MEIN GOTT
Ein Bibelkurs

Kapitel 14

 

       
 
 
 
 
 
 
 

Moroni

Engel gab es nicht nur vor vielen Tausend Jahren, auch in der Neuzeit wandelten diese auf unserer Erde umher. Der letzte bekannte Kontakt eines Menschen mit einem dieser Wesen fand im Jahre 1823 n. Chr. statt. Am Abend des 21. September dieses Jahres begab sich ein Engel des Herrn barfuß in einem weißen Gewand nach Nordamerika in die Kleinstadt Palmyra im Staat New York und erschien dort Joseph Smith, dem zweiundzwanzigjährigen Sohn einer schottischen Einwandererfamilie in dessen Schlafzimmer. Dieser berichtet:

Während ich so im Gebet zu Gott begriffen war, gewahrte ich, daß ein Licht in meinem Zimmer erschien, das zunahm, bis der Raum heller war als am Mittag, worauf alsbald ein Engel neben meinem Bett erschien, in der Luft stehend, denn seine Füße berührten den Boden nicht. Er war mit einem losen Gewand von außerordentlicher Weiße bekleidet. Es war weißer als irgend etwas was ich je gesehen ... Nicht nur war sein Kleid außerordentlich weiß, sondern seine ganze Erscheinung war von unbeschreiblicher Herrlichkeit und sein Antlitz leuchtete wie Blitze ... Seine Hände waren bloß, auch seine Füße waren unbekleidet.

Das Wesen stellt sich als Bote Gottes vor, sein Name sei Moroni. Es überbringt Joseph Smith die Botschaft, Gott habe ihn dazu auserkoren, ein besonderes Werk zu vollbringen. Moroni erzählt davon, daß ein auf goldenen Platten geschriebenes Buch existiere, das einen Bericht von den Ureinwanderern Amerikas enthalte. Dieser Bericht sei ein Evangelium, das Gott diesen alten Amerikanern verkündet habe. Allerdings dürfe Joseph Smith diese Platten jetzt noch nicht sehen. Nach dieser Mitteilung verschwindet Moroni auf so seltsame Art, wie er auch gekommen war:

Nach diesen Mitteilungen sah ich, wie sich das Licht im Zimmer um ihn, der zu mir gesprochen, zusammenzuziehen begann, und dies hielt an, bis der Raum wieder dunkel war, außer um ihn herum. Dann konnte ich plötzlich wie durch einen Lichtschacht in den Himmel sehen, und der Besucher stieg empor, bis er gänzlich verschwand und das Zimmer wieder so dunkel war wie vor der Erscheinung des himmlischen Lichtes.

Joseph Smith - der sich im Alter von 15 Jahren den Spitznamen “Peepstone Joe” eingehandelt hatte, weil er ständig versuchte, mittels eines Kristalles in der Erde verborgene Schätze zu entdecken - liegt verwundert in seinem Bett, als kurz darauf Moroni wieder zurückkehrt und die gleiche Botschaft Wort für Wort noch einmal wiederholt. Er erweitert seine Ansprache aber noch mit Drohungen von Kriegen, Krankheiten und Hungersnöten, die über die Menschheit kommen würden, bevor er sich wieder in den Himmel zurückzieht. Aber dort bleibt er nicht lange, sondern erscheint noch ein drittesmal, um wieder das Selbe zu erzählen.

Derart um seine Nachtruhe gebracht, schafft Joseph Smith am nächsten Tag die schwere Arbeit auf dem Feld nicht und geht vorzeitig nach Hause, fällt aber bei dem Versuch, einen Zaun zu übersteigen, geschwächt auf den Boden und wird ohnmächtig.

