Satan unterwandert, er befiehlt über die “Hure Babylon”, wie sie den Rest der Welt nennen, er hat die Menschen sogar dazu gebracht eine trügerische Einrichtung für Sicherheit und Frieden zu gründen, die UNO.

Man bezeichnet die Zeugen Jehovas gerne als “Buchvertreter Gottes”, da sie hauptsächlich damit beschäftigt sind, von Haus zu Haus zu ziehen und von der Wachtturmgesellschaft hergestellte Literatur zu verkaufen. Dieses Verkaufswerk war sehr erfolgreich, hatte aber den Nachteil, daß die Zeugen Gewerbesteuern bezahlen mußten. Daher wurde 1991 in Deutschland eine kleine aber wichtige Änderung eingeführt: Die Literatur wird seitdem kostenlos abgegeben, zum Dank erhält die Wachtturmgesellschaft eine “Spende” in Höhe des Buchpreises. Und Spenden sind steuerfrei. Die Gesellschaft verläßt sich nicht darauf, daß diese Spenden von den bemissionierten Bürgern entrichtet werden, die einem Prediger möglicherweise einen Wachtturm oder Dickeres abnehmen, sondern die Literatur muß von den einzelnen Zeugen, die im Predigtdienst tätig sind, bezahlt - besser gesagt “bespendet” werden und es ist anschließend seine Sache, ob er sie an den Mann bringt oder nicht. Falls nicht, hat er außer seinem persönlichen Defizit auch einen Stapel Wachttürme zuhause, die er nicht mal in den Altpapiercontainer werfen darf, weil das aus Respekt vor Jehova nicht vertretbar ist.

Sie selber reden von sich selten als Zeugen Jehovas sondern sagen “Ich bin in der Wahrheit”, da sie sich als die einzig gültige Religion auf der Welt betrachten. Sie nehmen die Bibel ziemlich wörtlich, operieren allerdings häufig mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und quer durch die Jahrhunderte gehenden Bezugnahmen von Bibeltexten. Der Schöpfungsbericht in der Bibel wird für echt gehalten, daher ist für einen Zeugen die Erde etwa 7000 Jahre alt und die Evolutionstheorie von Darwin ist falsch, weil alles von Gott persönlich erschaffen wurde.

Es gibt auch eine speziell von und für Zeugen Jehovas übersetzte Bibelausgabe, die sich in manchen Einzelheiten von anderen unterscheidet. Als erstes gingen sie daran, den Namen Jehova wieder einzuführen und zwar 6973 mal im Alten und 237 mal im Neuen Testament, ungeachtet, ob in den alten Fassungen Jahwe, oder “der Herr”, oder “Gott” stand, was manchmal zu Sinnänderungen führt, weil zum Beispiel im Neuen Testament - in dem der Name Gottes kein einziges Mal erwähnt wird - auch Jesus als “der Herr” bezeichnet wird, was dann fälschlicherweise als Jehova übersetzt wurde.

Einer der wichtigsten Unterschiede in der Übersetzung der Zeugen Jehovas ist die Stellung eines Doppelpunktes im Lukas-Evangelium:

Lukas 23,33 Sie kamen zur Schädelhöhle; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den anderen links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen,wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst. Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns. Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Dieser letzte Satz lautet in der “Neuen-Welt-Bibel”, der Übersetzung der Zeugen Jehovas:
Lukas 23,43 NW Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.

Man bemerkt, daß sich die Stellung des Doppelpunktes um ein Wort verschoben hat, was einen grundsätzlichen Bedeutungswandel ergibt.

Ich sage dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.

Bei der ersten katholisch-evangelischen Version kommt man gleich nach dem Tod ins Paradies, in die Hölle oder ins Fegefeuer. Bei der Version der Zeugen geschieht dies irgendwann, aber nicht gleich nach dem Tod, was erhebliche Auswirkung hat, wie später noch gezeigt wird.

Im griechischen Original heißt es “... soi lego, semeron” - auch Menschen, die des Griechischen nicht mächtig sind, können feststellen, daß hier ein Komma steht und kein Doppelpunkt. Und wie einem der Kellner beim Griechen um die Ecke bestätigen kann, heißt das auf deutsch: “.. ich sage dir, heute...” und nicht “... ich sage dir heute, ...”

