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Katholen und Evangelen
Die meisten Deutschen sind entweder katholisch oder evangelisch. Ende 1994
waren es jeweils ca. 28 Millionen - zusammen ungefähr 68 Prozent der
Gesamtbevölkerung - die sich offiziell zu den beiden Großkirchen bekannten.
Allerdings geht nur ein Fünftel dieser Menschen in die Kirchen, was darauf
schließen läßt, daß es bei uns etwa 45 Millionen Menschen gibt, die nur
deswegen katholisch oder evangelisch sind, weil es ihre Eltern auch waren
und weil sie zu bequem sind, auszutreten.
Katholiken ist das Fernbleiben von der Kirche allerdings vom Papst verboten:
Die Kirche verpflichtet die Gläubigen, an den Sonn- und Feiertagen der
Göttlichen Liturgie beizuwohnen.
Würde man die “Zwangseinweisung”, die traditionelle Taufe im Säuglingsalter
bei der katholischen Kirche abschaffen und dem Vorbild Jesu folgen, der sich
erst als Erwachsener taufen ließ (die sogenannte Gläubigentaufe, bei der der
Täufling frei entscheidet daß er zur Religionsgemeinschaft gehören will),
dann könnten die Katholiken wahrscheinlich binnen zwei Generationen ihre
Kirchen dicht machen.
Der größte Unterschied zwischen Katholiken und den anderen christlichen
Kirchen besteht darin, daß für die Katholiken nicht nur das Wort Gottes -
die Bibel - heilig und wahr ist, sondern auch traditionelle Überlieferungen,
die nicht in der Bibel stehen. Zum “Dogma” erhoben, müssen diese von den
Katholiken offiziell geglaubt werden. Der Papst stellt fest: Die Heilige
Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und
haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen
beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. So
ergibt sich, daß die Kirche, der die Weitergabe und Auslegung der
Offenbarung anvertraut ist, ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus
der Heiligen Schrift alleine schöpft.
Evangelisch - oder noch Schlimmeres - zu sein ist ziemlich gefährlich, falls
man der katholischen Kirche glaubt: Darum können jene Menschen nicht
gerettet werden, die sehr wohl wissen, daß die katholische Kirche von Gott
durch Jesus Christus als eine notwendige gegründet wurde, jedoch nicht in
sie eintreten oder in ihr ausharren wollten.
Erfunden wurde die evangelische Kirche vom Katholiken Martin Luther im 16.
Jahrhundert, der etwas gegen die weitverbreitete Praxis hatte, sich mittels
Geldzahlungen an die Kirche von seinen Sünden freikaufen zu können. Dies
brachte Luther zwar den Bann des Papstes ein, aber viele Menschen zeigten
Interesse an einer kostenlosen Sündenvergebung, was zu einer großen
Reformationsbewegung führte, die schließlich 1948 zur Gründung der
“Vereinten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands” führte.
Die evangelische Kirche erscheint dem aufgeklärten Menschen von heute etwas
weniger verbohrt als die katholische, obwohl man auch als Evangele daran
glauben muß, daß Gott “ein Wesen in drei Personen” ist.
Bei den Evangelen dürfen nicht nur Pfarrer heiraten, nein sogar Frauen
dürfen Priesterinnen werden, was bei den Katholen undenkbar wäre: Die
heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann. Jesus, der Herr, hat
Männer gewählt, um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden, und die
Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten, die ihnen in ihrer
Aufgabe nachfolgen sollten. Die Kirche weiß sich durch diese Wahl, die der
Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu
weihen.
Der Papst widerspricht sich mit dieser Erklärung allerdings selber, denn an
anderer Stelle des Katechismus heißt es: Jede Form einer Diskriminierung
in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es
wegen des Geschlechts oder der Rasse ... muß überwunden und beseitigt
werden, da sie dem Plan Gottes widerspricht.
Vielleicht erleben wir noch den Tag, an dem eine schwarze Frau Papst
wird.
Katholische Pfarrer haben glücklicherweise ihre Haushälterinnen, die für sie
kochen, abwaschen und bügeln, wenn auch manchmal berichtet wird, die
Beziehung zwischen Pfarrer und Haushälterin wäre inniger als vorgesehen. So
war in einem angesehenen deutschen Nachrichtenmagazin zu lesen, daß einer
der größten Haushaltsposten der katholischen Kirche die Zahlung von
Alimenten für ihre Priester sei. Ob dieser Bericht zutreffend war, sei
dahingestellt, aber es ist kein Wunder, wenn der Papst von Journalisten
wesentlich mehr fordert als nur korrekte Berichterstattung: Schon
aufgrund ihrer Berufsaufgabe im Pressewesen haben Journalisten die
Verpflichtung, bei der Verbreitung von Informationen der Wahrheit zu dienen
und das Liebesgebot nicht zu verletzen.