Als er wieder zu Bewußtsein kommt, steht Moroni neben ihm und erzählt ihm die ganze Angelegenheit zum vierten Mal. Gestärkt macht sich Joseph Smith auf den Weg zu einem Hügel in der Nähe des Dorfes Manchester in der Grafschaft Ontario und findet dort eine Steinkiste mit den goldenen Platten. Moroni verbietet ihm aber, die Platten an sich zu nehmen, die Zeit dafür sei erst in vier Jahren gekommen. Am 22. September 1827 war es dann soweit, Smith erhält die Platten, um sie zu übersetzen. Natürlich beherrscht er kein Wort ägyptisch - in einer Abart dieser Sprache waren die Berichte angeblich verfaßt - , daher kommt es sehr gelegen, daß sich bei den Platten auch zwei sogenannte “Übersetzersteine”, genannt Urim und Thummim befinden, mit deren Hilfe er die Übersetzung in knapp zwei Jahren schafft. In der Praxis sah diese Übersetzungsarbeit dem Bericht eines Augenzeugen zufolge so aus: Smith legte die Prophetenbrille in einen Hut und zog sich diesen vor das Gesicht, um das Tageslicht abzuschirmen. In dem sogleich aufstrahlendem himmlischen Licht sah er die Zeichen auf den Goldplatten mit der jeweiligen englischen Bedeutung darunter, die er dem hinter einem Vorhang sitzendem Oliver Cowdery diktierte.

Nach getaner Arbeit erscheint der Engel Moroni wieder und verlangt die Platten zurück, so daß Joseph Smith außer den Aussagen von elf Männern, denen er sie gezeigt hatte, leider keinen Beweis für die Wahrheit seiner Angaben mehr hat. Das Buch Mormon, wie die übersetzte Schriftensammlung genannt wurde, besteht aus fünfzehn Einzelwerken.

Das erste Buch Nephi handelt etwa im Jahr 600 v.Chr und erzählt von der Familie des Lehi, die in Jerusalem wohnt. Lehi, dem Vater von Nephi, wird von Gott ein Buch übergeben, das viel Schreckliches über die Schandtaten und das Schicksal Jerusalems enthält und er wird daraufhin Prophet, um das Volk zu warnen. Die Juden werden zornig und wollen ihn umbringen, er verläßt daher mit seiner Familie Jerusalem und zieht in die Wildnis. Nephis Brüder sind gegen diese Entscheidung, weil sie ihren Vater für einen Träumer halten. Nephi dagegen spricht mit Gott, der ihm die Vision seines Vaters bestätigt, und es gelingt ihm, wenigstens seinen Bruder Sam von der Richtigkeit der Sache zu überzeugen. Zum Dank verspricht Gott, ihn in ein Land der Verheißung zu führen.

Nephi wird von einem Engel auf einen hohen Berg entrückt und hat dort eine prophetische Vision. Er sieht Maria in Nazareth mit dem kleinen Jesus auf dem Arm, sieht den gealterten Jesus umherziehen und Leute bekehren, wird Zeuge seiner Taufe, sieht die zwölf Apostel, wird Zeuge der Kreuzigung. Der Engel führt ihm die Exzesse einer Großkirche vor, mit der wohl die Katholiken gemeint sind.

1 Nephi 13, 1-6 Der Engel redete zu mir und sprach: Siehe! Und ich sah und erblickte viele Völker und Königreiche. Und der Engel sagte zu mir: Was siehst du? Und ich sagte: Ich sehe viele Völker und Königreiche. Und er sagte zu mir: Dies sind die nichtjüdischen Völker und Königreiche. Und unter den nichtjüdischen Völkern sah ich die Gründung einer großen Kirche. Und der Engel sagte zu mir: Siehe die Gründung einer Kirche, der abscheulichsten aller Kirchen, die die Heiligen Gottes tötet, ja, die sie martert und bindet und mit einem eisernen Joch knechtet und sie in Gefangenschaft bringt. Und ich sah diese große und abscheuliche Kirche, und ich sah, daß der Teufel ihre Grundlage war.

Nephi sieht ein großes Meer und einen Mann auf der anderen Seite des Meeres, über den der Geist Gottes kommt - eine Anspielung auf Joseph Smith, den Übersetzer. Viele Nichtjuden machen sich auf den Weg in das neue Land, mit dem wohl Amerika gemeint ist. Die Bewohner des neuen Landes - aber nur die Weißen, nicht die Indianer oder die Neger - bekommen Gottes Segen. 1 Nephi 13,15 Ich sah auch, daß der Geist des Herrn auf den Nichtjuden ruhte, und es erging ihnen wohl, und sie erlangten das Land als ihr Erbteil; sie waren weiß und außerordentlich schön.