Ziemlich freie Übersetzungen, die der Bibelauslegung der Zeugen entgegenkommen finden sich häufig. In 1 Johannes 4,1 kann man in der Neuen-Welt-Bibel lesen: Geliebte, glaubt nicht jeder inspirierten Äußerung, sondern prüft die inspirierten Äußerungen, um zu sehen, ob sie von Gott stammen.

An der gleichen Stelle im griechischen Text steht “pneuma tou theou”, was “Geist Gottes” bedeutet, keinesfalls “inspirierte Äußerung”. Diese seltsame Übersetzung von Gottes Geist kommt vierzehn mal in der Bibel vor, auch an reichlich unpassenden Stellen, wie der Johannes Offenbarung 16,13: Und ich sah drei unreine inspirierte Äußerungen, die aussahen wie Frösche ...

Wer genau diese stilistische Meisterleistung vollbracht hat, ist nicht in Erfahrung zu bringen, da die Wachtturmgesellschaft sich weigert, die Namen der Übersetzer preiszugeben, es wird nur von einem anonymen “New World Bible Translation Committee” geschrieben.

Da einzelne Sätze aus der Bibel manchmal sehr waghalsig in die heutige Zeit umgesetzt werden, müssen die Zeugen offiziell ihre erkrankten Kinder oder Verwandten lieber sterben lassen, als eine Bluttransfusion zu genehmigen, weil in der Bibel steht: Deuteronomium 12,16 Das Blut aber sollt ihr nicht genießen, sondern wie Wasser auf die Erde schütten.

Die Warnung vor dem Verzehr von Blut oder bluthaltigem Fleisch kommt noch an ein paar anderen Bibelstellen vor, allerdings ist auch da immer von Essen die Rede, nie von Transfusionen. Wieso die Zeugen Jehovas völlig ungerührt ein Butterbrot verzehren, ist nicht ganz nachzuvollziehen, da in der Bibel auch steht: Levitikus 3,17 Das ganze Fett gehört dem Herrn. Als feste Regel gelte bei euch von Generation zu Generation an allen euren Wohnstätten: Ihr dürft weder Fett noch Blut genießen.

Auch ein Filetsteak ‘Medium’ ist den Zeugen nicht verboten, obwohl dies einwandfrei ein Verzehr von bluthaltigem Fleisch im biblischen Sinn ist.

 

Sie feiern weder Geburtstage, noch kennen sie den weihnachtlichen Geschenkzwang oder sonstige Feiertage, sondern nur eine Art letztes Abendmahl, daß sie am 14. Nisan, dem Todestag Jesu nach jüdischer Rechnung (März/April) begehen. Dabei versammeln sich alle im Königreichsaal und reichen Blut und Leib Jesu in Form von Wein und Brot von Hand zu Hand. Davon kosten dürfen allerdings nur die sogenannten “Gesalbten” unter ihnen, in den meisten Gemeinden also überhaupt niemand. Die normalen Zeugen sind damit zufrieden, sich darüber zu freuen, daß die Gesalbten - im Jahr 1992 waren dies 8683 Personen - den Wein austrinken.

Der erste Zeuge Jehovas war angeblich Abel (der von seinem Bruder Kain ermordet wurde), weil in der Bibel steht: Hebräer 11,4 NW Durch Glauben brachte Abel Gott ein wertvolleres Opfer dar als Kain, durch welchen Glauben er das Zeugnis erlangte, daß er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab hinsichtlich seiner Gaben.

Der größte Zeuge Jehovas ist Jesus Christus, wird behauptet, berühmtester Zeuge der Neuzeit war wohl Michael Jackson, der allerdings öfter Schwierigkeiten mit der Gemeinde bekam, weil seine Bühnenshow dann doch ziemlich unbiblisch ist, vor allem wenn er sich in den Schritt greift. Als ihm von den Ältesten verboten wurde, mit seiner Schwester La Toya zu reden, sagte sich Michael Jackson von den Zeugen Jehovas los.