Die Katholiken sind von oben nach unten strukturiert, sie bekommen ihren
Priester vorgesetzt, während es bei den Evangelen etwas demokratischer
zugeht: Die Gemeinde wählt ein Gremium, dieses wählt den Pfarrer, der dann
allerdings etwas Wahlwerbung für sich betreiben muß.
Glaubenstechnisch besteht ein sehr großer Unterschied darin, daß die
Katholiken allen Ernstes zu glauben haben, bei der Wandlung würden aus
Rotwein und Oblaten Blut und Fleisch Jesu Christi: In der
Eucharistiefeier werden Brot und Wein durch die Worte Christi und die
Anrufung des Heiligen Geistes zu Leib und Blut Christi gewandelt. Die
Kirchenväter betonen entschieden den Glauben der Kirche, daß das Wort
Christi und das Walten des Heiligen Geistes so wirkkräftig sind, daß sie
diese Verwandlung zu bewirken vermögen.
Wie genau das passiert, ist nicht zu erfahren. Du fragst, wie das
Brot Leib Christi und der Wein Blut Christi wird. Der Heilige Geist kommt
hinzu und wirkt, was jedes Wort und jeden Gedanken übersteigt.
Warum eine katholische Oblate auch nach der Wandlung trotz eindringlichem
Geläute nicht im entferntesten nach Fleisch schmeckt, hat der Papst noch
nicht erklärt. Und warum der Pfarrer diesen in Blut verwandelten Wein auch
noch trinkt, bleibt dem wahren Bibelkenner ein Rätsel. Dort wird wiederholt
von Gott ausdrücklich verboten, Blut zu trinken oder bluthaltiges Fleisch zu
essen.
Und vor allem: Für Menschen, die - so wie die katholischen Priester es
scheinbar tun - Fleisch oder Blut eines anderen aufessen gibt es nur eine
Bezeichnung: Kannibalen.
Die Evangelen gehen dieses Wunder etwas gelassener an, sie betrachten beides
nur als Symbole, die Oblate bleibt eine solche, der Wein bleibt Wein.
Außerdem dürfen alle Kirchenbesucher die wollen, Wein trinken, was bei
Katholiken dem Priester vorbehalten bleibt. Der Pastor wischt nach jeweils
vier Trinkern den Kelch ab, damit es einigermaßen hygienisch bleibt. Auf
Wunsch erhalten evangelische Abstinenzler oder Alkoholiker auf Entzugskur
statt Wein auch Traubensaft.
Hat ein Katholik Sünden begangen, so muß er diese zuerst seinem Pfarrer
aufsagen, da nur dieser eine direkte Beziehung mit Gott hat. Der Priester
bestraft ihn dann im Auftrage Jahwes mit soundsoviel Vaterunsern. Ein
Evangele dagegen kann alleine zuhause mit Gott sprechen und seine Sünden
bereuen, eine Beichte beim Pfarrer gibt es nicht.
Katholische Kirchen sind meist mit vergoldetem Prunk vollgestopft, während
die Evangelen eher etwas spärlich zur Sache gehen. In manchen ihrer Kirchen
findet sich noch nicht mal ein Kreuz.
Eine evangelische Frau kann bedenkenlos die Pille nehmen, während für einen
katholischen Mann sogar ein Kondom verboten ist, auch wenn er es nur als
Aids-Schutz benützen will.
Katholiken haben einen ungleich größeren Anti-Sex-Koller als die Evangelen,
jeglicher Sex, der nicht der Fortpflanzung dient ist verboten, angeblich,
weil es gegen Gottes Willen ist, das Fleisch nur zum Ziel der Lust zu
benutzen. Wenn man sich streng an diese Argumentation hält, müßte man
allerdings auch sämtliche Kaugummikauer zu Sündern erklären, da Gott unsere
Verdauungsorgane geschaffen hat, um der Ernährung zu dienen und
Kaugummikauer diese Körperfunktion zu ihrem puren Vergnügen mißbrauchen.
Sex vor der Ehe ist dem Katholiken grundsätzlich verboten, auch wenn er
schon verlobt ist: Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem
Mann und einer Frau, die nicht miteinander verheiratet sind. Sie ist ein
schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichen
Geschlechtlichkeit selbst. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch
junge Menschen sittlich verdorben werden. Der Geschlechtsakt darf
ausschließlich in der Ehe stattfinden; außerhalb der Ehe ist er stets eine
schwere Sünde und schließt vom Empfang der Heiligen Kommunion aus. Manche,
die zu heiraten beabsichtigen, beanspruchen heute eine Art Versuchsrecht.