Der Engel schimpft noch eine ganze Weile auf die Kirche, weil sie viele Teile der Bibel entfernt hat, um die Menschheit zu täuschen und prophezeit deren Vernichtung.

Nach dieser Vision ziehen Nephi und seine Familie weiter, die Richtung wird ihnen dabei von einem Kompass angezeigt, den sie vor ihrem Zelt finden: 1 Nephi 16,10 Als mein Vater des Morgens aufstand und vor die Tür des Zeltes ging, sah er zu seiner großen Verwunderung auf der Erde eine seltsam gefertigte Kugel aus feinem Messing. In der Kugel waren zwei Spindeln; und die eine zeigte uns den Weg, den wir in der Wildnis einschlagen sollten.

Als sie das Meer erreichen, zeigt Gott Nephi wie man ein Schiff baut. 1 Nephi 18,1 Und der Herr zeigte mir von Zeit zu Zeit, wie ich das Holz für das Schiff bearbeiten sollte. Nun fertigte ich, Nephi, das Holz nicht so, wie man es unter Menschen lehrt, auch baute ich das Schiff nicht nach Menschenweise, sondern ich baute es nach der Weise, die der Herr mir gezeigt hatte; daher war es nicht nach Menschenweise gebaut.

Mit diesem Schiff nehmen sie die Überfahrt in das verheißene Land vor. Unterwegs vergessen einige Mitreisende den Ernst der Sache und beginnen zu tanzen und lustig zu sein. Als Nephi Einspruch erhebt, fesseln sie ihn, woraufhin ein Sturm anhebt, der solange dauert, bis Nephi wieder freigelassen wird. Schließlich erreicht die Gesellschaft Amerika. Dort gibt es reichlich zu essen, sowie diverse Bodenschätze, und Nephi graviert seinen Bericht auf Metallplatten.

Ein ähnlicher Reisebericht findet sich im Buch Ether. Er spielt zur Zeit des Turmbaus zu Babel. Gott hat Mitleid mit einem Herrn namens Jared und beschließt, ihn zusammen mit seiner Sippe in ein gelobtes Land zu führen. Als Wolkensäule verkleidet führt ihn Gott ans Meer. Dort baut Jared acht rundum geschlossene, fensterlose, wasserdichte Schiffe, nur mit kleinen verschließbaren Lüftungslöchern ausgestattet, eine Art U-Boot also. Damit die lange Überfahrt nicht im Dunkeln vor sich gehen muß, stattet Gott die Fahrzeuge mit einer Beleuchtung aus:

Ether 6,2 Nachdem der Herr die Steine leuchtend gemacht hatte, die der Bruder Jareds auf den Berg gebracht, kam der Bruder wieder vom Berge herunter und brachte die Steine in die bereitgestellten Fahrzeuge, und sehet, sie gaben den Fahrzeugen Licht. So ließ der Herr die Steine in der Dunkelheit leuchten, um Männern, Frauen und Kindern Licht zu spenden, damit sie nicht in Dunkelheit über die großen Wasser fahren würden.

Dreihundertvierundzwanzig Tage dauert die Überfahrt, von Stürmen und Wellen getrieben landen die Auswanderer schließlich an der Küste des verheißenen Landes. Dort bebauen sie das Land mit dem mitgebrachten Saatgut und vermehren sich. Die Nachkommen Jareds teilen sich in mehrere Stämme auf, die sich gegenseitig in bibelüblicher Weise verprügeln. Gott, der sich namentlich als Jesus Christus vorstellt, erwählt einen dieser Stämme zu seinem Lieblingsvolk und steht ihm bei. Ähnlich den Juden im Alten Testament dankt dieses Volk Gott damit, daß es in Völlerei und Hurerei verfällt. Gott rächt sich nicht nur mit Pest und Hungersnöten, er denkt sich auch etwas Neues aus: Ether 14,1 Nun kam wegen der Sünden des Volkes ein schwerer Fluch ins Land, so daß ein Mann, wenn er sein Werkzeug oder sein Schwert aus den Händen legte, auf sein Gestell oder an den Platz, an dem er es aufbewahrte, es am andern Tag nicht finden konnte, so groß war der Fluch auf dem Lande.