Was die Zeugen Jehovas über andere christlichen Religionen erhebt, ist, daß bei ihnen das Paradies auf Erden immer in Griffweite ist. Sie haben aus der Bibel Formeln erkannt, mit denen man das Endgericht Gottes zeitlich ziemlich genau bestimmen kann und dieses Ereignis liegt zeitlich grundsätzlich so, daß es die gerade aktuelle Generation noch erleben kann. Der erste dieser Weltuntergänge sollte im Herbst 1874 stattfinden, der zweite 1878, der nächste geplante im Oktober 1914 wurde auf 1918 verschoben, dann einer im Jahre 1925 sowie einer 1975. Nachdem jedoch peinlicherweise alle nicht stattgefunden haben, wollte man sich auf den nächsten zeitlich nicht mehr so genau festlegen, es hieß nur noch: Die Generation die 1914 geboren ist, wird ihn noch erleben. Mit einem Zeugen Jehovas über all diese nicht stattgefundenen Weltuntergänge zu diskutieren ist jedoch völlig sinnlos, er wird in etwa antworten: “Das ist ja das wunderbare an unserer Gesellschaft, daß sie vergangene Fehler zugibt und immer neu lernt. Irrtümer zuzugeben ist keine Schande, dies bedeutet doch nur, daß man inzwischen mehr gelernt hat.” Selbstverständlich kommen Irrtümer nur in der Vergangenheit vor, an dem gerade aktuellen Weltuntergang wird nicht gezweifelt.

Da die Generation von 1914 allmählich ausstirbt, ohne daß das Ende der Welt in Sicht ist, ist man Ende 1995 dazu übergegangen, diese Theorie stillschweigend fallen zu lassen. Ein neues Datum für die Endzeitkatastrophe ist noch nicht festgelegt.

Warum das Ende der Welt im Jahr 1975 kommen sollte, wurde so erklärt: Ein Schöpfungstag Gottes, das waren nicht 24 Stunden, sondern 7000 Jahre, also dauert auch der letzte Tag, der Ruhetag Gottes 7000 Jahre. Diese 7000 Jahre der Ruhe begannen nach der Erschöpfung Adam und Evas, die laut Wachtturmgesellschaft im Jahre 4026 v. Chr. stattfand, also endet die Ruheperiode Gottes im Jahr 2975. Da die letzten 1000 Jahre der Ruhezeit jedoch der Königreichsherrschaft Jesu Christi vorbehalten sind, muß diese im Jahr 1975 beginnen. So einfach war das damals. Nachdem aber in dieser alten Rechenmethode irgendwo ein Fehler stecken mußte, hat man sich für den nächsten Weltuntergang eine neue ausgedacht, die aber wesentlich schwerer zu begreifen ist. In etwa funktioniert sie so:

In Daniel 9,25 steht: Von der Verkündigung des Wortes über die Rückführung des Volkes und den Wiederaufbau Jerusalems bis zur Ankunft eines Gesalbten, eines Fürsten, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen lang baut man die Stadt wieder auf mit ihren Plätzen und Gräben.

Das macht zusammen 69 Wochen, die man aber als sogenannte “Jahrwochen” verstehen muß, bei denen man 69 mal 7 rechnen muß, was 483 Jahre ergibt. Der Auftrag, Jerusalem wieder aufzubauen, erging nach Zeitrechnung der Zeugen im Jahr 455 v.Chr., die 483 Jahre dazugerechnet macht 29 n.Chr. und in diesem Jahr ließ sich Jesus von Johannes taufen.

