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22.6. Dienstag
Am Morgen kam ein älterer
Herr vorbei und erzählte mir, dass ich hier in einer sehr gefährlichen
Gegend lebe. Man hat hier angeblich schon Frauen überfallen. Außerdem
bräuchte man eine Genehmigung vom Wasserwirtschaftsamt, um hier vor
Anker zu liegen. Vor ein paar Jahren hätten hier mal drei Boote
festgemacht und dann kam die Wasserschutzpolizei und hat sie wieder
vertrieben. Ich beschloss, einfach alles so zu nehmen wie es kam.
Vorsichtshalber hob ich mir die Renovierung der Lenkung bis zum
Schluss auf. Sollte ein Wasserpolizist kommen, konnte ich mich immer
darauf berufen, dass ich noch nicht verkehrssicher fahren könnte und
nach dem Motto „Not kennt kein Gebot“ erst mal weiter hier liegen und
reparieren musste.
Nachmittags kam ein
Streifenpolizist daher geschlendert und wollte wissen, ob das mein
Boot sei und ob ich meine auf der Wiese verstreuten Utensilien auch
wieder mitnehme, wenn ich abfahre. Ich bejahte beides und er ging
zufrieden weiter. Heute schien Polizeitag zu sein, etwas später kam
die Wasserschutzpolizei die Bucht herauf, blieb fünfzig Meter vor mir
stehen und kehrte wieder um. Die hatten wohl kein größeres Interesse
an mir.
Ich fuhr wieder den See
hinunter, diesmal aber nicht am Rand entlang, sondern in der Mitte.
Ich wurde zunehmend tapferer und zuckelte auch einige Mal quer über
die Bucht. Ein anderes Boot überholte mich und machte Wellen – meine
ersten größeren Wellen und ich wurde nervös, als ich sie auf mich
zukommen sah. Ich kam leicht vom Kurs ab, aber das erwartete größere
Geschaukel blieb aus. Seit ich den Motor tiefer gelegt hatte, fuhr
sich der Kahn viel besser.
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