Gott zieht sich entnervt zurück und überläßt die verschiedenen Stämme, die sich weiter gegenseitig abmetzeln, ihrem Schicksal.

Im Buch Jakob schimpft dieser eine Zeitlang auf das Volk der Nephiten, das sich der Völlerei und Hurerei hingibt und erzählt dann ein längeres Gleichnis von einem Weinberg, dessen schlechte Teile hinweggefegt werden. Auch in diesem Buch kommt wieder Jesus vor: Jakob 1,8 Daher möchten wir bei Gott, daß wir alle Menschen dazu bewegen könnten, sich nicht wider Gott zu empören und seinen Zorn auf uns zu bringen, sondern wir möchten, daß alle Menschen an Christus glauben, und seines Todes gedenken, sein Kreuz auf sich nehmen, und die Schande der Welt tragen. 4,4 Denn wir haben diese Dinge geschrieben, damit sie wissen mögen, daß wir von Christus wußten. 4,6 ...und da wir alle diese Zeugnisse besitzen, hoffen wir, und unser Glaube wird unerschütterlich, daß wir wirklich im Namen Jesu Christi gebieten können, und selbst die Bäume gehorchen uns, oder die Berge, oder die Wogen des Meeres.

Man darf nicht vergessen, daß diese Berichte im 19. Jahrhundert von Joseph Smith lediglich übersetzt worden sind, die Originale wurden angeblich um 600 v.Chr. verfaßt, es ist schon verwunderlich, daß bereits damals so oft von Jesus geschrieben wurde.

Es folgen ein paar hundert Seiten, die von Kämpfen der Nephiten mit ihren Nachbarn berichten - Eroberungs- und Verteidigungskriegen, ähnlich denen, die in der Bibel auch beschrieben werden -, angereichert mit weiteren Prophezeiungen auf Jesus, sowie gelegentlichen Wundern, wie man sie auch in der Bibel findet: Helaman 5,23 Nephi und Lehi aber waren wie von einem Feuer umgeben, so daß die Lamaniten nicht wagten, Hand an sie zu legen, denn sie fürchteten, sie würden verbrennen. Nephi und Lehi jedoch wurden nicht verzehrt, und es war, als wenn sie mitten im Feuer stünden und doch nicht verbrannten.

Ähnlich wie Gott in der Bibel sich über seine Israeliten ärgert, sie manchmal vernichten will, ihnen aber dann doch wieder hilft, verfährt er hier mit seinem auserwählten amerikanischen Volk, den Nephiten. Dessen König Nephi erscheint er öfters persönlich und stattet ihn mit einer gewissen Macht aus: Helaman 10,6 Siehe, du bist Nephi, und ich bin Gott. Siehe, ich verkündige dir in der Gegenwart meiner Engel, daß du Macht über dieses Volk haben und die Erde mit Hungersnot, Pestilenz und Verderben schlagen sollst, je nach der Bosheit des Volkes.

Das dritte Buch Nephi behebt eines der größten Mankos der Bibel: Daß Gott und Jesus eigentlich nur für die Israeliten zuständig sind, keinesfalls für Europäer oder sogar Amerikaner.

Im Gegensatz zur Bibel, die ja streng nach Altem und Neuem Testament unterteilt wird, geht das Buch Mormon fließend von ca. 600 v.Chr. in die Neuzeit über. König Nephi - ein Nachkomme des gleichnamigen Auswanderers aus dem ersten Kapitel - lebte etwa zur Zeit Jesu. Währen dieser im weit entfernten Nahen Osten gekreuzigt wird, geschehen im Lande der Nephiten seltsame Dinge: 3 Nephi 8,5-22 Im vierunddreißigsten Jahr erhob sich ein großer Sturm, desgleichen man nie zuvor im Lande erlebt hatte. Es erhob sich auch ein großes und schreckliches Unwetter, und man hörte fürchterliches Donnern, das die ganze Erde erschütterte, als ob sie auseinander bersten wollte. Und die Stadt Zarahemia geriet in Brand. Und die Stadt Moroni versank in den Tiefen des Meeres, und ihre Bewohner ertranken. Und die Erde erhob sich über die Stadt Moronihah, so daß an Stelle der Stadt ein großer Berg entstand. Und im südlichen Lande fand eine große und schreckliche Zerstörung statt. Aber im nördlichen Land war die Verwüstung noch weit größer, denn sehet, die ganze Oberfläche des Landes wurde durch Sturm, Wirbelwind, Donner, Blitze und gewaltige Erdbeben verändert. Und viele große und bedeutende Städte versanken, viele verbrannten und viele wurden erschüttert, bis die Gebäude zusammenfielen; ihre Bewohner wurden erschlagen.