Da diese Prophezeiung Daniels also zeitlich gestimmt hat, benützt man eine weitere von ihm. Es ist aber nicht direkt eine Prophezeiung, sondern vielmehr ein Traum des Königs Nebukadnezar, dem dieser dem Daniel erzählt:
Daniel 4,7 Da stand ein Baum mitten auf der Erde; er war sehr hoch. Der Baum wuchs zusehends und wurde immer mächtiger; seine Höhe reichte bis an den Himmel; er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen. 4,10 Während ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah, stieg ein Wächter, ein Heiliger vom Himmel herab. Er befahl mit mächtiger Stimme: Fällt den Baum und schlagt seine Äste ab! Streift sein Laubwerk ab, und zerstreut seine Früchte! Die Tiere sollen aus seinem Schatten fliehen und die Vögel aus seinen Zweigen. Aber laßt ihm den Wurzelstock in der Erde, im Gras des Feldes, mit einer Fessel aus Eisen und Bronze. Der Tau des Himmels soll ihn benetzen, und mit den Tieren soll er teilhaben am Gras der Erde. Sein Herz sei nicht mehr ein Menschenherz; ein Tierherz soll ihm gegeben werden, und sieben Zeiten sollen über ihn hingehen.

Der gefällte Baum symbolisiert Juda, das Königreich Gottes auf Erden, sagen die Zeugen Jehovas und im Jahre 607 v.Chr. wurde dieses von Nebukadnezar vernichtet, also praktisch wie ein Baum “gefällt”. Das historisch erwiesene Datum für diesen Zeitpunkt wäre zwar 587 v. Chr., aber das scheint die Zeugen nicht zu stören. Ab diesem Zeitpunkt begannen die “bestimmten Zeiten der Nationen”, während denen Gott keine Regierung auf der Erde hatte und diese “bestimmten Zeiten” dauern die bei Daniel erwähnten “sieben Zeiten” lang. Mit Hilfe einer Regel aus dem Bibelbuch Offenbarung (das allerdings mehrere Jahrhunderte später geschrieben wurde, Daniel dürfte es schwerlich gekannt haben) kann man die Länge dieser “sieben Zeiten” berechnen:
Offenbarung 12,6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen; zwölfhundertsechzig Tage lang. 12,14 Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in der Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt.

Daraus folgt, daß dreieinhalb Zeiten gleich 1260 Tagen sind, sieben Zeiten wären demnach 2520 Tage. Diese 2520 Tage muß man jetzt nach der biblischen Regel “ein Tag ist gleich ein Jahr” behandeln, also ergeben sich 2520 Jahre und von 607 v.Chr. ab gerechnet kommt man auf 1914 unserer Zeit.

Die biblische Regel “ein Tag für ein Jahr” kommt aus dem Buch Numeri 14,34. Gott spricht hier zu Moses: So viele Tage, wie ihr gebraucht habt, um das Land zu erkunden, nämlich vierzig Tage, so viele Jahre lang - für jeden Tag ein Jahr - müßt ihr die Folgen eurer Schuld tragen, also vierzig Jahre lang.
Daß dies eine allgemeingültige Rechenregel für biblische Zeitangaben wäre, davon spricht Gott allerdings nicht.
Rechenoperation mit den biblischen Faktoren 1290 (Daniel 12,11), 1335 (Daniel 12,12) oder der Formel ‘tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist’ (Psalm 90,4) wurden noch nicht verwendet, vielleicht kommt das noch.

Dies alles ist der Beweis, daß im Jahr 1914 die “bestimmten Zeiten der Nationen” zu Ende gingen, daß also Jesus Christus begann, als König der himmlischen Regierung Gottes zu herrschen. Diese Tatsache ist allerdings nur daran zu erkennen, daß Jesus damals Satan aus dem Himmel entfernte und auf die Erde warf. Und die Taten Satans auf unserem Planeten sind genau zu beobachten:

2 Timotheus 3,1 In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt. 3,7 Frauen, die immer lernen, und die doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können.

Matthäus 24,7 Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere, und an vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Lukas 21,11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben. Matthäus 24,12 Und weil die Mißachtung von Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten.

Da dies alles seit 1914 der Fall ist, sind sich die Zeugen Jehovas sicher, daß die Herrschaft Jesu im Himmel damals begonnen hat.

Ein weiterer Beweis ist auch, daß Jesus gesagt hat: Matthäus 24,34 Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft und damit - so die Zeugen Jehovas - die Generation von 1914 gemeint hat, nicht seine eigene.

