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„Gehweg-Schäden“
Naja, hätte man auch ohne das Schild gemerkt. Prenzlberg ist voll mit
diesen Schildern. Einen ganz weichen Sattel sollte man sich mitnehmen
auf dieser Tour, man fährt praktisch nur über kaputte Gehwege oder
Kopfsteinpflasterstraßen. Radwege sind hier eine Seltenheit.
Gestartet wird am U-Bahnhof Bernauer Straße,
statt der Bernauer fährt
man den Feldweg,
auf dem früher die Mauer stand Richtung Osten und
schon nach ein paar Minuten ist
man am Mauerpark,
dem örtlichen Naherholungsgebiet.

Es ist ein sehr wichtiger Park, vor allem für
die ganzen Sprayer, die legal oben am Hügel des Parks eine ganze Wand
für sich haben und im Dauerwettstreit sind, die Graffiti der anderen
noch kunstvoller zu übersprühen. Gerade in den lauen Nächten wird hier
viel getrommelt, Musik gemacht, manchmal auch ein Feuerchen und
Basketball und Boule gespielt. Der Park sieht zwar seltsam steril und
künstlich aus, ist aber aber von vielen hochgeschätzt. Dort befindet
sich auch die Max-Schmelinghalle, in der viele große Konzerte
stattfinden.
Aber für ein Picknick im Park ist es jetzt noch zu früh und man kann den
vor sich hin gammelnden Prenzelbergern nur „Gutes Abfaulen“ wünschen und
weiterradeln.
„Ui, das sieht aber süß aus“ denkt man sich wenn man die Hausbemalung
des Thailänders sieht. Das ist ja schon richtige Kunst, nicht nur
Graffitis. An Andys Fahrschule – nanu, wie sehen denn hier die
Fahrschulen aus? ist das vom TÜV
abgenommen? – wird einem klar, dass
diese Art von Hausbemalung wohl zum Prenzelberger Stil gehört. Und
später auf der Tour sieht man noch jede Menge von diesen schick bemalten
Häusern. Sogar Jalousien werden auf diese Art verschönert.

Auf der Danziger Straße bekommt einen ersten Eindruck, mit welcher Art
von
Bevölkerung man hier rechnen muss. Gepierct sind sie, sonst würde es
den Piercing-Shop nicht geben.
„Rock-A-Tiki rockin’ wear“ und „underground-shoes“ heißen die
Läden, die man hier verstärkt vorfindet. Die sind bestimmt nicht für die
ältere Generation gedacht–
und spätestens am „Head Shop“ weiß man
wo’s langgeht. Hier wohnt das Jungvolk. Und zwar die etwas gemäßigteren
Jüngeren, die nicht bei den Anarchos in Kreuzberg
wohnen wollen.
Um das Flair von Prenzlberg kennenzulernen, radelt
man am besten gemütlich und
planlos die Seitenstraßen der Danziger auf
und ab. In jeder Straße gibt es etwas, das sich anschauen lässt: Exotische Blumenhändler, der Luftballon-VW-Bus vor „coledampfs cultur
centrum“, ein Laden für tunesische Kunst, ordinäre Trödler,
und wenn man eine handgestrickte Jacke braucht wird
man auch schnell fündig. Für Menschen mit Lust auf safer Sex hats einen Kondomladen.

Das Kneipenleben findet – sofern es die Witterung zulässt – im Freien
statt. Prenzlberg ist voll von Kneipen. „In“-Viertel sind der
Kollwitzplatz, die Kastanienallee und die Gegend am
Wasserturm (Knaack/Diedenhofer),
der inzwischen aber nicht mehr für die Wasserversorgung zuständig ist –
da kann man drin wohnen. Aber wahrscheinlich wird es nicht einfach sein,
eine der freiwerdenden Wohnungen zu ergattern.
Alteingesessene Westberliner müssen aufpassen! Auch nach über zehn
Jahren Wiedervereinigung ist so mancher noch nicht daran gewöhnt, dass
man im Osten nicht nur von Autos sondern auch von Straßenbahnen
überfahren werden kann. Also achtsam nach diesen gelben Ungeheuern
Ausschau halten, die einen ständig bedrohen.
Vereinzelt sieht man auch noch einen dieser wunderbaren
unsanierten Altbauten – die mit den Wohnungen mit Kachelofen, fließend
kaltem Wasser und einem Klo für vier Mietparteien auf halber Treppe.
Hier lässt es sich noch billig wohnen und hier bekommt man auch schnell
Kontakt zu den Mitbewohnern. „Wer ist denn diese Woche dran mit
Klopapier kaufen?“

Und als kleines Highlight kann man sich seine stumpfen chirurgischen
Instrumente – sofern man welche besitzt – schleifen lassen
. Sorry,
konnte, nicht kann. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass da
inzwischen leider eine Galerie drin ist. Wohl pleite gegangen, der
Skalpellschleifer.
Prenzelberg ist auch eine gute Gegend um an günstige Schuhe zu kommen.
Sie stehen da gerne herrenlos in den Straßen.

Die Kulturbrauerei (Knaack/Danziger) ist der Veranstaltungsort für
Kleinkunst und Subkultur. Von Dichterlesungen über Multikulti-Russen bis
hin zu Kabarett bekommt man hier im Kesselhaus alles geboten.


Aber es gibt auch ein unromantischeres Prenzelberg,
das man schnell findet, wenn man die Danziger weiter runterfährt. Sie
verödet allmählich und schockt mit Plattenbauten.
Nach guten 10 Minuten, die es zum Glück meistens bergab geht, biegt man
links in die Paul-Heyse-Str. ein, an deren Ende man das Velodrom sieht,
bzw. nicht sieht. Was auf den ersten Blick aussieht, wie eine nicht
fertig gebaute Pyramide ist Berlins unterirdische Halle für
Großveranstaltungen. Ein
riesiger Rundbau, den man erst zu Auge bekommt, wenn man die
Pyramidenstufen erklommen hat.
In der Regel spielen hier Pop-Bands die mit ungefähr 10.000 Besuchern
rechnen können. Inzwischen haben sie das Velodrom in „Berlin Arena“
umbenannt – ein kluger Schachzug unserer städtischen Beamten, es gibt
immerhin bereits eine „Arena Berlin“. Inzwischen gibt es einen
Rechtsstreit zwischen dem Land Berlin (Eigentümer der Berlin Arena,
www.berlin-arena.de) und der Arena Berlin, die sich nicht mehr so nennen
soll. Näheres bei www.arena-berlin.de.
Das Velodrom wird umrundet und schon ist man am S-Bahnhof Landsberger
Allee. Aber halt! Noch nicht gleich heimfahren, hier gibts noch den
alten Schlachthof anzusehen . Das Gelände ist zwar eigentlich
gesperrt, aber irgendwo findet man immer eine offene Tür für die
Baulaster und kann drin rumradeln. Das sollte man auch tun, denn bis zum
Jahr 2006 wollen sie das ganze Gelände abreißen und statt dessen moderne
Wohnungen und Gewerbe ansiedeln. Die genauen Baupläne findet man bei
www.alter-schlachthof-berlin.de
. Aus der Ferne sieht man auch ein bunt
bemaltes Hochhaus
– Prenzlberg
eben. Wer es näher betrachten will, macht noch schnell einen Abstecher
in die Storkower Straße.
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