Anschließend kommt eine dreitägige Finsternis über das ganze Land. Jesus spricht zu den Überlebenden und erzählt, er habe mit dem Desaster alle Ungläubigen ausrotten wollen, weil sie ihm ein Greuel waren, nur die Rechtschaffenen habe er übrig gelassen. Im Gegensatz zur Bibel, in der sich Jesus stets als “Menschensohn” bezeichnet, wird er hier deutlicher:
3 Nephi 9,15-23 Sehet, ich bin Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich habe Himmel und Erde erschaffen und alle Dinge, die darinnen sind. Ich war beim Vater von Anfang an. Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir. Ich bin das Licht und das Leben der Welt. Ich bin Alpha und Omega, der Anfang und das Ende.

Der wiederauferstandene Jesus zeigt sich - völlig unbiblisch - nicht nur seinen Jüngern oder alten jüdischen Bekannten, sondern fliegt auch zum Lande der Nephiten und erscheint dort persönlich: 3 Nephi 11,8 Und als sie verstanden erhoben sie ihre Augen wieder gen Himmel; und sehet, sie sahen einen Mann vom Himmel herniedersteigen, der war mit einem weißen Kleide angetan. Er kam herab und stand mitten unter ihnen; und die Augen des ganzen Volkes waren auf ihn gerichtet, und sie wagten nicht, ihren Mund aufzutun und miteinander zu reden und verstanden nicht, was es bedeutete, denn sie dachten, daß ihnen ein Engel erscheine. Und er streckte seine Hand aus und sagte zum Volk: Sehet, ich bin Jesus Christus.

Jesus lädt das Volk ein, seine Wundmale zu berühren, nachdem sie das getan haben, fallen alle zu Boden und beten ihn an. Was der katholischen Kirche eigentlich recht gut gefallen müßte: Jesus persönlich sagt den Nephiten folgendes: 3 Nephi 11,36 ...denn der Vater und ich und der Heilige Geist sind eins.

Nachdem Jesus Nephi berechtigt hat, das Volk zu taufen, hält er noch eine zündende Ansprache an das Volk, die in der Hauptsache aus den besten Passagen der vier Bibelevangelien besteht, die er oft wortgetreu wiedergibt: 3 Nephi13,3 Wenn du aber Almosen gibst, dann laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut. 13,5 Und wenn du betest, sollst du nicht beten wie die Heuchler, denn sie stehen gern in den Synagogen und an den Straßenecken, wenn sie beten, um von den Leuten gesehen zu werden. Wenn du betest, so gehe in dein Kämmerlein.

Anschließend heilt Jesus noch alle Blinden, Stummen und Tauben, wiederholt mit den Nephiten das letzte Abendmahl, das er kurz vor seinem Tod schon einmal mit seinen Jüngern abgehalten hatte und verschwindet. 3 Nephi 18,38 Nachdem Jesus alle angerührt hatte, kam eine Wolke und überschattete das Volk, so daß sie Jesus nicht sehen konnten. Und während sie überschattet waren, verließ er sie und fuhr gen Himmel.

Die ca. zweitausendfünfhundert Zeugen dieses Ereignisses werden alle fromm und lassen sich von Nephi taufen, wobei ihm auch der Heilige Geist hilft, der auf alle kommt. Jesus kommt wieder zurück und lobt das Volk: 3 Nephi 20,35 Solch großen Glauben habe ich unter allen Juden nie gesehen.

Er wiederholt sein Wunder mit der Brot- und Weinvermehrung und befiehlt Nephi, die ganze Geschichte aufzuschreiben. Jesus erscheint noch ein drittesmal und erfüllt noch eine Reihe an ihn gerichteter Wünsche, bevor er sich endgültig verabschiedet.

