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Nie alleine hingehen !!! |
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Dunkel-Restaurant Nocti Vagus, Saarbrücker Str. 36-38, Prenzlauer Berg
„Im Zentrum stehen außergewöhnliche kulinarische Genüsse. Die gereichten Speisen unterscheiden sich grundlegend von der herkömmlichen, bekannten Küche. Sie werden auf der Grundlage alter, alle Kulturregionen umfassender Rezepte bereitet, die sich ausschließlich mit der Thematik APHRODISIAKA beschäftigen. Die Speisefolgen sind anregend, sinnlich und verführerisch.“ So liest man es auf der Internetseite des Nocti Vagus - und es stimmt auch. Spätestens nach der Vorspeisensuppe möchte man die Hand der Begleiterin nehmen und zärtlich streicheln. Ihr die Innenseite der Unterarme leicht massieren, bis sie ein angenehmes Kribbeln überfällt. Leider ist man ohne Begleitung gekommen, man wollte ja bloß einen Routinebericht über das Lokal schreiben und seine Aufmerksamkeit ungeteilt dem Geschehen im Dunkelrestaurant widmen. Jetzt fehlt die Frau entsetzlich, dafür kommt das Hauptgericht. Gebratene Ente mit Kartoffelklößen und Rotkohl, wieder mit Aphrodisiaka versetzt. Zwei Bissen von der Ente – die man lieber mit den Fingern im Teller sucht, als sich im Dunkeln um Gabel und Messer zu kümmern, sieht ja eh keiner - und schon versinkt man in Vorstellungen, wie man der Begleitung zärtlich über die Brust fahren würde, eventuell sogar unter den Pulli. Den sie eigentlich gar nicht bräuchte. Es ist warm im Lokal und keiner sieht was.
Die ersten paar Minuten sind gewöhnungsbedürftig, aber das Personal gibt einem das Gefühl, in Sicherheit zu sein. Man tastet sich etwas scheu über den Tisch, aber bald erfühlt man, dass auf diesem nichts Schlimmeres liegt als Teller, Serviette und Besteck. Kurz darauf auch ein Brotkorb und ein Schälchen Knoblauch-Joghurt-Sauce. Die ersten Eintunkversuche verursachen wahrscheinlich Flecken auf dem Tischtuch, aber zum Glück sieht man die nicht. Die Schäden, die das übergelaufene Glas Bier verursacht hat (beim Einschenken immer an die Schaumbildung denken !) kann man aber deutlich erfühlen. Nach dem Hauptmenu kommt Nadine. Nicht etwa die Frau, nach der man sich gerade die ganze Zeit gesehnt hatte, sondern eine Frau, die einem Gegenstände reicht, die man im Dunkeln ertasten muss. Besonders schwierig ist es nicht. Die Muscheln hatte man schon im Kindergarten mit geschlossenen Augen erraten, die Schüttelbohne hat man selber zuhause stehen. Das jetzt könnte ein Strumpfband für Damen sein, wie man es manchmal in Erotikfilmen sieht, aber auch so eine Art größerer Haargummi. Ein Schälchen voller Sand lässt sich auch ziemlich leicht identifizieren. An diesem Tastkurs könnte das Vagus Nocti schon noch etwas arbeiten, der ließe sich durchaus interessanter gestalten.
Zum Glück hat man Sabine, die einen sicher und gekonnt an der Hand nimmt und durch die Lichtschleuse in die Realität zurück bringt. |