Die menschliche Liebe läßt den bloßen Versuch nicht zu. Sie verlangt eine
endgültige und ganze gegenseitige Hingabe der beiden Partner. Die leibliche
Vereinigung ist nur dann moralisch zu rechtfertigen, wenn zwischen dem Mann
und der Frau eine endgültige Lebensgemeinschaft gegründet worden ist.
Also: Erst heiraten und dann zusammen ins Bett gehen, aber dabei aufpassen,
daß man nicht zu sehr stöhnt und in Ekstase verfällt, denn: Die
Geschlechtlichkeit ist eine Quelle der Freude und Lust. Der Schöpfer selbst
hat es so eingerichtet, daß die Gatten bei dieser Zeugungsfunktion Lust und
Befriedigung des Leibes und des Geistes erleben ... Doch sollen die Gatten
sich innerhalb der Grenzen einer angebrachten Mäßigung zu halten wissen.
Woher die Verfasser des Katechismus wissen, daß Sex eine Quelle der
Freude und Lust ist, sei dahingestellt.
Katholische Ehepaare, die sich dringend ein Kind wünschen aber keins
bekommen können, dürfen im Gegensatz zu Evangelen keineswegs auf die
Errungenschaften der modernen Medizin zurückgreifen: Techniken, die durch
das Einschalten einer dritten Person (Ei- oder Samenspende,
Leihmutterschaft) die Gemeinsamkeit der Elternschaft auflösen, sind äußerst
verwerflich. Werden diese Techniken innerhalb des Ehepaares angewendet
(homologe künstliche Insemination und Befruchtung), sind sie vielleicht
weniger verwerflich, bleiben aber dennoch moralisch unannehmbar.
Jugendliche arbeitslose Hausbesetzer, die im Supermarkt auch gerne mal eine
Tube Sardellenpaste mitgehen lassen, sollten unbedingt katholisch werden:
Kein Diebstahl ist es ... wenn in offensichtlicher Notlage die Aneignung und
der Gebrauch fremden Gutes das einzige Mittel ist, um unmittelbare
Grundbedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und Kleidung zu befriedigen,
schreibt der Papst.
Gut die Hälfte der Evangelen dürfen das Alte Testament für eine Art Sage
halten und nehmen es nicht sehr ernst, bleiben also von vielen peinlichen
Bibelstellen verschont, während dies für Katholiken undenkbar ist. Der Papst
schreibt: Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort
Gottes. Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es
hinfällig gemacht habe, wies die Kirche stets entschieden zurück.
Was manchem Kirchenbesucher in der Praxis als der größte Vorteil erscheinen
mag: Evangelische Pfarrer singen strategisch weniger als ihre katholischen
Kollegen, die ihre Gemeinde während der Messe mit oft hochgradig peinlichen
musikalischen Vorträgen beglücken. Würde Jahwe heute wiederkommen und eine
seiner katholischen Messen besuchen, so würde er wohl umgehend ein neues
Gebot in die Bibel schreiben lassen: “Wer des Gesanges nicht mächtig ist,
soll sich diesem nur alleine zuhause befleißigen.” |
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 - Die Herkunft der Bibel Kreative
Schriftsteller, die eine Mutter von fünf Söhnen kinderlos bleiben lassen
Kapitel 2 - Jahwe und seine Kinder Über einen
eifersüchtigen Anstifter zum Massenmord und seine dicken Nachfolger
Kapitel 3 - Von Noah bis Abraham Berichte über Vegetarier, Alkoholiker und Wichser
Kapitel 4 - Moses Ein stotternder Mörder macht sich auf die Reise
Kapitel 5 - Gemetzel und Weiberhelden Die
Verführungskünste des König David und seiner Söhne
Kapitel 6 - Weisheiten Wo Rockbands ihre Texte klauen
Kapitel 7 - Raumfahrer Berichte über Hubschrauber,
Raumstationen und seltsame Wesen
Kapitel 8 - Jesus Ein Lausbub haucht Sperlingen aus Lehm
Leben ein
Kapitel 9 - Weiber Biblische Sprüche über Frauen
Kapitel 10 - Wunder über Wunder Wasser oder Wein?
Kapitel 11 - Märtyrer & Heilige 1000 Tips, wie man sich quälen lassen kann
Kapitel 12 - Himmel und Hölle Ein Katastrophenbericht
über den Untergang der Welt
Kapitel 13 - Katholen und Evangelen Traubensaft statt Blut Christi
Kapitel 14 - Moroni Barfuß in einem amerikanischen
Schlafzimmer: Ein Engel des Herrn im Jahre 1823
Kapitel 15 - Gesalbte und andere Schafe Die Zeugen
Jehovas erobern die Welt und erben das Reich Gottes
Kapitel 16 - Lorbe(e)ren Der Heilige Geist in Österreich
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