Etwa zweihundert Jahre lang lebt das Volk der Nephiten in Frieden und Frömmigkeit, bevor Stolz, Habgier und Völlerei wieder um sich greifen. Es kommt zu Abspaltungen, es entstehen andere Religionen, die von den Nephiten nicht allzuviel halten und es gibt wieder die üblichen Kriege zwischen den Nephiten und ihren Nachbarn. Jesus erscheint dem fünfzehnjährigen Mormon, und dieser wird zum Befehlshaber seines Volkes. Nach diversen Gemetzeln kommt es zu einer Einigung und einem Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien, die Nephiten denken aber nicht daran, dem Laster abzuschwören und Buße zu tun, so daß Mormon resigniert und seine Führerposition niederlegt. Nach vielen Schlachten wird das Volk der Nephiten endgültig niedergemacht, nur vierundzwanzig Menschen überleben, darunter Mormon und sein Sohn Moroni, der die auf Platten gravierten Erlebnisse noch um einige Berichte und Ermahnungen ergänzt, bevor er sich verabschiedet: Moroni 10,34 Und nun sage ich euch allen Lebewohl. Ich gehe bald zur Ruhe ins Paradies Gottes ein, bis sich mein Geist mit meinem Körper wieder vereinigt, und ich siegreich hervorgebracht und durch die Luft getragen werde, um euch vor den angenehmen Schranken des großen Jehova, des ewigen Richters der Lebendigen und der Toten zu treffen. Amen.

Joseph Smith schuf auch eine neue Übersetzung der Bibel. Da er jedoch weder hebräisch, aramäisch noch griechisch beherrschte, war das Ziel seiner Übersetzung nicht, möglichst wortgetreu vorzugehen, sondern den Zustand der Bibel wiederherzustellen, in dem sie war, bevor sie von allerlei Bearbeitern ausgeschmückt oder entstellt worden war. Dies meinte er, mittels seiner “prophetischen Gabe” erreichen zu können.

Joseph Smith ging in seiner Bibeltreue soweit, einem Mann - wie in der Bibel durchaus üblich - mehrere Frauen zuzugestehen, er selber soll der Überlieferung nach an die vierzig Gemahlinnen gehabt haben. Diese Praxis wurde weiter ausgebaut, fand aber ein Ende, als den Mormonen im Jahr 1887 staatlicherseits die Mehrehe verboten wurde, da diese nicht mehr ins Amerika des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts paßte. Das wäre allerdings unnötig gewesen wenn Joseph Smith sein eigenes Buch Mormon genau gelesen hätte. Im Buch Jakob 2:23,24,27 erfährt man: Denn sehet, so spricht der Herr: Dieses Volk nimmt an Sünden zu; es versteht die Schrift nicht, denn es sucht seine Hurerei mit dem zu entschuldigen, was über David und Salomo, seinen Sohn, geschrieben steht. Sehet, David und Salomo hatten wirklich viele Frauen und Nebenfrauen, was mir ein Greuel war, spricht der Herr. So hört mich nun meine Brüder, und horcht auf das Wort des Herrn: Es soll kein Mann unter euch mehr als eine Frau haben; und Nebenfrauen soll er keine haben.

Die Anhängerschaft von Joseph Smith - die “Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage”, besser bekannt als Mormonen nimmt schnell zu und nach vergeblichen Versuchen, sich im gelobten Land niederzulassen - der amerikanische Bundesstaat Missourri soll das sein - wandern alle Gläubigen über die Rocky Mountains nach Utah und lassen sich in Salt Lake City nieder, wo sich auch heute noch ihre Zentrale befindet. Der Umzug in das neue “Zion” Missourri soll immer noch stattfinden, jedoch erst dann, wenn Jesus wieder auf der Erde erscheint.

Ihren größten Märtyrer hat die Mormonenkirche in Joseph Smith selbst, der 1844 erschossen wurde, als eine aufgebrachte Menge das Gefängnis stürmte, in dem er gerade saß. Die Mormonen hatten das Büro der Zeitung “Nauvoo Expositor” zerstört, weil diese negative Artikel über die Glaubensvereinigung veröffentlichte, woraufhin Joseph Smith eingesperrt wurde.

