Märkisches Viertel

Spirit of Berlin

Sieht es nicht beeindruckend aus? "Und alles so schön bunt in der Mitte", würde Nina Hagen wohl dazu singen. Und soviel grün. Die Bewunderung vergeht einem allerdings, wenn man aus dem Flugzeug steigt und per Fahrrad das Märkische Viertel in Reinickendorf erforscht. Wohnblock an Wohnblock, bis zu 60 Meter hoch, wenig Menschen auf den Straßen, die "Hinterhöfe" zu schicken begrünten Parkplätzen umgestaltet. Ab und zu mal ein Kinderspielplatz, auf dem aber niemand rumtobt. Eins ist klar: Hier spielt sich das Leben nicht auf der Straße ab, wie in Kreuzprenzlhain, hier wird "gewohnt". Und wahrscheinlich ohne die quälende Frage "Wie mag es wohl bei den Leuten unter mir aussehen?" Kennen tut man den Nachbar ja nicht. Aber es ist ziemlich sicher, dass alle Wohnungen den Anschluss fürs Kabelfernsehen an der selben Stelle haben, also kann man sich ausmalen, wo die Kiste steht und auch der Platz für das zugehörige Sofa ist schnell klar. Das Klo und das Bad muss sowieso an der gleichen Stelle sein wie bei einem selbst, höchstens dass jemand Schlafzimmer und Kinderzimmer vertauscht hat. Wozu also runtergehen, fragen und nachsehen? Am Ende lernt man fremde Leute kennen.

Berlins Wohnsiloghetto wurde von 1963-1974 am Senftenberger Ring und am Wilhelmsruher Damm gebaut. Einen eigenen U-Bahn-Anschluss hat man den ungefähr 17.000 Wohnungen nicht spendiert, alle ohne Auto müssen erst mit dem Bus zur U8 in Wittenau. Früher war hier der Hund begraben, aber inzwischen gibt es ein Einkaufszentrum, ein Hallenbad, mehrere Schulen, Kindertagesstätten und ein Seniorenzentrum. Seit dem Mauerfall ist es auch vorbei mit der Ruhe am Wilhelmsruher Damm. Endlich rührt sich was, er ist jetzt eine Durchgangsstrasse nach Pankow.