Für die Zeugen steht also fest, daß in Kürze der Beginn des Harmagedons (genau beschrieben im Kapitel ‘Himmel und Hölle’) ausbricht, an dessen Ende eine paradiesische Erde steht, die von Jesus und den 144.000 Gesalbten regiert wird. Im Unterschied zur Bibel, nach der diese 144.000 ausschließlich aus jungfräulich gebliebenen jüdischen Männern bestehen (...denn diese sind es, die sich nicht mit Weibern befleckt haben.), dürfen bei den Zeugen Jehovas auch Frauen oder verheiratete Männer nichtjüdischen Glaubens dabeisein. Es versteht sich, daß sie allesamt zu den Zeugen Jehovas gehören. Wer diese Menschen sind, wird nicht etwa später von Gott oder Jesus entschieden, sondern schon jetzt von der Zentrale der Zeugen Jehovas. Da zu den 144.000 schon viele biblische Persönlichkeiten gehören - zum Beispiel die zwölf Apostel - als auch Menschen der nachbiblischen Zeit - Martin Luther etwa - , waren leider nicht mehr viele Plätze im Himmel frei, so daß die “Gesalbten” unserer Neuzeit, die nach dem Harmagedon mit Jesus im Himmel über die Erde regieren, hauptsächlich amerikanische Männer waren, von denen viele der leitenden Körperschaft der Zeugen in New York angehörten.

Heilige Personen aus dem Alten Testament - Moses, Abel, König David, Hiob oder dergleichen - gehören nicht zu den 144.000 Gesalbten, denn laut Wachtturmgesellschaft haben alle Menschen, die vor Jesus gelebt haben, keine Chance, in den Himmel zu kommen.

Offiziell ist die “Sammlung der Gesalbten” seit 1935 endgültig abgeschlossen, ein Mensch, der sich heute zu den Zeugen bekehrt, hat also keinerlei Chance, noch in den Himmel zu kommen.
Darüber sind die normalen Zeugen Jehovas allerdings nicht traurig, sondern ergeben sich demütig in ihr Schicksal und bezeichnen sich selber als “Andere Schafe”.

Ein Problem ergab sich dadurch, daß wenn zum Beispiel Apostel Markus und weitere hochstehende Personen der Bibel wieder auferweckt würden, diese eine standesgemäße Wohnung bräuchten. Deshalb kaufte die Wachtturmgesellschaft im Jahr 1925 in San Diego/Kalifornien ein großes Grundstück und ließ das darauf befindliche Haus standesgemäß umbauen. “Beth Sarim” wurde der Prunkbau genannt - Haus der Fürsten. Der Präsident und leitende Funktionäre der Gesellschaft beschlossen schlauerweise, den Bau bis zum Eintreffen Martin Luthers und seiner illustren Kollegen als Urlaubsquartier zu nützen. 1948 wurde das Haus wieder verkauft, die Apostel werden sich nun bei ihrem Eintreffen selber um ihre Unterkunft sorgen müssen.

Bei aller Bibeltreue scheinen die Zeugen Jehovas jedoch zu ignorieren, daß schon vor zweitausend Jahren gesagt wurde:

1 Petrus 4,7 Das Ende aller Dinge ist nahe.

1 Johannes 2,18 Meine Kinder, es ist die letzte Stunde. Ihr habt gehört, daß der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, daß es die letzte Stunde ist.

Offenbarung 1,3 Selig, wer diese prophetischen Worte vorliest und wer sie hört und wer sich an das hält, was geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

Was die Zeugen bei all ihren biblischen Rechenkünsten verdrängen, ist eine Feststellung Jesu, die er in Markus 13,31 trifft: Himmel und Erde werden vergehen..., doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Dieser Ausspruch ist gleichzeitig ein gutes Gegenargument gegen die katholische Dreieinigkeitstheorie: Wenn Vater und Sohn eins wären, so müßten sie beide eigentlich auch das Gleiche wissen.