Seine Nachfolger sind die jeweils aktuellen Präsidenten der Kirche, die zugleich Propheten und - ähnlich dem Papst - das Sprachrohr Gottes sind. Nur dem Präsidenten steht es zu, göttliche Offenbarungen für die Kirche zu empfangen.

Berühmt sind die Mormonen wegen ihres eindrucksvollen Tempels in Salt Lake City. Darin beten darf aber nur, wer ein vom Bischof ausgestelltes Berechtigungsschreiben besitzt, das aber nur würdige Mitglieder der Gemeinde erhalten, die den Zehnten bezahlen und sich außer von Tabak und Alkohol auch von Kaffee und Tee fernhalten. Mit dem “Zehnten” sind zehn Prozent des Bruttoeinkommens gemeint. Für Jugendliche interessant ist die Tatsache, daß man bei den Mormonen schon ab sechzehn Jahren Priester werden kann, ab neunzehn sogar “Ältester”. Frauen können kein Priesteramt bekleiden, es wird auch nicht gerne gesehen, wenn sie einen Beruf - außer Hausfrau - ausüben, denn: Im Anfang wurde Adam - nicht Eva - angewiesen, das Brot im Schweiße des Angesichts zu erwerben, sprach der Mormonenpräsident Benson im Jahr 1986.

Selbstverständlich wird das Buch Mormon von den sonstigen christlichen Kirchen nicht anerkannt, vielen Fachleuten erscheint es wegen der zahlreichen (vermutlich vom Übersetzer eingeflochtenen) Passagen über Jesus Christus ziemlich unglaubwürdig. Und vor allem: Was soll ein Engel Gottes im Jahre 1827? Noch dazu in Amerika. Derartige Wesen - ob sie jetzt Räder haben oder nicht - gehören in den Nahen Osten, und es sollten seit ihrem Erscheinen wenigstens zweitausend Jahre vergangen sein.

In Deutschland erschienen die ersten Mormonen im Jahr 1851 in Hamburg und wurden in der Elbe getauft, da nur die Taufe durch völliges Untertauchen gilt.

Bei den Mormonen kann man auch getauft werden, wenn man schon tot ist, sie pflegen deshalb umfangreiche Ahnenforschungen um alle ihre Vorfahren mormonisieren zu können. Ob die Toten die Taufe annehmen, bleibt ihnen selbst überlassen. Besonders ranghohe Mormonen werden schon zu Lebzeiten in einer “Second Anointing” genannten Prozedur zu Göttern gesalbt.

Bezüglich des Heiligen Geistes haben sich die Mormonen etwas Neues einfallen lassen, sie unterscheiden zwischen “Holy Ghost” und “Holy Spirit”. Der erste ist ein persönliches Wesen und gehört zur Dreieinigkeit “Vater, Sohn und Heiliger Geist”, der zweite ist eine unpersönliche göttliche Kraft. Und Adam ist angeblich eine Inkarnation des Erzengel Michael. Es führt zu Erkenntnissen unerhörter Tragweite, wenn man diese Theorie mit denen der Zeugen Jehovas im nächsten Kapitel kombiniert.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel
Kreative Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen

Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder
Über einen eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger

Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham
Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser

Kapitel 4 - Moses
Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise

Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden
Die Verführungskünste des König David und seiner Söhne

Kapitel 6 - Weisheiten
Wo Rockbands ihre Texte klauen

Kapitel 7 - Raumfahrer
Berichte über Hubschrauber, Raumstationen und seltsame Wesen

Kapitel 8 - Jesus
Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm Leben ein

Kapitel 9 - Weiber
Biblische Sprüche über Frauen

Kapitel 10 - Wunder über Wunder
Wasser oder Wein?

Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige
1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann

Kapitel 12 - Himmel und Hölle
Ein Katastrophenbericht über den Untergang der Welt

Kapitel 13 - Katholen und Evangelen
Traubensaft statt Blut Christi

Kapitel 14 - Moroni
Barfuß in einem amerikanischen Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823

Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe
Die Zeugen Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes

Kapitel 16 - Lorbe(e)ren
Der Heilige Geist in Österreich