Spirit of Berlin

 

 

 


 
 

 

 
 Vom U-Bahnhof Südstern geht es los, um  die Kirche herum in die Bergmannstraße rein, die anfänglich in keinster Weise aussieht wie Kreuzbergs „Flaniermeile“. Man fährt erst mal am Friedhof lang, kann diverse Grabsteinläden bestaunen und erst am Marheinekeplatz kommt etwas mehr Leben auf. 


  Das reservieren wir aber für später und biegen beim Lokal „Austria“ – die übrigens für ein Schnitzel satte achtzehn Euros verlangen – links ab in die Heimstraße. Ungeübten wird vielleicht die Puste ausgehen, denn jetzt geht es bergauf bis man ein schloßähnliches Gebilde erspäht: Das KFZ-Zulassungsamt.

  Das erklärt auch, warum es in der Jüterborger Straße zur Linken nur zwei Arten von Läden gibt: Versicherungsmakler und Nummernschild-Dealer.

 Hat man sich die alle genau angesehen, dreht man um und fährt die Jüterborger, die später zur Fidicinstraße wird Richtung Westen bis zum Wasserturm. Wochentags ist der alte Ziegelbau eine Art Jugendzentrum mit Werkstätte, Tonstudio und Übungsräumen für Bands, am Samstag dient er als Außenstelle des Standesamtes – es kamen schon Leute extra aus Hamburg angereist, um dort zu heiraten. 
An Sonntagen – aber nur im Sommer – kann man im Hof ab zehn Uhr gemütlich und preiswert frühstücken. 

  Beim Schuster „Reißender Absatz“ biegen wir rechts ab und lassen uns an wild bewachsenen Häusern und über den Chamis-soplatz zur Bergmannstraße runter rollen.

  Hier hält sie auch, was man von ihr behauptet: Kreuzbergs Antwort auf den Kudamm zu sein. Jede Menge Kneipen, obskure Läden aller Art, Trödler und viel Publikum.
Am besten parkt man sein Rad irgenwo und schlendert eine Weile auf und ab – viele interessante Dinge entdeckt man erst in den Hinterhöfen. 

 

 

  Hat man genug gesehen gehts weiter Richtung Westen über den Mehringdamm in die Kreuzbergstrasse, die, wie nicht anders zu erwarten zum Kreuzberg führt. 

  Den mit 87 Metern höchsten Berg in der Stadt radelt man bis kurz vor den Gipfel – sofern es die Kondition erlaubt und man ein vernünftiges Mountain-Bike fährt. Alle anderen schieben, oder parken das Rad irgendwo am Rand des Viktoriaparks. 
Wer Silvester in Einsamkeit zu versinken droht, der sollte auf den Kreuzberg gehen. 

  Dort trifft er alle andern und man steht mitten in einem Riesenfeuerwerk .
Und auch das Konkurrenzfeuerwerk vom Brandenburger Tor ist gut zu sehen. 

  Weiter gehts in die Großbeerenstraße, das ist die, die man vom Gipfel des Kreuzbergs aus am besten sieht. Touristische Attraktionen gibt es hier nicht, man könnte vielleicht einen Besuch in der Zyankali-Bar wagen oder sich bei Nostradamus altgermanische Trinkhörner besorgen, damit man mal etwas anderes als diese ewigen Gläser zuhause hat. 

  Die Großbeerenstraße gehts lang bis zur U-Bahn der Linie 1, die man – weil sie hier eine Hochbahn ist – sofort erkennt. Rechts rum und ein wenig das Tempelhofer Ufer entlang um auch mal in den Genuß von Verkehrslärm zu kommen.
Und gleich wieder rechts den Mehringdamm rein, aber nur ein paar hundert Meter.
 
  Interessant ist da ein burgartiges Gebäude, in dem man vielleicht den Ritter von Berlin vermutet, und fast hat man recht. „Raubritter“ wäre besser ausgedrückt.
 Es ist das Kreuzberger Finanzamt. Halt! Nicht sofort wieder umdrehen und wegradeln, sondern tapfer vorwagen bis zur Mitte zum Haupteingang.
Das Finanzamt nimmt uns nicht nur unaufhörlich unser Geld ab, es tut auch Gutes für uns. 

  Die Kantine ist auch für den normalen Bürger geöffnet und bietet täglich wechselnde Speisen – auch für Vegetarier. Die Speisekarte hängt wie in guten Restaurants üblich am Eingang aus

  Stehen da doch glatt so Leckereien drauf wie „Kängurugulasch mit Kroketten und Pilzen“ für vier Euro zehn. Vier Euro Zehn!!! Und das war das teuerste Gericht auf der Karte!

  Über die Blücherstraße und links an der Heilig-Kreuz-Kirche vorbei in die Johanniterstraße kommt man dann zum Carl-Herz-Ufer und fahren den Landwehrkanal lang, der uns zum Böcklerpark führt. 




  Hier hats Restaurantschiffe, Jogger, Leute, die Parties feiern, sonnenbaden, Trompete üben, grillen und Patienten aus dem nahegelegenen Urban-Krankenhaus.

  Also nicht erschrecken, wenn einem im Oktober Leute im Bademantel entgegenkommen. Das sind keine Verrückten sondern Kranke. Je wärmer das Wetter, desto voller der Park – er ist das Naherholungsgebiet für alle umwohnenden Kreuzberger.

  Der Weg am Kanal führt uns zur Kreuzung Böckh-/Grimmstraße, da gibts eine gute Eisdiele, einen preiswerten Italiener mit diesen großen Pizzas, die über den Tellerrand hinausragen – die Bedienungen da sprechen aber in der Regel 
ausschließlich italienisch mit ihren Gästen.

 Und hier ist Halbzeit der Tour, bevor es mit Teil 2 weitergeht – der Tour in das alte SO 36, die wilderen Gegenden von Kreuzberg.

Hier geht es weiter zu Teil 2 >>>