Zu Jesus muß noch gesagt werden, daß dieser bei den Zeugen Jehovas eine Doppelfunktion hat, vor seiner irdischen Geburt war er schon im Himmel tätig, und zwar unter dem Namen Michael. Im Buch “Einsichten über die Heilige Schrift” aus dem Jahr 1992 wird auf Seite 351 geschrieben:

Während seiner vormenschlichen Existenz wurde Jesus ‘das Lamm’ genannt. Außerdem trug er den Eigennamen Michael. Daß Jesus seinen himmlischen Namen Michael und seinen Titel ‘Das Wort Gottes’ wieder annahm, bringt ihn mit seiner vormenschlichen Existenz in Verbindung. Gerade der Name Michael, der “Wer ist wie Gott?” bedeutet, weist auf die Tatsache hin, daß niemand Jehova Gott gleichkommt oder ihm ebenbürtig ist und Michael, sein Erzengel, sein großer Verfechter oder Rechtfertiger ist.

Deshalb haben Zeugen Jehovas auch keinerlei Problem mit der Bibelstelle, in der Gott bei der Erschöpfung der Welt spricht: Laßt uns Menschen machen. Für sie waren da eindeutig Jehova und Jesus (also Erzengel Michael) am Werk, daher zu Recht die Pluralform.

Wenn man jetzt die Theorie, Jesus wäre der Erzengel Michael gewesen, mit der Theorie der Mormonen, Adam war eine Inkarnation des Erzengel Michaels kombiniert, dann erkennt man bei genauem Nachdenken, daß Jesus - mit Hilfe Gottes, von dem er allerdings aus katholischer/evangelischer Sicht auch ein Drittel ist - sich selbst erschaffen hat. Allerdings bedürfte es dann einer neuen Erklärung für Jungfrau Maria. Vielleicht hat sie nicht mit dem “Holy Ghost” sondern mit “Holy Spirit”...

Man sieht, Religion ist nicht einfach. Mehrere schon garnicht.

 

So wie die Katholiken ihren Papst und den Vatikan haben, haben die Zeugen Jehoves ihre leitende Körperschaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sie nennt sich: “Der treue und verständige Sklave”, und trifft alle Entscheidungen unter der Leitung des Heiligen Geistes. Behauptet sie jedenfalls. Der Heilige Geist scheint ein vielbeschäftigtes Wesen zu sein. Wie man im Kapitel “Sekte oder nicht?” nachlesen kann, inspiriert er unheimlich viele Leute, die allein gültige Religion zu erfinden. Sämtliche Religionen unterscheiden sich aber nicht unerheblich voneinander, man kann sich daher fragen, ob der Heilige Geist allen das Gleiche erzählt.

 

Gegründet wurden die Zeugen Jehovas im Jahre 1870 von Charles T. Russel im amerikanischen Bundesstatt Pennsylvania. Anfangs nannte sich der kleine Glaubenskreis noch “Bibelforscher”, und begann mit der Herausgabe kleiner Schriften, die ab 1879 “Zions Watch Tower and Herald of Christ’s Presence” hießen. Herausgeber und Chefredakteur war C.T. Russel. Die Auflage steigerte sich von anfangs 6000 über 50.000 im Jahr 1914 bis zur heutigen Millionenhöhe. Russel selber schrieb ungefähr 37 Jahre lang Artikel und Bücher, bis er im Jahre 1916 starb. Sein Nachfolger J.F Rutherford, führte die Glaubensgemeinschaft, die ihren Sitz inzwischen nach New York verlegt hatte, die Erfolgstreppe weiter aufwärts und wurde nach seinem Tod 1942 von Nathan Knorr abgelöst, ab 1977 regierte Frederick Franz die Glaubensgemeinschaft bis 1992, der jetzige Chef heißt Milton G. Henschel.

Der Missionsdienst der Zeugen Jehovas ist die Pflicht jedes Gemeindemitgliedes, da Paulus gesagt hat: Apostelgeschichte 20,20 Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern. Statt “und in den Häusern” steht in der Übersetzung der Zeugen zum Glück “von Haus zu Haus”, was ihre Legitimation ist, vertreterartig an allen Wohnungen in ihrem Gebiet zu klingeln, um den Menschen die Botschaft vom nahenden Harmagedon zu bringen.

Die unermüdliche Verbreitung der unzähligen Schriftwerke durch die Mitglieder der Gemeinden brachte viel Geld in die Kasse. Dies ermöglichte den Aufbau eines weltumspannenden Netzes von Druckereien, das die Herstellungskosten der einzelnen Schriften auf ein Minimum senkte, da fast alle dort arbeitenden Menschen Zeugen Jehovas sind, die ihren Dienst gratis oder für einen Minimallohn verrichten. Wohin die enormen Gewinne, die mit den Verkäufen von Wachtturm, Erwachet und diversen Büchern erzielt werden, fließen, ist nicht ganz klar, da die amerikanische Wachtturmgesellschaft ihre Bilanzen nicht offenlegen muß. Die meisten nationalen Unterabteilungen müssen dies auch nicht tun, da sie als “Eingetragener Verein” firmieren. Als gemeinnützig eingestuft, müssen sie auch keine Steuern bezahlen. Dieses Finanzgebahren wird den Zeugen Jehovas oft übel angerechnet, allerdings verhält es sich bei den etablierten Großkirchen auch nicht anders, der Vatikan veröffentlicht auch keine Bilanz, der Gemeindepfarrer hütet sich streng, das Ergebnis der Sonntagskollekte öffentlich bekannt zu geben. Die Kirchen erheben sogar Zwangssteuern und lassen diese vom Staat eintreiben. Jedoch finanzieren Evangelen oder Katholiken mitunter karitative Einrichtungen oder schicken Geld in Notstandsgebiete, was die Zeugen Jehovas grundsätzlich nicht tun. Sie zeigen keinerlei soziales Engagement, sie bauen fast ausschließlich Druckereien und investieren in moderne Computersysteme, um ihre Publikationen in möglichst vielen Sprachen drucken zu können. Was mit eventuellen Überschüssen passiert, ist nicht bekannt.

 

Das Schönste an den Publikationen der Wachtturmgesellschaft sind wohl die Bilder, mit denen sie ihre Publikationen verzieren. In keiner anderen Glaubensgemeinschaft ist Jesus so schön. Gepflegt, frisch rasiert, ordentlich geschnittenes und scheinbar geföhntes Haar sowie perfekt manikürte Hände, sieht er bei den Zeugen Jehovas aus wie Barry Gibb von den Bee Gees in seinen besten Zeiten und würde bestens in jeden modernen Hollywood-Film passen. Eindrucksvoll sind auch die Gemälde vom Leben im Paradies auf Erden - die gut gefüllten Schaufenster eines Delikatessenladens sind nichts dagegen - furchterregend die bildliche Umsetzung eines den Zorn Gottes aus einer Schale auf sich in den Boden kauernde Menschen ausgießenden Engels. Die besten Zeichnungen finden sich im Buch “Die Offenbarung - ihr großartiger Höhepunkt ist nahe”, das man sich alleine schon deswegen besorgen sollte. Man muß es ja nicht bezahlen, wenn man nicht will, der kleine Prediger an der Hausmauer hat den Kaufpreis bereits an die Gesellschaft gespendet. Unvergleichlich das Bild der “Hure Babylon”, die auf einem siebenköpfigen Tiger reitet

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel
Kreative Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen

Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder
Über einen eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger

Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham
Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser

Kapitel 4 - Moses
Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise

Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden
Die Verführungskünste des König David und seiner Söhne

Kapitel 6 - Weisheiten
Wo Rockbands ihre Texte klauen

Kapitel 7 - Raumfahrer
Berichte über Hubschrauber, Raumstationen und seltsame Wesen

Kapitel 8 - Jesus
Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm Leben ein

Kapitel 9 - Weiber
Biblische Sprüche über Frauen

Kapitel 10 - Wunder über Wunder
Wasser oder Wein?

Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige
1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann

Kapitel 12 - Himmel und Hölle
Ein Katastrophenbericht über den Untergang der Welt

Kapitel 13 - Katholen und Evangelen
Traubensaft statt Blut Christi

Kapitel 14 - Moroni
Barfuß in einem amerikanischen Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823

Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe
Die Zeugen Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes

Kapitel 16 - Lorbe(e)ren
Der Heilige Geist in Österreich